Nach Urteil zu Gebührenerhöhung Beschwerden von Bankkunden nehmen zu

Die Finanzaufsicht Bafin hat Banken aufgefordert, ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Erhöhung der  Kontogebühren schnell und fair umzusetzen. Foto: dpa/Uli Deck
Die Finanzaufsicht Bafin hat Banken aufgefordert, ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur Erhöhung der Kontogebühren schnell und fair umzusetzen. Foto: dpa/Uli Deck

Die Finanzaufsicht Bafin fordert Kreditinstitute auf, das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu unrechtmäßig erhobenen Gebühren umzusetzen. Hintergrund sind wachsende Klagen der Kunden.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Frankfurt - Die Finanzaufsicht Bafin registriert eine wachsende Zahl von Kundenbeschwerden über Kreditinstitute. Bis Mitte Oktober gingen rund 9000 Beschwerden ein, 2020 waren es 9547 im ganzen Jahr, wie die Behörde auf Anfrage mitteilte.

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Ein Grund dafür sei ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von Ende April, mit dem die Richter das von Banken und Sparkassen seit Jahrzehnten praktizierte Verfahren für Gebührenerhöhungen kippten.

Die Bafin forderte die Kreditinstitute am Dienstag auf, dieses Urteil schnell und fair umzusetzen. So müssten zu Unrecht erhobene Entgelte „umgehend erstattet werden“. Einzelne Institute haben in der Vergangenheit Kunden, die Erstattungsansprüche anmeldeten, gekündigt. Dies wurde von der Bafin ausdrücklich kritisiert.

Während die Klagen über Kreditinstitute zunahmen, ist die Zahl der Beschwerden über Bankberater rückläufig. Über das gesonderte Register hierfür wurden laut Bafin seit Jahresbeginn rund 2500 Beschwerden gemeldet, im gesamten Jahr 2020 waren es fast 5000. Die Anlageberatung durch Bankmitarbeiter wird von Verbraucherschützern seit langem kritisiert, weil sie in der Regel durch Provisionen finanziert wird.

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„Banken empfehlen oft Fonds aus dem eigenen Haus, weil sie daran am meisten verdienen. Deren Rendite ist aber nicht unbedingt besser als die anderer Fonds, das Gegenteil ist oft der Fall“, sagt auch Nic Schaub, Professor für Household Finance an der WHU - Otto Beisheim School of Management. Er ist Ko-Autor der 2018 veröffentlichten Studie „Financial Advice and Bank Profits“, die den kritisierten Interessenkonflikt bestätigte. Das bedeute aber nicht, dass Bankberatung grundsätzlich nutzlos sei, betont Schaub. „Ein Bankberater kann dem Kunden helfen, überhaupt erst einmal über die Anlage in Wertpapieren nachzudenken und ein Depot zu eröffnen. Das ist oft für beide Seiten von Vorteil.“

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