Nachhaltig schlemmen an der Uni Hohenheim Auf den Teller statt in den Müll

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Spitzenküche mal anders: In Hohenheim kochen Studierende und Flüchtlinge unter Anleitung eines Gourmetkochs Couscous – mit Gemüse mit Schönheitsfehlern. Alles nachhaltig. Die Esser stehen Schlange.

Beim  Obst- und Gemüseschnippeln kann man sich gut unterhalten und kennenlernen. Foto: Lichtgut/Horst Rudel
Beim Obst- und Gemüseschnippeln kann man sich gut unterhalten und kennenlernen. Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Stuttgart - Anas Raiha schneidet erst Melonen, dann Birnen in kleine Stücke. Die braunen Stellen bei den Birnen entfernt er. Der 22-jährige Flüchtling aus Damaskus hat seine Schulkameraden aus der Vabo-Berufsvorbereitungsklasse der Steinbeis-Schule aus Feuerbach und Bekannte aus der Plieninger Flüchtlingsunterkunft mit auf den Hohenheimer Unicampus gebracht: Beim Obst- und Gemüseschnippeln stehen sie Seit an Seit mit Hohenheimer Studierenden, die sich vor der Thomas-Müntzer-Scheuer an der Kochaktion zum Nachhaltigkeitstag beteiligen.

Zwischendrin wirbelt Spitzenkoch Markus Eberhardinger, der mit Frank Oehler aus der Speisemeisterei die Aktion unterstützt. Eberhardinger schleppt säckeweise Obst und Gemüse herbei, das sein Lieferant wegen kleiner Schönheitsfehler oder Überlagerung nicht verkaufen kann. „Das können wir alles mit gutem Gewissen verarbeiten“, sagt Eberhardinger – „das wär zu schade für den Müll“. Lauch, Paprika, Brokkoli, Tomaten, Knoblauch landen fein geschnitten und mit Salz und der Gewürzmischung Ras el Hanout mariniert in Pfannen, die Flüchtlinge und Studierende schwenken – und anschließend in einem Riesenbottich mit Couscous. Der köstliche Duft lockt jede Menge Leute an, zumal die Aktion mit einem kostenlosen Schmaus verbunden ist.

Kochen, Sprachtandems und Party bringt Studenten und Flüchtlinge zusammen

Initiiert wurde die Aktion, die zum zweiten Mal stattfindet, vom Fachgebiet für Nachhaltigkeitsmanagement und studentischen Gruppen. „Die Idee war, den Campus und die Flüchtlinge zusammenzubringen und ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen“, sagt Niklas Effenberger, der Bioökonomie studiert und zu den Initiatoren gehört – gemeinsam mit Dennis Jung von Global Campus und Marcel Bubeck von Greening. Viele Flüchtlinge und Studierende kennen sich schon: Man kocht gemeinsam daheim. „Und wir machen Sprachtandems mit den Geflüchteten“, sagt Peter Martin von Global Campus, der Wirtschaftswissenschaften studiert. „Wir hoffen, dass sich daraus Freundschaften entwickeln.“ Donnerstag nehme man die Flüchtlinge zur Party in der TMS mit, so Jung. Anas findet das „total cool“.

„Unser Hauptthema ist Flüchtlingsarbeit“, sagt Effenberger. „Es geht uns aber auch um Lebensmittelverschwendung: Wir wollen zeigen, dass man mit Essen, was sonst im Müll landet, noch was Leckeres kochen kann.“

Couscous und Lassi für lau – das bedeutet lange Schlangen

Dieses Ziel haben sie erreicht. An der Ausgabetheke bilden sich lange Schlangen. Als Zugabe gibt’s noch einen Lassi. Die Orangen für das indische Joghurt-Getränk hat Anas Mitschüler Dlowan Nasradin geschnitten, ein chinesischer Student der Ernährungswissenschaften hat sie ausgepresst, andere Steinbeis-Schüler haben mit einem Riesen-Zauberstab Birnen und Bananen püriert. Ein Blatt Minze auf das Getränk – köstlich!

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