Die katholische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen verleiht seit Kurzem Elektrofahrräder und gibt für den Gottesdienst Decken aus. Es geht um den Klimaschutz.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Schick sehen sie aus, die beiden Elektrofahrräder vor dem Gemeindezentrum Christus König. Seit Kurzem können diese kostenlos geliehen werden. Das Projekt „Letzte Meile“ der Europäischen Union (EU) macht das möglich. Über dieses hat die katholische Gesamtkirchengemeinde Vaihingen zwei Ladestationen mit jeweils zwei E-Bikes gesponsert bekommen. Sie stehen bei den Kirchen Christus König in Vaihingen und Heilige Familie in Dürrlewang.

„Das ist eine gute Sache, weil man so viel schneller von A nach B kommt. Das ist auch für unsere Mitarbeitenden sehr komfortabel“, sagt Elisabeth Schick-Ebert. Schließlich sei die Gesamtkirchengemeinde über insgesamt vier Standorte verteilt, erklärt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats und ergänzt: „Wir wollen die Chance geben, es mal auszuprobieren. Schließlich ist so ein E-Bike eine teure Anschaffung.“

Bisher sei das Interesse noch verhalten. Eine Mitarbeiterin nutze das E-Bike aber regelmäßig, sagt der Hausmeister und Messner Ralf Wrage. „Es gibt viele neugierige Blicke. Aber oft fehlt noch der Mut. Ich denke, man muss es noch ein bisschen bewerben“, sagt Wrage. Wer ein E-Bike mieten möchte, sollte sich vorher beim Hausmeister anmelden, bekommt dann eine kurze Einweisung und muss einen Mietvertrag unterschreiben. Zudem sollten ein Helm und ein Fahrradschloss selbst mitgebracht werden.

So sparen die Gemeinden Strom und Gas

„Für uns ist es eine Möglichkeit, nachhaltige Mobilität zu fördern“, sagt Elisabeth Schick-Ebert. Aber auch darüber hinaus sei die Kirchengemeinde in Sachen Nachhaltigkeit engagiert. Vor dem Hintergrund der Energiekrise gehe es aktuell vor allem darum, Gas und Strom einzusparen. Darum wird keine der Kirchen mehr nachts beleuchtet. Auch im Gottesdienst sind die Lichter etwas gedämmt. In den Gemeindezentren werden nicht mehr alle Räume genutzt. Außerdem ist in den Räumen, die genutzt werden, die Temperatur heruntergeregelt.

Die Kirchen bleiben grundsätzlich kalt – auch zum Gottesdienst – stattdessen liegen für die Gläubigen Decken bereit. Der Hintergrund: „Wir können die Kirchen nicht kurzfristig für den Gottesdienst aufheizen. Dadurch würden die Orgeln und Kunstwerke Schaden nehmen“, sagt Elisabeth Schick-Ebert. Ohnehin seien die Gebäude im vergangenen Winter auch nicht geheizt worden, weil das wegen möglicher Luftverwirbelungen zu Hochzeiten der Pandemie nicht möglich gewesen sei. In der Gemeinde sei ein hohes Bewusstsein für das Thema Energiesparen da, betont Elisabeth Schick-Ebert. Schließlich sei die Bewahrung der Schöpfung ein urchristliches Thema. Das Stadtdekanat Stuttgart hat sich das Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu sein. Erreicht werden könne dies nur, wenn von sofort an keine fossilen Heizanlagen mehr eingebaut werden und wenn auch keine größeren Reparaturen an fossilen Heizungen mehr vorgenommen werden, heißt es auf der Internetseite des Stadtdekanats.

Seit September gibt es im Dekanat mit Christian Hager einen eigenen Umweltbeauftragten. Er berät die Gemeinden, wo kurzfristig Energie gespart werden kann und welche technischen Maßnahmen langfristig zu mehr Umweltschutz beitragen. Dazu gehöre eben auch, die Kirchen in diesem Winter weniger oder nicht zu heizen oder für den Werktagsgottesdienst auch mal ins Gemeindehaus zu gehen, wird Hager auf der Internetseite zitiert. Von einigen Gemeinden habe er bereits entsprechende Signale bekommen.