Nachruf auf David Bowie Der schillerndste aller Pfauen

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Der enigmatische Musiker David Bowie ist gestorben. Nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und seiner letzten Albumsveröffentlichung.

Wandelbar wie kaum einer und äußerst produktiv:  David Bowie erfand sich als Musiker immer wieder neu – hier bei einem Konzert in  Prag 2004. Foto:   13 Bilder
Wandelbar wie kaum einer und äußerst produktiv: David Bowie erfand sich als Musiker immer wieder neu – hier bei einem Konzert in Prag 2004. Foto:  

New york - Something happened on theDay he died/ Spirit rose a metre andstepped aside“ David Bowie – „Blackstar“

 

Ein Zitat aus dem Titelstück des aktuellen Albums von David Bowie läutet den Nachruf auf einen Mann ein, angesichts dessen überbordender Vita man ohnehin nicht weiß, wo überhaupt man anfangen und wo man enden soll. Begonnen hat das Leben des David Robert Jones am 8. Januar 1947 mitten in London, geendet hat es am Sonntag zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag in seiner Wahlheimat New York, im Kreise seiner Familie, wie sein Sohn bestätigte, der Regisseur Duncan Jones: Friedvoll sei der Künstler an einer vor 18 Monaten diagnostizierten Krebserkrankung gestorben.

Wie von einem düsteren Herold überbracht, erscheinen plötzlich im Nachgang die Zeilen aus dem erst wenige Tagen alten Album, eine sinistere Vorahnung des Sängers und zugleich als ein in Verse gegossenes Vermächtnis eines künstlerischen Genies, das sein Ende hat kommen sehen und nun nicht einmal mehr mit Genugtuung die Früchte seines letzten Schaffens ernten kann; eines Werks, dazu muss man kein Prophet sein, das allein aus posthumer Ehrerweisung am Ende dieser Woche weltweit auf Platz eins der Albumcharts gelandet sein wird.

„Blackstar“ wird nun als letzter, bei weitem aber nicht einziger Triumph des enigmatischen Künstlers in Erinnerung bleiben. Denn David Robert Jones, der sich bereits in frühen Jahren – in Anlehnung an das berühmte Messer des amerikanischen Unabhängigkeitspioniers Jim Bowie und aus Sorge, mit Davy Jones von den seinerzeit populären Monkees verwechselt zu werden – seinen Künstlernamen verpasste, konnte auf eine ebenso vielschichtige wie erfolgreiche Karriere zurückblicken.

Mit 15 Jahren stand Bowie selber als Sänger auf der Bühne

Aufgewachsen ist Bowie zunächst in recht einfachen, aber geordneten Verhältnissen in Brixton, später dann, aufstrebend, im Londoner Vorort Bromley, wo ihn der Vater mit den ersten Rock’n’Roll-Platten beschenkte. Im Alter von 13 Jahren begleitete er seinen älteren Halbbruder zu Konzerten nach Soho, mit 15 stand Bowie erstmals selber als Sänger und Saxofonist auf der Bühne. Sowohl seine erste Single mitsamt Band als auch die erste Single als Solokünstler gingen in die Hose, ebenso zwei weitere Band-Engagements sowie sein selbstbetiteltes Debütalbum. Dann aber kam der Produzent Tony Visconti, von dem hier später noch die Rede sein muss, und Stanley Kubricks Wahnsinnsfilm „2001 – Odyssee im Weltall“. Aus der Begeisterung resultierten Bowies erster Traumsong „Space Oddity“ und – als „Spätfolge“ – zehn Jahre später sein Überhit „Ashes to Ashes“ rund um Major Tom.

 

„Ashes to Ashes, funk to funky/

We know Major Tom’s a Junkie/

Strung out in Heaven’s high/

Hitting an all Time Low“

David Bowie – „Ashes to Ashes“

 

Aus der Asche musste Phönix Bowie, wir befinden uns im Jahr 1980 und beim Album „Scary Monsters“, nun längst nicht mehr emporsteigen; obgleich ihn, wie den vertonten Junkie Major Tom, massive Drogenprobleme plagten, hatte er bereits die zwei epochalen Alben „The Man who sold the World“ und „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ erschaffen. Bowies Wandlung vom Rocksänger zum androgynen Mischwesen und seinem Alter Ego, der Kunstfigur Ziggy Stardust, war vollführt. Neben der Koketterie mit der Homosexualität führte er seine Ehe mit Angela Barnett weiter, aus der Bowies Sohn Duncan entstammt. Dazu, das nur am Rande, kam seine auch nicht gerade klein zu schätzende Produzententätigkeit, für Lou Reeds Album „Transformer“ mit „Walk on the wild Side“ oder das Stooges-Album „Raw Power“ mit Iggy Pop am Mikrofon.

Als Schauspieler war er auch auf dem Broadway zu sehen

Zwischenzeitlich lief, bei all der Lobhudelei wird’s einem fast schon peinlich, en passant auch noch eine nicht unwesentliche Schauspielerkarriere an, die mit Nicholas Roegs „The Man who fell to Earth“ begann, über Christiane F. und die Kinder vom Bahnhof Zoo führte, über „Twin Peaks“ bis hin zu einem Cameo-Auftritt in seinem letzten Streifen, dem 2009 herausgekommenen Musikfilm „Bandslam“; das Ganze gepaart mit Bowies Bühnentätigkeit, die von seinem Broadway-Debüt 1979 in „The Elephant“ bis zu seinem letzten öffentlichen Auftritt reichte, als er vor wenigen Wochen im Dezember bei der Premiere eines von ihm komponierten Musical an der New Yorker Theatermeile zu Gast war.




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