Der Chef des Hauses Württemberg ist 85 Jahre alt geworden. Offizielles Oberhaupt der Familie wird nun sein 27-jähriger Enkel Wilhelm.

Politik/Baden-Württemberg: Renate Allgöwer (ral)

Schon seit einigen Jahren war Carl Herzog von Württemberg gesundheitlich stark angeschlagen gewesen und hatte kaum noch offizielle Termine wahrgenommen. Am Dienstag sei er nach langer Krankheit, aber doch überraschend gestorben, teilte die Hofkammer mit. Er sei eine Woche in der Oberschwabenklinik in Ravensburg gewesen. Carl wurde 85 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Diane sowie drei Söhne und zwei Töchter. Wäre Württemberg noch ein Königtum wie bis zum Jahr 1918, wäre Carl König von Württemberg gewesen.

Umbau der Hofkammer zu einem modernen Unternehmen

So aber war er vor allem als Geschäftsmann tätig. Carl, der sich aus der Politik heraushielt und offenbar die Monarchie nach wie vor als die beste Staatsform ansah, war seit 1975 Chef des Hauses Württemberg und leitete damit auch die Hofkammer. Sein Verdienst war es, dieses mit 5500 Hektar Wald und 1000 Hektar Ackerfläche vornehmlich auf Forst- und Landwirtschaft ausgerichtete Unternehmen so umzubauen, dass es heute stark in der Immobilien- und Finanzbranche aktiv ist – laut dem Munzinger-Archiv gehören 700 Grundstücke zur Hofkammer. Auch 50 Hektar Weinberge, das Schlosshotel Monrepos bei Ludwigsburg und mehrere Golfplätze sind Teil des Familienunternehmens.

Ein schwerer Schlag für die ganze Familie war vor vier Jahren der Tod von Herzog Friedrich. Friedrich verunglückte mit 56 Jahren bei der Heimfahrt mit seinem Oldtimer vom Schloss Altshausen, dem Stammsitz des Hauses Württemberg, nach Friedrichshafen. Friedrich wäre der Nachfolger Carls gewesen. Nun hat 2020 Carls zweitältester Sohn Michael die Leitung der Hofkammer übernommen. Chef des Hauses wird aber jetzt der 27-jährige Wilhelm, der Sohn Friedrichs und Enkel Carls. Das hatte Carl noch zu Lebzeiten bestimmt. Wilhelm studierte in Großbritannien und soll noch Berufserfahrung sammeln, bevor er auch die Hofkammer führt.

Leitung der Hofkammer und des Hauses bleiben vorerst getrennt

Der Historiker Gerhard Raff, der die Geschichte des Hauses Württemberg so gut kennt wie sonst wohl niemand, bezeichnete Herzog Carl als einen Glücksfall für Württemberg: Carl sei ein sympathischer und bescheidener Mensch gewesen, der zudem gut gewirtschaftet habe und ein großer Mäzen gewesen sei. Im Gegensatz zu manch anderem Adelshaus habe Württemberg nie Skandale für die Regenbogenpresse produziert.

Kretschmann lobt Verdienste um das Gemeinwesen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich betroffen vom Tod Herzog Carls, dem er 2017 die Staufer-Medaillein Gold für sein Engagement überreicht hatte: „Durch sein großes vielfältiges Engagement und die vielen Ehrenämter hat er sich um unser Gemeinwesen überaus verdient gemacht. Herzog Carl hat sich immer für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ausgesprochen“, betonte Kretschmann zum Tod Carls von Württemberg. Schon vor Jahren hatte der Herzog vor den Extremen an den politischen Rändern gewarnt. Kretschmann hatte das bereits 2017 als „klare Worte eines geradlinigen Mannes“ gelobt.

Der Chef des Hauses Württemberg hatte sich für Kultur, Bildung und Wissenschaft eingesetzt. Er war Ehrensenator der Universitäten Tübingen und Hohenheim, der er ein Stipendium gestiftet hat. Stefan Köhler, der Geschäftsführer der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, würdigte ihn als „maßgebenden Initiator für die Denkmalstiftung und maßgeblichen Treiber“. Sein Tod sei „ein sehr großer Verlust“.

Mit „großer Dankbarkeit“ nimmt die Universität Hohenheim Abschied von Herzog Carl. „Seit ihrer Gründung im Jahr 1818 ist die Universität Hohenheim dem Haus Württemberg eng verbunden“, betonte eine Universitätssprecherin gegenüber unserer Zeitung. Erst kürzlich habe die Uni eine „großzügige Spende bekommen, dank der neue Lernplätze eingerichtet worden seien. Das Herzog-Carl-Stipendium ermögliche Studierenden im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Forschungsaufenthalte im Ausland.

Die Kunststiftung Baden-Württemberg würdigt Herzog Carl von Württemberg als langjährigen Förderer. Er habe die junge Kunstszene in Baden-Württemberg unterstützt, „wofür wir ihm großen Dank schulden.“