Nachwehen bei Stuttgart 21 Ärger beim Koalitionspartner

Auf sechs Seiten verkündete er zwar, dass die Landesregierung das von der Schweizer Gutachterfirma SMA vorgelegte Testat anerkenne. Damit sei klar, dass der neue Tiefbahnhof in der Spitzenstunde zwischen 7 und 8 Uhr morgens auf "wirtschaftlich optimale" Weise 49 Zugankünfte bewältigen könne. "Nach Ansicht des grünen Teils der Koalition und des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur (MVI)" werde darin aber "die von Schlichter Dr. Heiner Geißler geforderte ,gute Betriebsqualität' nicht erreicht", ließ Hermann verlauten. Schon jetzt sei der geplante Tiefbahnhof zu klein, die S-Bahn bekomme Probleme, regelmäßig vorkommende Störfälle seien nicht berücksichtigt. Der Stresstest, monierte der Minister, sei also "nur mit erheblichen qualitativen Einschränkungen bestanden".

Hermanns Koalitionspartner Rust konnte seinen Ärger über den unabgesprochenen Vorstoß des Ministers nur mühsam verbergen. Der Emissär der Sozialdemokraten habe versucht, sich zu beherrschen und weiterhin zu schweigen, hieß es später aus SPD-Kreisen. Hinter den Kulissen aber soll es mächtig gekracht haben. Vor allem SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel, ein Befürworter der ersten Stunde von Stuttgart21, könne die Alleingänge des Verkehrsministers kaum noch ertragen.

"Mit zwei Regierungen zu tun"

Auch Schlichter Heiner Geißler erwartet weitere Unbill für Grün-Rot. Der Wahlkampf bis hin zu einer möglichen Volksabstimmung im Herbst werde "fürchterlich", prognostizierte der CDU-Politiker. Am Ende könne es nur Sieger und Verlierer geben - "und all das wird auf dem Rücken der Bahn ausgetragen". Damit sprach er Volker Kefer aus dem Herzen. Auch der Technikvorstand des Staatskonzerns appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Landesregierung. S21 sei ein Projekt, das vom Land gewollt worden war. Zwar wisse er, dass sich die Vorzeichen seit der Wahl im März verändert hätten. Unerträglich sei aber, dass die Bahn es jetzt "mit zwei Regierungen" zu tun habe.

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