Die Idee ist bei einer Veranstaltung des Sonneberg-Vereins im Sommer aufgekommen. Inzwischen haben 45 Menschen im Ort schriftlich ihr Interesse an einer solchen Lösung bekundet. Doch viele Fragen sind noch offen.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Der Tübinger Unverpackt-Laden Fridi macht es vor. Dort werden Kunden zu Mitgliedern gemacht, die einen festen Monatsbetrag zahlen und dafür in Form von Gutscheinen einkaufen können. Kommen sie nicht, hat der Laden das Geld trotzdem, das gibt ihm ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit.

Auch der Sonnenberg-Verein spielt mit dem Gedanken, einen solchen Genossenschaftsladen zu gründen. Die Idee kam im Sommer des vergangen Jahres bei einer Diskussionsrunde auf. Diese war überschrieben mit der Frage „Warum gibt es in Sonnenberg keine Austern-Bar?“ Der Vereinsvorsitzende Klaus Neubarth gab darauf die Antwort: „Weil niemand die Sache in die Hand genommen hat.“ Eine Austern-Bar wäre freilich purer Luxus, das Thema war bewusst überspitzt formuliert. In Wahrheit geht es dem Sonnenberg-Verein um etwas viel Grundsätzlicheres: Nämlich darum, eine Nahversorgung und einen Treffpunkt im Stadtteil zu haben.

Positive Resonanz auf Umfrage des Sonnenberg-Vereins

Ein Lebensmittelgeschäft gibt es in Sonnenberg schon lange nicht mehr. Doch die Frage stellt sich, ob ein kleiner Laden, in dem die Preise meist deutlich über denen im Discounter liegen, überhaupt überlebensfähig wäre. So kam die Idee auf, einen Genossenschaftsladen zu gründen. Zum Beispiel ein Modell, bei dem die Mitglieder einen Rabatt auf ihren Einkauf bekommen, denn das schafft Verbindlichkeit. Bei dem Termin im Sommer, war diese Idee kontrovers diskutiert worden. Um ein umfassenderes Meinungsbild zu bekommen, stieß der Sonnenberg-Verein eine Umfrage an.

Auf diese bekam Klaus Neubarth 70 Rückmeldungen. Demnach würden 45 Sonnenbergerinnen und Sonnenberger Anteile an einem solchen Genossenschaftsladen zeichnen und immerhin zehn könnten sich eine ehrenamtlichen Mitarbeit vorstellen. „Das hat unsere Erwartungen übertroffen und motiviert uns zum Weitermachen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Obgleich der Genossenschaftsladen noch immer nicht mehr ist als eine Idee. Denn es gibt keine Immobilie, in der ein solcher eröffnen könnte. „So haben wir zumindest keinen Zeitdruck.“

Weitere Initiativen im Sinne der Nahversorgung

Für das kommende Jahr plant der Sonnenberg-Verein nun eine entsprechende Informationsveranstaltung für alle Interessierten – zum Beispiel mit Erfahrungsberichten, möglichen Geschäftsmodellen und Beiträgen zu rechtlichen und steuerlichen Fragen. Dennoch wäre ein Genossenschaftsladen für Neubarth nur die zweitbeste Lösung. „Besser wäre natürlich ein privatwirtschaftlicher Anbieter, also zum Beispiel ein Bonus-Markt“, findet er. Doch der Sonnenberg-Verein wolle vorbereitet sein, falls alles andere nicht funktioniere.

Derweil gibt es zwei weitere kleine Initiativen, um die Nahversorgung im Stadtteil zu verbessern. Zum einen prüft die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart die Aufstellung sogenannter Regiomaten. Für die Automaten, an denen man regionale Lebensmittel wie zum Beispiel Eier, Obst und Gemüse ziehen kann, bräuchte es Standorte und Bestücker. Zum anderen hat der Möhringer Bezirksbeirat einen Antrag gestellt, wonach die Märkte Stuttgart prüfen soll, ob in Sonnenberg die Etablierung eines Wochenmarktes denkbar wäre.