Natur bei Leonberg Schwebende Fliegen

Von Arnold Einholz 

In den Biotopen der Eltinger Schlammbrüder erwacht mit viel Summen und Schwirren das Leben.

Die Hornissenschwebfliege  ähnelt der Hornisse  und signalisiert: Achtung gefährlich! Foto: privat
Die Hornissenschwebfliege ähnelt der Hornisse und signalisiert: Achtung gefährlich! Foto: privat

Leonberg - Allen Spaziergängern ist es schon aufgefallen: Wenn sich bei schönem Wetter die leuchtend gelben Blüten des Huflattichs öffnen, geschieht dies ganz ohne Vorwarnung – denn die großen Blätter erscheinen viel später. Der Huflattich ist ein wichtiger Frühblüher. Diese sorgen für die Nahrung aller frühen Falter wie zum Beispiel Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter und Aurorafalter, aber auch für die Wildbienen und für die Schwebfliegen.

„Diese interessante Fliegenart ist viel weniger bekannt als andere Insekten und verdient es, genauer beachtet zu werden“, meint Michael Kast von der Umweltgruppe des Bürgervereins Eltingen, den Schlammbrüdern. Schwebfliegen gehören zu den besten Fliegern im Insektenbereich. Ihre Flügel schlagen bis zu 300 mal in einer Sekunde, was sie zu einem besonderen Schwirrflug befähigt, in dem sie oft viele Sekunden an einer Stelle in der Luft stehen können, um dann blitzartig in jede mögliche Richtung davonzuschießen. So können sie dann auch ihren Fressfeinden wie Libellen oder Vögeln entkommen.

Zweitwichtigste Bestäuber

„Diese hohe Flugaktivität hat allerdings auch einen hohen Energiebedarf zur Folge, weshalb die Schwebfliegen sehr eifrige Blütenbesucher und damit Bestäuber sind“, weiß Kast. Sie bilden nach den Bienen und Wildbienen die zweitwichtigste Bestäubergruppe. Die Männchen ernähren sich von Nektar, die Weibchen sind wegen der Eiproduktion auch auf Pollen angewiesen. Besonders gerne werden im Sommer Wiesenbärenklau, Wiesenkerbel, Wilde Möhre und andere Doldenblütler aufgesucht, die in den Biotopen der Schlammbrüder, vor allem im Tiefenbachbiotop, reich vertreten sind. Deshalb sind dort viele Arten von Schwebfliegen zu finden.

Von den rund 450 Arten, die es in Deutschland gibt, ist die Winterschwebfliege oder Hainschwebfliege, die man hier an den Huflattichblüten erkennt, die wohl bekannteste und vor allem sehr früh im Jahr – manchmal noch im Winter – auftretende Art. Sie kann gut im Garten oder auch auf der Terrasse beobachtet werden, wird aber wegen ihrer schwarz-gelben Zeichnung gerne für eine Wespenart gehalten.

Auch Insekten ziehen in den Süden

Viele Schwebfliegen haben diese Farben, um von der Furcht vor stechenden Insekten zu profitieren. „Diesen Trick, genannt Mimikry, wenden auch Wildbienen und andere Insekten an. Das Erstaunlichste an der Hainschwebfliege und einigen anderen Arten ist die Tatsache, dass sie im Winter zum großen Teil nach Italien oder sogar nach Afrika ziehen, von wo im Frühjahr ihre Nachkommen zurückkehren“, erläutert der Umweltschützer Michael Kast.

Heute im Zeitalter des Insektensterbens sind es nur noch wenige. Dieser Rückgang ist auch für Gartenbesitzer nicht schön. Die Larven der Hainschwebfliege sind eifrige Blattlausvertilger, wobei man von bis zu 800 vertilgten Läusen bei einer Larve ausgeht. Und eine Schwebfliege legt bis zu 100 Eier. Rückt man den Läusen aber mit Gift zu leibe, sind es meist die Schwebfliegen oder andere Lausvertilger wie Florfliegen, die vergiftet werden. „Es ist also in den Hausgärten wie in der Landwirtschaft: Es ist vor allem der Mensch, der für das rasante Insektensterben sorgt, das mittlerweile auch schon einen unübersehbaren Rückgang bei allen Vogelbeständen geführt hat“, warnt Michael Kast.