Naturpark Schönbuch Population von Lurchen und Fröschen steigt

Die Gelbbauchunke ist mit ihrer Oberseite im Schlamm kaum zu erkennen. Sie hat sich  am Kayher Sattel gut vermehrt Foto: factum/Bach
Die Gelbbauchunke ist mit ihrer Oberseite im Schlamm kaum zu erkennen. Sie hat sich am Kayher Sattel gut vermehrt Foto: factum/Bach

Im Naturpark Schönbuch wird erfolgreicher Artenschutz betrieben – zum Beispiel bei Amphibien. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband Deutscher Naturparke, der das Qualitätssiegel für das Refugium von Fauna, Flora und Mensch erneuert. Beim Besuchermanagement gibt es aber noch Luft nach oben.

Böblingen: Günter Scheinpflug (gig)
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Herrenberg - „Neulich abends habe ich vier Gelbbauchunken gehört. Das hat sich für mich wie ein Glockenkonzert angehört“, schwärmt Winfried Seitz, der Revierleiter der unteren Forstbehörde des Landkreises. Die vielen kleineren und größeren Teiche, die es im Naturpark Schönbuch gibt, hat er nicht gezählt: „Wir haben zwischen 50 und 100.“ Das Ziel sei die Vernetzung dieser Feuchtbiotope. „Im Schönbuch hat sich diesbezüglich einiges verbessert“, sagt Gudrun Rau vom Verband Deutscher Naturparke (VDN). Die 55 Jahre alte Geowissenschaftlerin hat vom VDN den Auftrag, die im September 2013 erteilte Auszeichnung „Qualitäts-Naturpark“ zu überprüfen. Diese gilt fünf Jahre und bedarf der Aktualisierung. Rau nimmt die Projekte des Artenschutzes und nicht zuletzt auch das Besuchermanagement unter die Lupe. Seitz führt Rau an diesem Morgen an einen Tümpel am Kayher Sattel in Herrenberg. Im und den Teich herum, der im vergangenen Jahr angelegt wurde, gebe es inzwischen weit mehr als hundert Gelbbauchunken, schätzt der Förster.

Refugien für Tiere und Pflanzen

Gekonnt fischt er einen Lurch aus dem Wasser und zeigt auf der Bauchseite dessen leuchtend gelbe Färbung mit schwarzen Punkten. Mit seiner lehmfarbigen bis graubraunen Oberseite ist die Unke am Teichufer kaum zu erkennen: Die Besucher müssen aufpassen, damit sie die kleinen Tierchen nicht zertreten.

An manchen Stellen im Naturpark gibt es Refugien für die Tier- und Pflanzenwelt, die für den Menschen nicht zugänglich sind. „Manche Teiche sind aber auch ohnehin so abgelegen, dass dort niemand hinkommt“, erklärt Seitz. Anders verhält es sich mit dem Tümpel am Kayher Sattel. Dort sollen die Spaziergänger und Wanderer, vor allem Kinder und auch ganze Schulklassen, die Lurche und Frösche beobachten können. In 300 Metern Entfernung will Seitz einen weiteren Tümpel anlegen. Zudem sollen rund 20 entschlammt werden. „Wir richten unseren Fokus auf Amphibien“, erläutert der Revierförster. Von den in Deutschland nachgewiesenen Arten gebe es im Schönbuch allein 14. Die Palette reicht vom Feuersalamander über die Erdkröte bis hin zum Seefrosch. 8000 Euro koste die Sanierung der Teiche bei Herrenberg.

Energiekonzern gibt Geld

Das Geld ist wohl gut angelegt, denn seit langem wird ein drastischer Rückgang der Amphibienarten beklagt. Der Energiekonzern EnBW hat deshalb mit der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz ein Förderprogramm „Impulse für die Vielfalt“ aufgelegt. „Wir haben ganz aktuell den Förderbescheid bekommen, dass wir für die Sanierung der Teiche bei Herrenberg immerhin 90 Prozent der Kosten erstattet bekommen“, sagt Seitz.

Mit Wohlwollen hat die Kontrolleurin vom VDN zur Kenntnis genommen, dass sich nicht nur Gelbauchunken, Kammmolche und Kröten im Schönbuch vermehren. Das gilt auch für den Laubfrosch, der laut Seitz mittlerweile an 15 Stellen und damit an fünf Standorten mehr vorkommt als noch vor wenigen Jahren.

Brutstätte für Hirschkäfer

Und auch für ein verstärktes Vorkommen des Hirschkäfers gibt es ein neues Projekt. Mit Baumstämmen hat Seitz einen natürlichen Brutmeiler anlegen lassen – ein weiterer Pluspunkt für den Naturpark.

Ein anderes Vorzeigeprojekt ist das Rotwildgehege mit einer Aussichtsplattform. Apropos: Eine solche gibt es auch auf dem im Juni eröffneten Schönbuchturm, der vom VDN ebenfalls als Attraktion gewertet wird. Luft nach oben sieht die Expertin Gudrun Rau hingegen noch beim Wegemanagement. Sie spricht von einem „hohen Besucherdruck“, der nur durch ein geschicktes Lenkungssystem in den Griff zu bekommen sei.

Radfahrer und Spaziergänger

Dessen ist sich Mathias Allgäuer von der Forstdirektion des Regierungspräsidiums Tübingen bewusst. Er will die Interessen von Wanderern, Naturschützern und Radfahrern möglichst unter einen Hut bringen. Im nächsten Jahr soll es im Wald deshalb neue Schilder geben, damit sich Radler und Spaziergänger nicht ins Gehege kommen.




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