Neue Grundschule Süd Ein Neustart mit Bedenken

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Am Samstag wurden in Stuttgart rund 90 Kinder an der neu fusionierten Grundschule Süd eingeschult. Im Vorhinein hatte es große Vorbehalte der Eltern zu der Zusammenlegung gegeben. Einige Bedenken haben sich genauso bewahrheitet.

Spalier stehen für die Erstklässler: Die älteren Schüler, Eltern und Lehrer begrüßen die Neuen an der Grundschule Süd. Foto: Julia Bosch
Spalier stehen für die Erstklässler: Die älteren Schüler, Eltern und Lehrer begrüßen die Neuen an der Grundschule Süd. Foto: Julia Bosch

S-Süd - Den Kindern geht es schon ganz locker über die Lippen: „Herzlich willkommen in der Grundschule Süd“, rufen sie den neuen Erstklässlern zu, für die sie ein Spalier gebildet haben. Mit bunten Fähnchen winken sie den Fünf- bis Siebenjährigen zu, die teilweise ganz souverän, andere noch etwas schüchtern an der Hand ihrer Eltern zum Schulgebäude laufen. Rund 90 Erstklässler wurden am Samstagvormittag an der neu fusionierten Grundschule Süd eingeschult.

Dass in diesem Schuljahr vier erste Klassen an der Römerstraße 16 unterrichtet werden, ist nur eine der vielen Veränderungen an den Schulen im Stuttgarter Süden. Seit vergangener Woche sind die Heusteig- und die Römerschule zur Grundschule Süd fusioniert. An der Heusteigschule gibt es daher keine erste Klasse mehr. Die Zweit-, Dritt- und Viertklässler der Heusteigschule sowie die Schüler der Vorbereitungsklasse werden jedoch nach wie vor in dem Gebäude an der Heusteigstraße 97 unterrichtet.

Eltern fühlten sich von der Stadt nicht verstanden

Hintergrund der Fusion der beiden Grundschulen ist ein prognostizierter Rückgang der Schülerzahlen. Um die Zusammenlegung zu ermöglichen, wurden zudem die Schulbezirksgrenzen zwischen Süd und Mitte geändert. Einige Kinder, die bisher die Römer- oder Heusteigschule besucht hätten, werden künftig der Jakobschule im Stadtbezirk Mitte zugerechnet.

Im Vorhinein hatten die Elternvertreter der Heusteig- und der Römerschule Vorbehalte gegen die Fusion geäußert, die der Gemeinderat im Sommer 2016 beschlossen hatte. Ursula Franke, die Schulleiterin der Römerschule ist und nun gemeinsam mit Nadine Reinhardt von der Heusteigschule eine Doppelspitze bildet, erläutert: „Von unserer Seite aus war die Zusammenarbeit mit den Eltern super. Allerdings haben sich die Eltern von den Ämtern nicht richtig verstanden und ernst genommen gefühlt.“ Reinhardt ergänzt: „Und die Bedenken, die von den Eltern angesprochen wurden, haben sich teilweise genauso bewahrheitet.“

Damit spielt Reinhardt vor allem auf die Schülerzahlen an. In den vergangenen Jahren hatte die Römerschule in der Regel drei erste Klassen, die Heusteigschule eine oder zwei. Geplant war, dass durch die Verkleinerung des Schulbezirks die fusionierte Grundschule Süd dreizügig bleibt. „Nun sind es doch so viele Schüler, dass wir vier erste Klassen bilden mussten. Für dieses Schuljahr ist das in Ordnung, im kommenden Schuljahr müssen wir aber dreizügig bleiben. Sonst entsteht eine Raumnot.“

Die Lehrer sind bunt zusammengewürfelt

Weiterer Kritikpunkt der Elternbeiräte waren die sogenannten Miteinanderklassen. In den neuen ersten Klassen sitzen Kinder, die unterschiedliche Ganztagesangebote erhalten. „Wir Schulleiterinnen sehen darin kein Problem, aber die Eltern befürchten, dass dies die Gemeinschaft in der Klasse spaltet. “, sagt Franke. Sie halte es für gut, dass nach der Fusion nicht alles gleich bleibe. „Wir lassen uns nun gemeinsam auf etwas Neues ein“, sagt sie. Da passe es gut, dass auch die vier Lehrer der neuen ersten Klassen ein bunt zusammengewürfeltes Team seien: Ein Klassenlehrer kommt von der Römerschule, einer von der Heusteigschule und zwei Kollegen sind ganz neu an der Grundschule Süd.

Unterdessen hatten die Kinder freilich ganz andere Sorgen an ihrem ersten Schultag: Wie sind meine neue Klassenkameraden? Habe ich einen netten Lehrer? Und kann man hier irgendwo Fußball spielen?

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