Neue Landesregierung Baden-Württemberg Koalition der Städte oder des ländlichen Raums?
Von Mittwoch an führen die Grünen Sondierungsgespräche. Grün-Schwarz oder eine Ampel wären Koalitionen für ganz unterschiedliche Teile des Landes.
Von Mittwoch an führen die Grünen Sondierungsgespräche. Grün-Schwarz oder eine Ampel wären Koalitionen für ganz unterschiedliche Teile des Landes.
Stuttgart - Wird Baden-Württemberg künftig weiter von Grün-Schwarz regiert oder schmieden Grüne, SPD und FDP eine Ampelkoalition? Je nach Ergebnis wird die Landespolitik womöglich eine andere sein als in den vergangenen fünf Jahren.
Geklärt wird die Frage vom Mittwoch an: Da laden die bei der Landtagswahl siegreichen Grünen erstmals zu Sondierungsgesprächen mit den möglichen Koalitionspartnern CDU, SPD und FDP. Einer nach dem anderen legen die Verhandlungsteams von CDU, SPD und FDP dar, wie sie das Land künftig mit den Grünen zu regieren gedenken.
Die Gespräche führt Winfried Kretschmann (Grüne). Dabei wird der Ministerpräsident auch im Auge behalten müssen, welche Koalition in welchen Teilen des Landes besonders gut gelitten ist. Um das zu illustrieren, haben wir die Stimmenanteile der beiden möglichen Koalitionen für alle Wahlkreise errechnet und in zwei Karten dargestellt.
Die Karte der grün-schwarzen Koalition kann einerseits als Bewertung der Regierungsarbeit in den vergangenen fünf Jahren verstanden werden. Andererseits zeigt sie, wo sich die konservativen Kräfte im Land – zu denen man die Grünen zumindest unter Kretschmann in weiten Teilen zählen kann – konzentrieren.
Beide Parteien kommen zusammen auf 56,7 Prozent der Stimmen. Allerdings wäre die Neuauflage von Grün-Schwarz vor allem eine Koalition für den ländlichen Raum. Große Zustimmung genösse sie ausweislich des Wahlergebnisses in Oberschwaben und auf der Schwäbischen Alb sowie in Südbaden. In weiten Teilen der Region Stuttgart kommen die beiden Parteien zusammen ebenfalls an die oder knapp über 60 Prozent der Stimmen. In den Großstädten sind sie dagegen insgesamt weniger stark. In Mannheim und Pforzheim hätten sie keine Mehrheit; in Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg nur eine knappe.
Das wäre bei einer Ampelkoalition anders. Grüne, SPD und FDP haben insgesamt 54,1 Prozent der Stimmen erreicht. Gemeinsam haben sie in allen Großstädten des Landes eine Mehrheit, sogar in den 2016 von der AfD gewonnenen Wahlkreisen Pforzheim und Mannheim I.
Je weiter man von den urbanen Zentren Richtung Schwarzwald, Oberschwaben oder in den ländlichen Nordosten des Landes blickt, desto stärker schwindet die Zustimmung: die Ampel wäre viel eher als Grün-Schwarz eine Koalition der Städte. Vor allem dank der FDP käme eine Ampelkoalition in der Fläche auf die Mehrheit der Stimmen. Eine (nicht mögliche) grün-rote Koalition kam am Sonntag außer in den Großstädten und in Südbaden nirgends in die Nähe der Mehrheit.
Geht Winfried Kretschmann bei den Sondierungsgesprächen nach einem möglichen Wechselwillen der Wähler, müsste er die Ampelkoalition bevorzugen. Grüne, SPD und FDP haben verglichen mit der Landtagswahl 2016 insgesamt um 2,8 Prozentpunkte zugelegt und in fast allen Wahlkreisen mehr Stimmen geholt als bei der letzten Wahl – auch im ländlichen Raum. Grün-Schwarz dagegen hat vor allem wegen der Schwäche der CDU zusammen 0,6 Prozentpunkte verloren. In Südbaden und Oberschwaben sind die Verluste noch deutlich höher.