Mercedes-Benz hat seinen jährlich erscheinenden Vergütungsbericht einem Facelifting unterzogen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Aktionäre und Aktionärinnen die gebündelten Informationsunterlagen zum Verdienst an der Konzernspitze nicht mehr im Hoch-, sondern im Querformat erhalten. Zu den Neuerungen zählt auch ein Farbfoto auf dem Deckblatt. Motiv ist das neue CLA-Modell. Und erstmals stimmt noch ein Vorwort auf diese Mercedes-Mitteilung ein, verfasst vom Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder. Für den größten Überraschungseffekt sorgen allerdings die nachfolgenden Zahlen, zumindest auf den ersten Blick.
Aus dem insgesamt 42-seitigen Vergütungsbericht geht hervor, dass Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius im Jahr 2023 einschließlich der Versorgungsaufwendungen 12,74 Millionen Euro verdient hat. 2022 waren es noch 6,11 Millionen, im Jahr zuvor 6,14 Millionen Euro. Die Gründe für die exorbitante Erhöhung der Bezüge werden im Bericht ebenfalls detailliert aufgeführt.
Der Erfolg des Konzerns als Ganzes wird stärker gewichtet
Die wichtigste Rolle spielt dabei eine langfristige und variable Vergütungsmethode, die auf dem Aktienkurs basiert und von dem die Mercedes-Vorstandsmitglieder nach dem Ablauf von vier Jahren profitieren – was 2023 der Fall gewesen ist. Neben diesem sogenannten Performance Phantom Share Plan (PPSP) sorgte auch die Umstellung auf ein in weiten Teilen neues Vergütungssystem zu einem Verdienstanstieg für das Führungspersonal. Danach verlieren individuelle Leistungen an Bedeutung. Stärker gewichtet und honoriert wird nun, ob der Konzern als Ganzes strategische Vorgaben erfüllt. Zu den Kriterien gehören finanzielle Ziele, aber auch solche, die Transformation, Nachhaltigkeit, Diversität,Inklusion und Gleichstellung betreffen.
Neben dem Topverdiener Ola Källenius haben die weiteren Vorstandsmitglieder auf diesem als erfolgreich bewerteten Weg 2023 Summen zwischen 4,5 und 7,5 Millionen Euro erreicht. „Im Vergleich mit den anderen Dax-Unternehmen liegen wir im Mittelfeld“, sagt dazu ein Konzern-Sprecher.
Aufsichtsratsmitglieder erhalten Pauschalbeträge
Im Unterschied zum Vorstand wird der Aufsichtsrat im neuem Vergütungssystem über feststehende Pauschalbeträge entlohnt. Als Vorsitzender des Kontrollgremiums erhält Bernd Pischetsrieder 600 000 Euro im Jahr. Seinem Stellvertreter, dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali, stehen 475 000 Euro zu. In diesem Fall greift allerdings die gewerkschaftliche Verpflichtung, den Betrag größtenteils an die Hans-Böckler-Stiftung des DGB abzuführen.
Der geringste Betrag in der Tabelle für den Mercedes-Aufsichtsrat beläuft sich auf 67 000 Euro. So wie von der neuen Vergütungsmethodik vorgegeben, die im Mai 2023 auf der Hauptversammlung der Mercedes-Benz Group AG eine Zustimmungsquote von 91 Prozent erhielt. „Das System reduziert die Komplexität, erhöht die Transparenz und implementiert Nachhaltigkeitsziele“, so lautete die zusammenfassende Einschätzung von Aufsichtsratschef Pischetsrieder.