Neuer Turm bei Herrenberg Der Schönbuch aus der Vogelperspektive

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Mit einem Festakt ist das neue Ausflugsziel im Kreis Böblingen am Samstag eröffnet worden. Die ersten Besucher lobten die Architektur des Schönbuchturms und die beeindruckende Aussicht von der obersten Plattform.

Auf der obersten Plattform hat man einen beeindruckenden Rundumblick. Die Bildergalerie zeigt, was die ersten Besucher über den Turm denken. Foto: factum/Granville 6 Bilder
Auf der obersten Plattform hat man einen beeindruckenden Rundumblick. Die Bildergalerie zeigt, was die ersten Besucher über den Turm denken. Foto: factum/Granville

Böblingen - Der Aufstieg auf den Schönbuchturm ist nichts für schwache Nerven. Denn während man sich Schritt für Schritt die 137 Stufen bis zur obersten Plattform in 30 Metern Höhe hinauf kämpft, fühlt man sich häufig nicht nur seltsam frei in der Luft hängend, sondern auch wie auf einem Schiff bei Seegang. Der Turm schwankte nämlich bedächtig am Samstag unter den Füßen der zahlreichen Besucher, die sich den Blick von der neuen Attraktion des Schönbuchs an ihrem Premierentag nicht entgehen lassen wollten.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, dem eröffnet sich oben angekommen ein beeindruckendes Panorama über den Schönbuch, das Gäu und die Schwäbische Alb. Bei klarem Wetter kann man am Horizont sogar den Schwarzwald erahnen. Das alles nicht etwa versteckt hinter dicken, die Sicht versperrenden Metallgittern. Die Architektur des Turms, die von dem Stuttgarter Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner stammt, ist bewusst luftig und offen gehalten.

Ein Ausflugsziel, kein Wahrzeichen

Der Landrat Roland Bernhard war denn auch sichtlich stolz auf den neuen touristischen Höhepunkt seines Kreises auf dem Stellberg bei Herrenberg (Kreis Böblingen). „Das ist unser Turm, das ist ein Bürgerturm“, sagte er in seiner Ansprache vor den zahlreichen Turmfans, die sich am Samstagmittag zur Eröffnung dort versammelt hatten. Auch der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprißler (Freie Wähler) zeigte sich begeistert. „Der Schönbuchturm wird sich zu einem Ausflugsziel mit großer Strahlkraft für die ganze Region entwickeln.“ Als das neue Wahrzeichen seiner Stadt will er den Turm aber nicht verstanden wissen – diesen Titel trage nach wie vor die altehrwürdige Stiftskirche, auch „Glucke“ genannt.

Mehr Fotos von der Eröffnung des Turms gibt es hier.

Heike Urfer von der gleichnamigen Baufirma aus Remseck (Kreis Ludwigsburg), die den Schönbuchturm errichtet hat, zieht ein positives Fazit der Bauarbeiten. „Unser Montagekonzept hat funktioniert“, sagte sie. Der kritischste Moment sei der sogenannte „big lift“ am 7. Mai gewesen – jener Moment, in dem die einzelnen, vormontierten Stockwerke des Turms mit Hilfe eines Krans aufeinandergestapelt worden seien. „Das war ein Nervenkitzel“, gesteht sie. Ihr Mann Thomas Urfer hatte an diesem Tag die Leitung der Arbeiten übernommen. Monatelang hatte er darauf hingearbeitet. „Da fragt man sich schon, ob auch alles passt.“ Und dann kam der Moment, in dem der 96 Tonnen schwere Turm am Kran über ihm in der Luft schwebte. „Da lag schon eine Spannung in der Luft“, berichtete er, aber es sei ja zum Glück alles gut gegangen.

Kein Ärger mit Vandalismus

Auch sonst wissen die beiden Inhaber der Baufirma viel Gutes über ihre Zeit in Herrenberg zu berichten. Vandalismus oder Diebstahl habe es auf der Baustelle nicht gegeben, andernorts im Raum Stuttgart komme dies durchaus vor. Und auch die Probleme mit Schaulustigen, die sich trotz Absperrung auf die Baustelle gedrängt hatten, hätten nach ihren Ermahnungen bei der Baustellenbesichtigung im März nachgelassen, sagte Heike Urfer. Sie selbst durfte am Eröffnungstag schon vor allen anderen bis zur obersten Plattform hinauf steigen. „Dort oben schwebt man regelrecht in luftiger Höhe“, findet sie.

Ein echter Hingucker waren auch die 65 blauen Schafe, die der „Blauschäfer“ Rainer Bonk an einer Seite des Turms im hohen Gras verteilt hatte. Die Kunstaktion, die zur Eröffnung des Turms auf dem Stellberg Station machte, hatte zuvor bereits in mehr als 160 Städten wie Brüssel, Berlin oder Basel gastiert. Bonk will mit seiner Herde zum Umdenken anregen. Wer die Schafe nämlich genauer betrachte, erkenne, dass sie alle identisch seien, erklärt er. Die Figuren seien nur unterschiedlich aufgestellt. „Dadurch soll sich der Blickwinkel der Leute auf die Gesellschaft verändern und Vorurteile abgebaut werden.“ Immerhin seien auch alle Menschen auf der Welt gleich, unabhängig von ihrer Herkunft. In dieser neuen Sicht auf die Dinge sieht Bonk den Anknüpfungspunkt seiner Kunst mit dem Turm. „Auch er soll den Menschen der Region einen anderen Blickwinkel ermöglichen. Deshalb passen die Schafe so gut hierher“, so Bonk.

Infos für Besucher: Der Schönbuchturm neben dem Naturfreundehaus Herrenberg, Hildrizhauser Straße 103, ist ab sofort täglich von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung geöffnet. Aktuell kann man kostenlos hinauf steigen. Der Turm und der Bereich darum herum sind videoüberwacht.

Die interaktive Zeitleiste zeigt die Geschichte des Schönbuchturms.