Neues Hotel in Stuttgart EmiLu öffnet bald – so sieht es im Designhotel aus

Bauherr Michael Bräutigam mit seiner Tochter Emilia in der obersten Etage des EmiLu-Hotels: Hier sind Suiten mit Dachterrasse und eine Rooftop-Bar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im September startet das Designhotel EmiLu an der Nadlerstraße. Das trumpft nicht nur oben mit Suiten und Dachterrasse auf, sondern öffnet sich unten auch ins Quartier. Dort ziehen stadtbekannte Szenegastronomen mit einer Bar ein.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Stuttgart - Der Countdown läuft: Noch gut fünf Wochen, dann geht Anfang September nach vier Jahren Bauzeit das Designhotel EmiLu in Betrieb. Zwar sind bei einer ersten exklusiven Führung für unsere Zeitung noch viele kleine Baustellen im Weg: von unten in der Lobby bis hoch zur sechsten Etage mit ihren Suiten und der Dachterrasse. Aber zum Finish könnte alles ganz schnell gehen – im Gegensatz zum Beginn des Projekts, bei dem es kurz nach Baubeginn wegen eines fehlenden Erdbebenstandsicherheitsnachweises zu einem langen Baustopp gekommen war.

 

Alles teurer, aber alle Anforderungen erfüllt

Wie so häufig ist alles „teurer als gedacht“ geworden. Wie hoch der zweistellige Millionenbetrag ist, möchte Michael Bräutigam nicht sagen. Der Stuttgarter Geschäftsführer im Immobilienunternehmen Colliers ist Bauherr, Mitinhaber und einer von – Familienmitglieder eingerechnet – sechs Gesellschaftern des Hotels. Aber er kann sagen: „Alles, was wir versprochen haben, haben wir auch erfüllt.“ Damit meint er nicht nur die statischen Aspekte im ehemaligen Europahaus, das entkernt und um zwei Etagen aufgestockt wurde, sondern auch Forderungen seitens der Stadt, von der die Immobilie für sechs Millionen Euro gekauft wurde. Etwa, dass es sich um ein qualitätsvolles Objekt mit hochwertiger Fassade und Öffnung im Erdgeschoss handeln soll.

Klassifizieren lassen möchte man sich nicht, aber der Standard dürfte Vier-Sterne-Superior entsprechen. „Wir wollen kein Luxushotel sein“, sagt die Managerin Sabrina Ochs. Sie war zuvor im Marketing des Schlossgartenhotels und bildet im EmiLu eine Doppelspitze mit Andrea Kossow, die das Projekt von Anfang an begleitete. „Das Haus soll nahbar und zum Wohlfühlen sein“, so Ochs.

EmiLu steht für die Tochter Emilia und die Ehefrau Luise

Alle 90 Zimmer und Suiten haben bodentiefe Fenster mit Schallschutzstufe 4. Die meisten Räume sind mit Nussbaumparkett ausgestattet und individuell gestaltet, wofür – in enger Abstimmung mit den Architekten von Blocher Partners und dem Büro Wolf – Petra Bräutigam verantwortlich zeichnet. Michael Bräutigams Frau ist auch halbe Namensgeberin des Hotels, denn ihr zweiter Vorname lautet Luise. Das „Emi“ von EmiLu kommt von der Tochter Emilia, 22. Die gelernte Immobilienkauffrau engagiert sich im Marketing des Hotels.

Das Mobiliar des Hauses besteht aus Designer-Möbeln und Bauhaus-Klassikern. Naturmaterialien wie Marmor, Stein und Leder ergänzen sich zu einem hochwertigen Look. „Aber ebenso wichtig wie das Design ist die Funktionalität“, sagt Emilia Bräutigam beim Blick in die ebenerdige Dusche eines offenen Bads, die in manchen Häusern zum Problemfall werden kann. Die Zimmer und Suiten sind in sechs Kategorien unterteilt, beginnend bei zwei kleinen „Super Cozys“ mit 14 Quadratmetern. Mit 54 an der Zahl sind die „Urban“-Zimmer (20 bis 27 Quadratmeter) am stärksten vertreten. Jetzt schon gefragt sind auch die Suiten. In der vierten Etage, der höchsten des alten Bestands, beträgt die Deckenhöhe 3,60 Meter und macht aus ihnen kleine Lofts.

Hohe Decken und ganz oben eine Rooftop-Bar

Oberster Trumpf aber ist die sechste Etage mit ihrer Rooftop-Bar namens Lennarts. Vorerst soll sie nur für Hotelgäste bestimmt sein oder vielleicht für einen Sektempfang nach einem Besuch des nahe gelegenen Standesamts, wie Petra Bräutigam vorschwebt. Ob das Lennarts abends fürs Stadtpublikum geöffnet wird, müsse man sich noch gut überlegen. In unmittelbarer Nähe liegen die teuersten Zimmer, deren Gästen man nicht allzu viel Trubel drum herum zumuten möchte. Apropos Preise: Die dynamischen Raten im EmiLu starten bei 100 Euro fürs Doppelzimmer, ein „Urban“ könnte sich so um die 150 Euro einpegeln.

Die Feuilleton- und Tatti-Macher sind auch an Bord

Obwohl man laut Michael Bräutigam bewusst kein Hotelrestaurant anbiete, gibt es Gastronomie. Er sagt, „wir sehen uns als integrierter Bestandteil des Quartiers mit all seinen Möglichkeiten“. Schon bei der 2014 entwickelten Projektidee, die dann 2015 dem Gemeinderat vorgestellt wurde, habe er das gesamte Umfeld der Gebäudes im Blick gehabt, die Achse vom Marktplatz bis zur Eberhardstraße, die im Sinne einer „lebenswerten Innenstadt“ weiterentwickelt wird. Neben dem Eingang Richtung Pierre-Pflimlin-Platz also wird das von den Feuilleton-Machern im Stuttgarter Osten betriebene Fritz sein, in dem Frühstück und Kleinigkeiten in den späteren Morgenstunden auch für Nicht-Hotelgäste serviert werden – und das bis 16 Uhr. Die vorerst nur 14 genehmigten Außenplätze hoffen die Betreiber des Fritz künftig noch aufstocken zu können.

An der Seite in Richtung Hirschstraße ist die Modeboutique Best, auf der anderen Seite wird es außer der Lobbybar noch eine weitere Location geben: das GPEM, das für Gian Paolo E Marco steht.

Tatti-Gäste ahnen: Dahinter stecken die beiden Macher der beliebten Cafébar direkt gegenüber, Marcus Philipp und Paul Benjamin Scheibe. Schon bevor sie vom Fluxus an den Platz umgezogen sind, waren sie den Bräutigams empfohlen worden. Ihre neue Adresse wollen die zwei aber nicht als Hotelbar verstanden wissen, denn sie wirtschaften unabhängig und hatten auch „freie Hand bei der Gestaltung“, so Philipp. „Spätestens zeitgleich, wenn möglich, noch vor der Hoteleröffnung“ wollen sie am Start sein. Der Countdown läuft.

Mehr als eine Hotelbar

Das Hotel und die Stadtentwicklung drum herum

Hotelbau
2015 hat der Gemeinderat dem Verkauf des Europahauses, einer städtischen Immobilie aus den 60ern, für 6 Millionen Euro zugestimmt. Der Wettbewerb zur Fassadengestaltung wurde vom Architekturbüro Blocher Partners gewonnen und wie die Innenarchitektur in Zusammenarbeit mit dem Büro Wolf Architekten verwirklicht. Baubeginn des Hotels war 2017.

Rathausgarage
Entlang der Eichstraße steht statt der ehemaligen Rathausgarage inzwischen ein Neubau, in dem außer einer Kita ein Mix aus Einzelhandel, Dienstleistern und Gastronomie untergebracht ist. Das Restaurant Malo soll im Oktober öffnen. Auch der Straßenbelag rund um den Bau wurde erneuert, so wie dies auch am Hans-im-Glück-Brunnen geschehen soll.

Kaufhof-Areal
Die Zukunft der Galeria Karstadt Kaufhof samt hässlichem Parkhaus direkt hinterm Hotel ist ungewiss. Die Stadt verhandelt mit dem österreichischen Eigentümer. Möglich scheinen ein Abriss und ein Neubau mit Handel, Büros und Wohnungen. Der Kaufhof-Anbau Richtung Eberhardstraße ist bereits abgerissen. Dort soll unterm Bauherren LBBW ein Geschäfts- und Wohnhaus mit vier Giebeln entstehen. mri

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