Neues Konzept für die Böblinger Museen Bauernkriegsmuseum auf der Kippe

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Eine Analyse der städtischen Museen fällt vernichtend aus. Die Experten schlagen vor, das Bauernkriegsmuseum aufzugeben. Das Konzept steht zur Diskussion, auch die Bürger dürfen mitreden.

Im Bauernkriegsmuseum ist nicht nur die Schlacht von 1525 Thema. Zuletzt ging es in einer Ausstellung um die Studentenrevolte von 1968. Foto: factum/
Im Bauernkriegsmuseum ist nicht nur die Schlacht von 1525 Thema. Zuletzt ging es in einer Ausstellung um die Studentenrevolte von 1968. Foto: factum/

Böblingen - Das Ergebnis der Analyse hat niemand überrascht, die daraus abgeleiteten Vorschläge schon: Das Böblinger Bauernkriegsmuseum soll geschlossen werden, empfehlen Thomas Knubben und das Stuttgarter Architekturbüro Demirag. Technisch sowie ästhetisch veraltet, lautet das Urteil über die Ausstellung. Zwar schneidet das Fleischermuseum gleichermaßen schlecht ab, es soll wegen seines trendigen Themas aber zum Science-Center ausgebaut werden. Nur die Städtische Galerie kommt in der Studie des Professors vom Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg besser weg und soll mehr Platz erhalten.

„Seit 25 Jahren herrscht in der Stadt eine latente Unzufriedenheit mit den Museen“, sagte der Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) bei der Vorstellung der Konzeption. Sie war vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden, nachdem die SPD vor vier Jahren die Schließung des Fleischermuseums beantragt hatte, um den Haushalt zu entlasten. „Der Status quo ist nicht haltbar“, findet auch der Oberbürgermeister. Was von den Vorschlägen aber umgesetzt wird, ist noch völlig offen. Er bezeichnet die Analyse als Einstieg in einen Entwicklungsprozess: Erst werden die Bürger beteiligt, dann landen die Ideen im Gemeinderat, der zu den verschiedenen Szenarien erst einmal Machbarkeitsstudien einholen wird.

Ein außergewöhnliches Ensemble – von außen

Als „ein außergewöhnliches Ensemble“ beschreiben die Museumsexperten zwar die drei städtischen Einrichtungen, die auf dem Schlossberg in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Aber damit meinen sie vor allem die historischen Gebäude. Sowohl im Bauernkriegsmuseum als auch im Fleischermuseum seien die Ausstellungen seit der Eröffnung in den 1980er Jahren nicht überarbeitet worden, schreiben sie und fordern bei einer Weiterführung „eine „totale Überholung“. Der Städtischen Galerie halten sie deren Sammlung zu gute: Durch ihren Schwerpunkt auf Künstler der Klassischen Moderne aus dem Umfeld der Stuttgarter Kunstakademie sei sie von historischem Rang. Über große Anziehungskraft verfüge sie jedoch ebenfalls nicht, da sie „kaum mit berühmten Künstlernamen“ aufwarten könne. Die mit dem Bauernkriegsmuseum gemeinsam genutzte Zehntscheuer schlagen die Autoren der Galerie alleine zu, obwohl sie die „unruhige Innenarchitektur“ kritisieren.

Standort Altstadt: isoliert und unbelebt

Dass die Ausstrahlung der drei Museen „derzeit als stark regional beschränkt bezeichnet werden muss“, liegt Knubben und den Architekten zufolge allerdings nicht nur an den Ausstellungen. Die Altstadt wirke „isoliert und unbelebt“, den Museen fehle eine vitale Nachbarschaft mit Gastronomie. Außerdem mangele es ihnen an Marketing in zeitgemäßen Medienkanälen, einem Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit sowie Geld und Personal. Trotz eines bildungsstarken Umfelds gehören die drei Häuser zu den 40 Prozent der rund 7000 Museen in Deutschland, die am wenigsten Besucher anziehen. Eine „umfassende Neuausstattung“ ist für die Museumsexperten die Konsequenz. Die Wiederbelebung des Marktplatzes und eine bessere Anbindung an die Unterstadt halten sie für notwendig.

Während Thomas Knubben in der Galerie ein Alleinstellungsmerkmal sieht und im Fleischermuseum „immenses Potenzial“, es in ein Zentrum für Ernährung zu verwandeln, das sich zwischen Museum und Science Center bewegen solle, reiht er das Bauernkriegsmuseum in die 273 Heimatmuseum der Region ein, die „kaum überörtliche Präsenz entwickeln“. Das Wahlkampfversprechen von Stefan Belz lenkt er aus diesem Grund in eine andere Richtung: Statt dem vom OB gewünschten Stadtmuseum empfiehlt er „ein Stadtforum für Geschichte, Gegenwart und Zukunft“. Dabei handelt es sich um einen Diskursraum mit wechselnden Themen und Veranstaltungen – und eben keine neuen Dauerpräsentation.

Anmeldung erbeten zur Konferenz

Vorstellung:
Die Stadtverwaltung lädt am Montag, 15. Juli, zu einer Museumskonferenz in den Großen Sitzungssaal des Rathauses ein. Sie dauert von 13 bis 18 Uhr. Dabei werden die Ergebnisse der Museumskonzeption vorgestellt. Das Papier ist auch auf der städtischen Internetseite abrufbar.

Beteiligung:
Die Teilnehmer können sich in Workshops zu den Themen Bauernkriegsmuseum, Städtische Galerie, Fleischermuseum und Stadtforum einbringen. Ihre Ideen werden gesammelt und dem Gemeinderat vorgestellt. Um Anmeldung zur Konferenz wird gebeten unter conzelmann@boeblingen.de.