Neues Stadtbahnnetz in Stuttgart Bald wieder direkt zur Staatsgalerie

Noch ist der neue Abzweig an der Staatsgalerie gesperrt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit dem nächsten Fahrplan ordnen die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) das Liniennetz in der Innenstadt zum Teil neu. Bisher standen die Bauarbeiten für Stuttgart 21 dem im Weg.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Das Stadtbahnnetz der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) steht vor größeren Veränderungen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember fallen vorübergehend eingeführte Linien wieder weg. Andere Verbindungen, die wegen der anhaltenden Stuttgart 21-Arbeiten über Jahre hinweg nicht möglich waren, kommen wieder hinzu.

 

Wie ist die Ausgangslage?

Mitte Dezember führen die SSB ihr Netz 2024 genanntes Linienkonzept ein. Möglich wird das, weil nach langer Bauzeit die Strecken rund um die neu gebaute Haltestelle Staatsgalerie wieder vollständig genutzt werden können. Der ursprünglich unterirdische Halt beim Planetarium wie auch die Tunnel in seiner Umgebung mussten wegen Stuttgart 21 neu gebaut werden. In ihrer bisherigen Lage waren sie dem Tiefbahnhof im Weg. Für Fahrgäste der SSB bedeutete das seit 2016 immer wieder wechselnde Linienführungen, zusätzliche Umstiege oder Umwege.

Werden neue Strecken in Betrieb genommen?

Die einfache Antwort lautet Jein. Vom Fahrplanwechsel im Dezember an können Stadtbahnzüge wieder auf direktem Weg zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Hauptbahnhof fahren. Dafür wurden dort neue Tunnel gebaut, die allerdings nur bestehende unterirdische Röhren ersetzen, die dem Bau von Stuttgart 21 und dem neuen Nesenbachkanal im Weg gewesen sind. „Wir freuen uns alle darüber, dass die so wichtige Verkehrsader Hauptbahnhof–Staatsgalerie ab Dezember wieder pulsiert“, zitieren die SSB ihren Aufsichtsratvorsitzenden, Oberbürgermeister Frank Nopper.

Kehren die SSB zum alten Netz zurück?

Nein. Nicht alle Linien, die seit 2016 von den umfangreichen Arbeiten betroffen gewesen sind, fahren von Dezember an wieder so wie vor den Bauarbeiten. So wird künftig die Linie U 1 von Fellbach kommend von der Staatsgalerie zum Hauptbahnhof und von dort weiter via Berliner zum Österreichischen Platz fahren. Diesen Schlenker in der Innenstadt war bis 2016 die U 14 gefahren. Sie übernimmt von Dezember an von der U 1 die Verbindung von der Staatsgalerie via Charlottenplatz zum Österreichischen Platz. U 1 und U 14 tauschen auch die Endhaltestellen im Süden. Die U 1 endet von Mitte Dezember an am Vogelrain. Die U 14 fährt statt ihrer bis Vaihingen. Bei den SSB heißt es, dies geschehe im Vorgriff auf den Ausbau der U 1 für den Einsatz von 80 Meter langen Stadtbahnzügen. Die Linie ist stark nachgefragt und braucht dringend mehr Kapazitäten. Der vorübergehende Versuch, diese mit dem Schnellbus X 1 zu schaffen, brachte nicht die gewünschte Entlastung für die U 1.

Die U 9 kehrt auf ihren alten Linienweg zurück. Das heißt, sie fährt künftig wieder von der Staatsgalerie via Hauptbahnhof Richtung Vogelsang und Botnang.

Werden Linien eingestellt?

Ja, die Linien U 29 und U 34 drehen Mitte Dezember zum letzten Mal ihre Runden. Sie wurden 2018 eingeführt und laufen bei den SSB unter der Bezeichnung „Ergänzungslinien“. Die beiden Verbindungen zwischen Botnang und Hauptbahnhof (U 29) sowie zwischen Vogelsang und Südheimer Platz (U 34) waren eingerichtet worden, um die Folgen der Streckensperrung zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof abzumildern.

Was ändert sich an der Staatsgalerie?

Die neu gebaute Haltestelle mit ihrer außergewöhnlichen Architektur, die im September 2020 in Betrieb gegangen ist, wird von Dezember 2023 an komplett genutzt. Bislang lag das dritte Gleis für Fahrten vom Hauptbahnhof kommend brach. Mit der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs von Stuttgart 21 bietet der Stadtbahnhalt zudem einen Zugang zum Regional- und Fernverkehr der Eisenbahn. Der Südeingang des künftigen Hauptbahnhofs wird bei der Haltestelle Staatsgalerie liegen.

Lief alles wie geplant?

Nein. Seit 2016 dauern nun die Beeinträchtigungen wegen des Umbaus des Stadtbahnnetzes im Zusammenhang mit Stuttgart 21 an. Die SSB sahen sich gezwungen, mehrfach die Linienwege ihrer Bahnen zu ändern und ersannen zwischenzeitlich das Netz 2016 und das Netz 2018. In der Genehmigung für Stuttgart 21 hieß es hingegen: „Grundsätzlich gehen die Planungen davon aus, dass während der gesamten Bauzeit der Stadtbahnverkehr auf allen betroffenen Linien aufrechterhalten wird.“ Lediglich eine zweiwöchige Betriebspause für die Linien 9 und 14 werde es geben.

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