Etliche Feiernde haben sich auf dem Frühlingsfest im Göckelesmaier-Festzelt mit dem Norovirus infiziert, mittlerweile klagen bereits weit mehr als 700 Menschen über Magen-Darm-Beschwerden. Die gute Stimmung der Besucher auf dem Cannstatter Wasen dämpft das jedoch nicht – und hält sie schon gar nicht vom Gang im Festzelt ab, wie eine kleine Umfrage unter Wasenbesuchern zeigt. Aus dem Göckelesmaier-Zelt kommen Thomas, Axel und Karl-Heinz, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen wollen. „Das Bier hat geschmeckt und der Gockel auch“, ist Karl-Heinz Fazit. Sorgen, sich anzustecken, machen sich die drei keine, für sie geht es direkt weiter ins nächste Zelt.
Thomas Lailach, der mit seiner Frau und seinen Kindern über den Wasen schlendert, sieht es ebenfalls locker. „Das passiert. Das reicht, wenn einer den Mist mitbringt.“ Gestern habe er in das Göckelesmaier-Zelt reingeschaut, dort sei es voll wie immer gewesen. Auch er ist entschlossen, ins Festzelt zu gehen und macht sich keine Gedanken, ob er sich anstecken könnte. „Da müsste man zuhause bleiben.“
Seine Meinung teilen auch andere Besucher. Man könne sich genauso gut in der Bahn anstecken, sagt Marcel Baker. Auch er lässt sich die Wasenstimmung nicht verderben. „Man kann sich überall etwas einfangen, da kann man nichts machen“, sagt Ludger Bachem, der zusammen mit Isolde und Bernd Mückenhaupt in einem Zelt war. „Eigentlich müsste man unbedingt ins Zelt, da bekommt man jetzt nichts. Da ist alles desinfiziert und sauber“, sagt Bernd Mückenhaupt.
Mit Desinfektionsmittel und Tabletten vorbereitet
Gedanken über den Besuch im Festzelt hat sich dagegen eine Gruppe junger Frauen gemacht – sich dann aber dafür entschieden. „Wir haben gesagt, solange nicht zugemacht wird, gehen wir“, erklärt Mara Kühnel. „Da wird bestimmt desinfiziert und gut darauf geachtet“, sagt auch Anne Riehle. Unvorbereitet sind die Frauen jedoch nicht: Sie haben Desinfektionsmittel dabei.
Auch Elisabetta Rinaldi ist für den Fall der Fälle gewappnet und hat sich entsprechende Tabletten besorgt, erzählt die Italienerin lachend, die mit einer Freundesgruppe angereist ist. In Italien habe man bisher von der Infektionswelle noch nichts mitbekommen. Aufmerksam darauf wurde sie durch einen Artikel, den ihr ihre Tante aus Frankfurt zugeschickt hat. „Da dachten wir, okay, gehen wir hin?“, sagt Rinaldi. „Aber wir hatten schon alles gebucht.“ Sorgen mache sich die Gruppe nicht. „Bei der Menge an Leuten, die herkommt, sind ein paar Hundert Erkrankte nicht so viel“, sagt Rinaldi.
Er sei nicht der Meinung, dass man jetzt nicht mehr das Frühlingsfest und die Festzelte besuchen sollte, sagt Jens Schenker. „Wenn man einfach ein bisschen aufpasst und sich gründlich die Hände wäscht, glaube ich, dass man den Cannstatter Wasen gut überstehen kann.“