NSU in Baden-Württemberg Der große Unbekannte

Von Reiner Ruf 

Konnte sich das NSU-Trio doch auf ein Unterstützerumfeld in Nordwürttemberg stützen? Darüber gehen auch bei der Polizei die Meinungen auseinander.

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags fragt nach einem Unterstützerumfeld des rechtsextremistischen Trios im Südwesten. Foto: dpa
Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags fragt nach einem Unterstützerumfeld des rechtsextremistischen Trios im Südwesten. Foto: dpa

Stuttgart - Im Abschlussbericht der Ermittlungsgruppe Umfeld – vorgelegt im Januar 2014 – war das Landeskriminalamt zu recht entschlossenen Aussagen gelangt: Nein, das Trio des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) habe in Baden-Württemberg kein Unterstützerumfeld gehabt, niemand aus dem Südwesten habe das Untertauchen von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in strafwürdiger Weise unterstützt; und nein, über den Polizistenmord in Heilbronn hinaus seien keine weiteren Straftaten des Trios ermittelt worden.

Keine dieser Aussagen ist bislang widerlegt, doch zumindest in Sachen Unterstützerumfeld bleiben Fragen, wie sich bei der jüngsten Sitzung des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags ergab. Vielleicht gibt es doch den großen Unbekannten, der Mundlos und Böhnhardt nach dem Anschlag in Heilbronn versteckte. Denn bis heute ist rätselhaft, weshalb die beiden in ihrem Wohnmobil nicht schnurstracks die Autobahn ansteuerten, sondern über Landstraßen in Richtung Süden tuckerten. Bei Oberstenfeld im Landkreis Ludwigsburg wurde das Wohnmobil von einer ­Polizeikontrolle registriert.

Nach 2001 gibt es keine Berichte über Besuche bei Bekannten

„Man kann das nicht als hundertprozentig abgeschlossen sehen“, sagte eine Kriminalhauptkommissarin vor dem Ausschuss. Die Beamtin des Landeskriminalamts hatte den Ludwigsburger Bekanntenkreis des Trios akribisch aufgearbeitet. Etwa 30-mal hatte sich das Trio in wechselnder Besetzung – meist Zschäpe und Mundlos oder einer der beiden allein – im Raum Lud­wigsburg aufgehalten, letztmals wohl 2000/2001, jedenfalls noch nach dem Abtauchen der drei Rechtsterroristen in den Untergrund. Die Polizistin sagte, nach den Grundsätzen der Strafprozessordnung gebe es keine Hinweise auf eine weiter gehenden Hilfe aus dem Südwesten. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Anlaufstelle gab.“ Zu denken gebe auch, dass es nach 2001 keine Berichte mehr über Besuche bei Bekannten gab, zugleich aber Hinweise und Beweise über Aufenthalte im Südwesten – etwa in Stuttgart – vorlägen. „Für mich ist nicht plausibel, dass es über das Jahr 2001 hinaus keinen gab, der zumindest Ansprechpartner war.“

52 Personen hatten Kontakt zum NSU-Trio

Dagegen sagte die vormalige Leiterin der EG Umfeld, die wesentlichen Dinge seien abgearbeitet: „Vielleicht findet sich noch einer, der einen anderen gesehen hat.“ Die Ermittlungsgruppe Umfeld hatte insgesamt 52 Personen mit Bezug zu Baden-Württemberg identifiziert, bei denen ein direkter Kontakt zum Trio oder zu Kontaktpersonen des Trios nachgewiesen werden konnte. Einige dieser Personen hat der Ausschuss inzwischen befragt, auch bei der Sitzung am Freitag wieder. Meist ergab sich aber ein trübes Bild. Zu sehen waren in der Mehrzahl Menschen, die angaben, zwar rechtsextremistische Musik gehört zu haben, dessen ungeachtet aber behaupteten, sich für Politik nicht zu interessieren und überhaupt sich nur schwer erinnern zu können. Getroffen habe man sich, um zu feiern. Kern des Feierns war offenkundig der Alkoholkonsum.

Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler (SPD) sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass es nach den Jahren 2000/2001 keine Kontakte des Trios nach Nordwürttemberg mehr gab.