Stuttgart - Die OB-Wahl entwickelt sich nach der Absage von Fritz Kuhn (Grüne) und anderen Parteifreundinnen zu einer spannenden Angelegenheit. Herrschte bis dahin die Ansicht vor, Kuhn hätte aus dem Rathaus leichtes Spiel gehabt, ändern sich die Vorzeichen in kurzen Abständen. OB-Wahlen sind ohnehin Persönlichkeitswahlen mit parteipolitischem Hintergrundrauschen. 2012 spielte nur bei 22 Prozent der Wähler die Partei des Bewerbers die entscheidende Rolle.
Fragen zur Entscheidung für Veronika Kienzle
Die Grünen fühlen sich dank Klimawandeldebatte weiter an der Spitze. Ihrer klaren Favoritenrolle haben sie sich aber entledigt. Veronika Kienzle wirkt seit ewigen Zeiten in der Kommunalpolitik, leistet engagierte Arbeit als Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Sie ist dort verortet, wo die Grünen die meisten Stimmen sammeln – aber eben auch nur dort bekannt. Deshalb stellen sich Fragen: Wenn ihr die Grünen ausreichend Format, Autorität und Fachwissen zugestehen, um das größte Rathaus im Land zu leiten – warum haben sie sie dann vor der OB-Wahl 2012 aussortiert? Und warum war sie eigentlich nicht die logische Nachfolgerin für Sozialbürgermeister Werner Wölfle?
CDU sollte Kampfabstimmung verhindern
Der zuletzt arg gerupften CDU wurde jedenfalls wieder Leben eingehaucht. Zwar kann sie nicht auf OB Arnold aus Gmünd setzen, aber sie hat ja mit dem Backnanger Stadtoberhaupt Frank Nopper noch ein Eisen im Feuer. Kreischef Stefan Kaufmann wäre wirklich gut beraten, es nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen zu lassen. Andernfalls zerlegt sich die Union wieder selbst. Wie Nopper und Kienzle kennt auch Martin Körner (SPD) ein Rathaus von innen. So zeichnet sich ein Wahlkampf ohne Lichtgestalten, dafür mit engagierten Kämpfern aus der zweiten Reihe ab. Der Ausgang ist ungewiss.