OB-Wahlkampf Streit um Turner-Plakat geht weiter

Von Jörg Nauke 

Die politischen Gegner kritisieren den CDU-Bewerber Sebastian Turner für das Gratiswahlplakat an der Heilbronner Straße in Stuttgart. Turners Wahlkampfmanager wehrt sich und bezeichnet die Vorwürfe als „teilweise absurd und konstruiert“.

Das umstrittene Werbeplakat. Foto: Martin Stollberg 16 Bilder
Das umstrittene Werbeplakat. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Der politische Gegner reagiert heftig auf die Plakataktion des von der CDU nominierten und von FDP und Freien Wählern unterstützten OB-Kandidaten Sebastian Turner. Dieser wiederum erlebt „die parteipolitischen Rituale, von denen die Stuttgarter die Nase voll haben“. Die Konkurrenz lasse sich „aufgrund ungeprüfter Spekulationen zu persönlichen Verunglimpfungen hinreißen“.

Der Umstand, dass die im Angebot des städtischen Vertragspartner Ilg Außenwerbung befindliche Plakatwand an der Heilbronner Straße dem Unternehmer Turner für zwei Wochen kostenlos überlassen wurde, wird von seinen Mitbewerbern kollektiv verurteilt. Der Bewerber von SÖS/Linke, Hannes Rockenbauch, sagte, das auf dem Plakat prangende Brezellogo stehe nicht für ein Miteinander, wie Turner den Wählern weismache, sondern für: „Eine Hand wäscht die andere.“ Er forderte Turner zum Verzicht auf die Kandidatur auf.

Der Grünen-Kandidat Fritz Kuhn sagte: „Turner hat einen Fehler gemacht. Dazu muss er nun auch stehen.“ Angesprochen auf die Forderung Turners, Kuhn solle mit ihm eine Beschränkung des Wahlkampfkostenbudgets vereinbaren, sagte Kuhn, er verstehe jetzt die Motivation. Turner könne seine Ausgaben niedrig halten, weil er sich beschenken lassen. Diese Forderung wie auch der Vorschlag, einen Fairnesspakt zu vereinbaren, „fallen jetzt auf Turner zurück“, betonten die Grünen-Landesvorsitzende Thekla Walker und der Ratsfraktionschef Peter Pätzold.

Kritik auch aus dem Umterstützerkreis

Hans Pfeifer, Wahlkampfmanager von Bettina Wilhelm (SPD), stellt fest: „Es ist der Beweis, dass Turner auf dem Gebiet der Politik keine Kompetenz hat.“ Kritik kommt auch aus dem Unterstützerkreis: FDP-Fraktionschef Bernd Klingler sprach von einem „äußerst ungeschickten Vorgehen“. CDU-Repräsentanten äußerten inoffiziell, der Auftritt sei „eine Katastrophe“.

Turners Wahlkampfmanager, der CDU-Kreischef Stefan Kaufmann, bezeichnete am Sonntag die Vorwürfe als „teilweise absurd und konstruiert“. Die Angriffe der Konkurrenz zeigten, „welche Nervosität der erfolgreiche Wahlkampf hervorruft“. Er bezieht sich auf die neue Version des Geschehens, die der Pressesprecher Turners, Stephan Schorn, am Sonntag präsentierte: Anders als noch am Freitag von ihm selbst bestätigt, sei die Werbefläche nicht von ihrem Vermarkter, der Ilg Außenwerbung, zur Verfügung gestellt worden, sondern von der Schwäbischen Wohnungs AG. Das ist das Immobilienunternehmen, dem der Grund gehört, auf dem sich das Werbegerüst befindet. Schorn räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, diesen Umstand am Freitag nicht korrekt kommuniziert zu haben.

Es sei so, dass nicht Ilg, sondern der Geschäftsführer der Wohnungs AG, Tobias Fischer, Turner angeboten habe, die Werbefläche gratis zu buchen. Sie koste für zwei Wochen zwar 7500 Euro, den Betrag hat Fischer im Gegenzug aber an den Turner-Unterstützerverein gespendet. Dass eine Immo-Firma angebliche Werbeflächen vermietet, begründet Schorn damit, dass sie ihr in den Sommerferien zur Verfügung stehe, weil sie wegen fehlender Vermarktungsmöglichkeiten vom Außenwerber keine Miete erhalte. Ilg sei einverstanden gewesen. Der Einnahmeausfall liege bei null Euro. Dass auch der Immobilienexperte Fischer auf ein gutes Einvernehmen mit der Stadt angewiesen sei, etwa bei Baugenehmigungen, und sich deshalb bei OB-Wahlkampfspenden zurückhalten sollte, hält Schorn für abwegig. Dann ­könne kein Kandidat mehr auf Zuwendungen hoffen.

Armin Serwani, Mitglied im Vorstand des Unterstützervereins, kennt eine andere Version: Eigentlich habe man die Plakataktion wegen der hohen Kosten absagen wollen, so der FDP-Kreischef, der im Vorstand des Turner-Vereins sitzt. Das sei dann aber zu spät gewesen. Der Gratisdeal sei „auf der Schiene Ilg-Turner gelaufen“. Schorn erklärte dazu: „Das ist falsch.“