OHG Ludwigsburg Asyl gesucht für einen halben Käfer

Uwe Mallwitz auf Stippvisite im OGH bei „seinem“ Käfer Foto: Werner Kuhnle

Vor 37 Jahren haben Abiturienten des Otto-Hahn-Gymnasiums Ludwigsburg das Auto im Schulhaus an die Wand geschraubt. Da bald das Gebäude abgerissen wird, benötigt der Volkswagen eine neue Heimat.

Rems-Murr/ Ludwigsburg: Martin Tschepe (art)

Seit 1985 steht der halbe, pinkfarbene VW-Käfer im Eingangsbereich des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) Ludwigsburg. Für Generationen von Lehrern und Schülern gehörte das Fahrzeug zum Alltag – er war quasi schon immer da. Nun aber muss das Fahrzeug weg, denn das Schulgebäude soll abgerissen werden. Die vorbereitenden Arbeiten für den Abbruch beginnen bald. Der Schulleiter des OHG, Matthias Hilbert, hofft, dass sich bis dahin jemand findet, der dem Käfer Asyl gibt. Denn die Tage des Käfers sind gezählt. Anfang Februar muss der Wagen weg sein. Vielleicht, sagt der Direktor, hat ja einer der damaligen Abiturienten Platz auf einem Grundstück.

 

Uwe Mallwitz schaut manchmal bei „seinem“ halben Käfer vorbei. Der Ingenieur, Abijahrgang 1985, war damals an der Nacht-und-Nebel-Aktion beteiligt, als er und ein paar Mitschüler das Auto an eine Wand im Schulhaus geschraubt haben. Mallwitz ist bis heute zufrieden mit dem Abischerz seines Jahrgangs. Er und andere autoverrückte Kumpels hatten die Idee mit dem Käfer. Hinter seinen Scheiben sind bis heute Fotos von den damaligen Dreizehnern zu sehen.

Verbleib des Motors ist unklar

Der Jörg zum Beispiel sei mit von der Partie gewesen, so Mallwitz. Dessen Eltern hatten damals ein Autohaus. Und auch der Stefan, der eine kleine Werkstatt hatte. In dieser hätten sie den Volkswagen, den sie von einem Schrottplatz geholt hatten, mit einer Flex zerlegt. „Wir haben alle Leitungen und den Tank ausgebaut“, erzählt Mallwitz. Den Motor im Heck das Käfers habe der Stefan womöglich selbst verwendet. Aber so genau erinnere er sich nicht mehr. Womöglich sei der Motor auch mit der hinteren Hälfte des Autos entsorgt worden. Die vordere Hälfte hätten sie jedenfalls auf einem Anhänger zum Gymnasium transportiert. Den Schlüssel zum Schulhaus hatte der Hausmeister den Abiturienten zugesteckt. Der Mann dürfte am nächsten Morgen bass erstaunt gewesen sein. Ein Auto im Schulhaus!

„Erstaunlich gut erhalten“, sagt Mallwitz bei einer Stippvisite im Schulhaus – sowohl der Käfer als auch die Fotos der Abiturienten von damals. Die Reifen des Autos sind zwar platt und das Kennzeichen mit der Aufschrift „Abitur 85“ liegt unter dem Fahrzeug. Aber der Lack des Autos glänzt. Und die Fotos von den Schülern sind kaum vergilbt. Zu sehen sind junge Leute, die unverkennbar in die 1980er Jahre gehören: Männer mit Schnauzbärten und in bunten Klamotten mit extravaganten Schnitten. Uwe Mallwitz schwelgt ein bisschen in Erinnerungen, erinnert sich an gute Kumpels, schöne Mädchen und an einen Mitschüler, der viel zu früh verstorben ist.

Wer nimmt sich des OHG-Käfers an? Vielleicht der Jörg?

Der einstige OHG-Abiturient hat übrigens selbst eine Zeit lang einen Käfer gefahren. Er gehörte der Mutter. Sein erstes Fahrzeug war dann aber ein Opel Rekord, Baujahr 1970. Mallwitz hat nach der Schule denn auch Kfz-Mechaniker gelernt und später in Esslingen Fahrzeugtechnik studiert. Seit rund 25 Jahren arbeitet er bei der Firma Dürr, zu deren Kunden viele Automobilhersteller zählen. Der Mann hat Benzin im Blut. Der VW-Käfer, so der Fachmann, sei schon Mitte der 1980er Jahre ein kaum mehr zeitgemäßes Auto gewesen.

Heute bevorzugt Mallwitz schnelle Fahrzeuge mit modernen Verbrennungsmotoren. Die seien aus seiner Sicht und bei seinem Fahrprofil nach wie vor noch immer ökologischer als Autos mit Elektromotoren. Das aber sei eine andere Geschichte. Nun gelte es, einen Ort zu finden für den halben OHG-Käfer. Vielleicht, sagt Mallwitz mit einem Augenzwinkern, hat der Jörg ja einen Platz. „Aus Nostalgiegründen“ könnte der einstige Mitschüler den alten Käfer doch nehmen. Denn der Jörg führe heute das Autohaus seiner Eltern.

Wer Interesse an dem Käfer hat, kann sich beim Otto-Hahn-Gymnasium melden unter 0 71 41 / 9 10 25 45 oder sekretariat@ohg-lb.de.

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