Olympia 2018 Das sind die Stars der Olympischen Winterspiele

Von Jürgen Kemmner und Jochen Klingovsky 

Die Olympischen Spiele sind alle vier Jahre die Bühne für die großen Stars. Von 9. bis 25. Februar treffen sich die besten Wintersportler der Welt in Pyeongchang. Ein Überblick über die internationalen, deutschen und regionalen Topathleten.

Nervenstark und in herausragender Form: Medaillen-Kandidatin Victoria Rebensburg Foto: dpa 21 Bilder
Nervenstark und in herausragender Form: Medaillen-Kandidatin Victoria Rebensburg Foto: dpa

PyeongchangVon 9. bis 25. Februar treffen sich die besten Wintersportler der Welt in Pyeongchang. Wer sind die internationalen Topathleten? Welche deutschen Stars haben in Südkorea goldige Aussichten? Und wer sind die Medaillenanwärter aus der Region? Die Antworten gibt es hier.

Gold-Kandidaten international

Mikaela Shiffrin Es gibt nicht wenige Experten, die meinen, Mikaela Shiffrin könnte die erfolgreichste Skirennläuferin der Geschichte werden. Und um ehrlich zu sein: Ein so großer Experte muss man gar nicht sein, um diese Behauptung aufzustellen. Die US-Amerikanerin ist erst 22 Jahre alt, aber schon Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin im Slalom. Sie hat den Gesamtweltcup 2017 und bereits 41 Weltcup-Rennen gewonnen. Darunter waren zwar 30 Slaloms, aber Shiffrin stand auch schon in allen anderen Disziplinen ganz oben auf dem Podest. Sie gilt als Ausnahmetechnikerin, ist aber auch physisch und psychisch stark. Und nie zufrieden. „Ich muss noch viel lernen“, sagt sie, „ich habe mein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.“ Vielleicht gelingt ihr das ja in Pyeongchang. Drei oder vier Medaillen könne sie in Südkorea auf jeden Fall gewinnen – meinen (nicht nur) die Experten.

Martin Fourcade Monsieur Biathlon wuchs in der Einsamkeit der Pyrenäen auf, heute kennt ihn jeder. Martin Fourcade (29) ist seit 2012 der Dominator in der Kombination aus Skilanglauf und Schießen, seither hat er sich jedes Jahr den Gesamtweltcup gesichert und bei Großveranstaltungen 29 (!) Medaillen gewonnen. Mit 67 Weltcup-Siegen liegt er auf Platz zwei der Bestenliste hinter Ole Einar Björndalen (94 Erfolge), der Norweger hat sich nicht für Olympia qualifiziert. Ob Fourcade sämtliche Biathlon-Goldplaketten aus Pyeongchang mit nach Frankreich nehmen kann? Ja – aber Johannes Thingnes Bö hat sicher etwas dagegen. Der 24 Jahre alte Norweger ist der große Gegenspieler von Fourcade – lediglich bei einem Einzelrennen in dieser Saison siegte ein anderer Athlet: Den Sprint in Östersund gewann Tarjei Bö, der Bruder von Johannes.

Kamil Stoch Wer Kamil Stoch nach seinem Erfolgsgeheimnis fragt, bekommt nur einen Satz zu hören: „So weit springen, wie es geht.“ Diese Antwort ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass der Pole kein großer Redner ist. Und zum anderen seiner Bescheidenheit. Stoch ist in der Szene unglaublich beliebt, weil er kein Lautsprecher ist, kein Egomane oder Selbstdarsteller. Dabei hat er in seiner Skisprungkarriere schon ordentlich auf den Putz gehauen – gerade bei Großereignissen: Stoch wurde Doppel-Olympiasieger 2014 auf der Normal- und der Großschanze sowie Weltmeister 2013 (Großschanze) und 2017 (Team), er gewann 26 Weltcup-Springen, den Gesamtweltcup 2014 und die Tournee 2018 – mit Siegen in allen vier (!) Springen. Dann folgten noch zwei Medaillen bei der Skiflug-WM. Keine Frage: Stoch ist unter den vielen guten Skispringern aktuell der beste und beständigste. Und damit auch der große Olympiafavorit.

Sven Kramer Sieben Olympiamedaillen, zehn WM-Medaillen im Mehrkampf, 19 WM-Medaillen auf Einzelstrecken sowie neun EM-Medaillen – der niederländische Eisschnellläufer Sven Kramer benötigt ein Vitrinenzimmer, um alle Auszeichnungen auszustellen, die er in seiner Karriere gewonnen hat. Nur eine Plakette fehlt in dieser Sammlung: olympisches Gold über 10 000 Meter. In Vancouver 2010 lag Kramer auf Goldkurs, sein Trainer wies ihm beim Wechsel die falsche Bahn zu – Disqualifikation. 2014 in Sotschi reichte es „nur“ zu Silber. In Pyeongchang soll endlich die absolute Krönung folgen. „Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf die Spiele und will gewinnen. Meine Karriere hängt aber nicht davon ab, ob ich endlich einmal Gold über 10 000 Meter hole“, sagt Kramer. Fest steht aber schon: Der flitzende Holländer wird seine Karriere nach den Spielen fortsetzen. So oder so.

Johannes Kläbo Niemand kann behaupten, Johannes Kläbo sei aus dem Nichts auf der großen Langlaufbühne erschienen – schließlich gewann der Norweger bei der Junioren-WM 2016 drei Goldmedaillen. Aber wie schnell Kläbo es auch im Weltcup an die Spitze geschafft hat, ist trotzdem eindrucksvoll. Und zeigt, warum er selbst in einer Langlaufnation wie Norwegen, die mit Talenten reich gesegnet ist, als Ausnahmeerscheinung gilt. Der 21-Jährige dominiert vor allem im Sprint nach Belieben, doch er hat auch das Potenzial, jeden Wettbewerb bis zu 30 Kilometer Länge zu gewinnen – egal ob im klassischen oder freien Stil. Kläbo, der die anstrengende Tour de Ski über den Jahreswechsel ausgelassen hat, weil er die Höhe nicht gut verträgt und sich nicht überfordern wollte, könnte der Langlauf-Superstar in Pyeongchang werden. Es wäre die Krönung einer rasanten Entwicklung.