Olympia 2022 Warum viele Sportler nach Peking aufhören
Für zahlreiche Stars aus dem deutschen Team fällt der olympische Vorhang – sie sind 2026 in Mailand und Cortina nicht mehr dabei.
Für zahlreiche Stars aus dem deutschen Team fällt der olympische Vorhang – sie sind 2026 in Mailand und Cortina nicht mehr dabei.
Peking - Die Spiele sind zu Ende, und für einige aus dem deutschen Team wird es keine Rückkehr zu Olympia geben – sie beenden entweder nach dieser Saison ihre Karriere oder sie haben ein Alter, das einen Start in Cortina 2026 eher unwahrscheinlich macht.
Benedikt Doll (Biathlon) Der Schwarzwälder hatte sich einiges vorgenommen, er kehrt ohne Medaille zurück. Im Einzel Platz sechs, in Sprint und Massenstart wurde er jeweils Achter, was eine ordentliche Bilanz darstellt. Nicht für Doll. „Es klappt, oder es klappt nicht, bei diesen Spielen hat’s nicht geklappt. Eine Enttäuschung ist dabei, aber ich komme darüber weg“, sagte der 31-Jährige. Es bleibt für den Ex-Weltmeister bei den zwei Bronzenen (Staffel, Verfolgung) von Pyeongchang. Und dabei bleibt es, nur bei der Biathlon-WM 2023 in Oberhof mischt Doll noch mit. „Die WM hat genauso einen Glanz wie die Olympischen Spiele“, behauptet er. Denise Herrmann (Biathlon) Sie kam 2016 aus dem Langlauf, um sich als Skijägerin zu versuchen. Lange tat sich Denise Herrmann mit dem Gewehr schwer, irgendwann kannte sie den Kniff. 2017 der erste Weltcup-Sieg, 2019 gewann sie einen Medaillensatz bei der WM, wo sie Weltmeisterin in der Verfolgung wurde. Nun betrat die (fast immer) gut gelaunte Sächsin den Biathlon-Olymp, als sie in Zhangjiakou mit nur einem Schießfehler Einzel-Gold gewann, als Zugabe folgte Staffel-Bronze. Das hatten die wenigsten der 33-Jährigen zugetraut, in dieser Saison hatte sie auch schwache Resultate und gemeint: „Ich hab ziemlich auf die Fresse gekriegt.“ Nun besitzt sie Gold wie ihre 2018er-Zimmerkollegin Laura Dahlmeier. Die hat sich längst verabschiedet, wahrscheinlich wird Denise Herrmann 2026 mit 37 nicht mehr schießen.
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Natalie Geisenberger (Rodeln) Was für Spiele für die Miesbacherin. Gold im Einzel und mit der Teamstaffel, insgesamt kommt sie auf sechs Goldene und eine Bronzene – niemand aus Deutschland hat mehr Medaillen im Winter gewonnen als Geisenberger, die Claudia Pechstein an der Spitze ablöste. Das Großartige: Sie rodelte vor und nach der Babypause in der Weltspitze mit. Nach der Geburt von Leo im Mai 2020 hätte sie die Karriere beendet, wenn sie den Spagat als Mutter und Rodlerin nicht hätte managen können. Nun dürfte die Familie in den Vordergrund drängen. Natalie Geisenberger wird 2026 die Spiele wohl daheim verfolgen. Johannes Ludwig (Rodeln) Der Schnellstarter im Eiskanal ist ein Spätstarter in der Karriere. 2018 holte er mit 31 Jahren Bronze im Einsitzer und Gold mit dem Team, nun ist der gebürtige Suhler 36 und Doppelolympiasieger – mehr geht nicht. Ludwig hat eine Partnerin, die seine Karriere unterstützt hat, sowie zwei Kinder – schon vor der Olympiasaison tagte der Familienrat, ob er Peking in Angriff nehmen wolle. Sie waren sich einig: Ja. Doch nach der Rückkehr werden sie sich in Weringerode erneut beraten. „Einerseits sagt man: Was soll da noch kommen“, meinte Bundestrainer Norbert Loch, „andererseits ist er so gut wie nie.“ 2026 würde Johannes Ludwig während der Spiele den 40. Geburtstag feiern. Das macht er lieber daheim. Eric Frenzel (nordischer Kombiniere) Was für Winterspiele für den 33-Jährigen. Nach der Ankunft musste er elf Tage in Quarantäne, drei Tage nachdem er wieder beim Team war, startete der Sachse in der Staffel, rettete sich ins Ziel und blieb dort liegen – er erholte sich zwar schnell, doch bei der Siegerehrung war Frenzel nicht dabei. „Es ging mir einfach sehr schlecht“, erzählte er später. Bei Frenzel haben diese harten Wochen Spuren hinterlassen, der Routinier hält ein Karriereende im Frühjahr nicht für ausgeschlossen. 2026 wird er sicher nicht mehr dabei sein. Hermann Weinbuch (Bundestrainer) Der Trainer der nordischen Kombinierer wird im März 62, vor Jahresfrist dachte er bereits darüber nach, den Vertrag nach China auslaufen zu lassen. Seit 1996 füllt er die Position aus, unter seiner Regie sammelten die Athleten mehr als 50 Medaillen bei Olympia und WM. In Italien wird er nicht mehr dabei sein. „Das ist sicher“, sagte er. Ob er noch eine oder zwei Saisons dranhängt, weiß er nicht: „Wir setzen uns bald zusammen.“ Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) Diesen Dienstag wird die Berlinerin 50, am Samstag war sie im Massenstart aufs Oval gefahren und Neunte geworden. Die Bestmarke als erfolgreichste Wintersportlerin Deutschlands musste sie an Natalie Geisenberger abgeben, doch Pechstein setzte eine andere Rekordmarke: Nur Skispringer Noriaki Kasai und die Eisschnellläuferin haben an acht Winterspielen teilgenommen – und als i-Tüpfelchen ihrer Laufbahn durfte Pechstein bei der Eröffnungsfeiert die Fahne tragen. Was sei mit Olympia 2026 als Aktive, wurde sie gefragt. „Ich schließe nichts aus“, meinte sie. Mariama Jamanka (Bob) Mit Silber im Zweier verabschiedet sich Mariama Jamanka von den Winterspielen. „Vier Jahre sind definitiv zu lang“, sagte die 31-Jährige, „daher bin ich doppelt froh, dass es so ausgegangen ist.“ In Pyeongchang 2018 hatte die Oberhoferin Gold im Zweier gewonnen. Nach einem sofortigen Abschied sieht es nicht aus, die WM 2023 möchte sie noch mitnehmen. „St. Moritz ist immer eine Reise wert“, sagte sie. Allerdings muss sich die Ex-Weltmeisterin eine neue Anschieberin suchen. Alexandra Burghardt, Deutschlands schnellste Sprinterin, kehrt auf die Tartanbahn zurück. Johannes Lochner (Bob) Der Berchtesgadener hatte sich geärgert, dass er im Zweier und Vierer hinter Francesco Friedrich mit Silber vorliebnehmen musste. „So ist der Franz, uns baumelt wieder Silber um den Hals“, sagte der Pilot von BC Stuttgart-Solitude süßsauer. Eine Revanche wird es bei Olympia nicht geben, der 31-Jährige erklärte, dass Cortina 2026 ohne ihn stattfinden wird, weil „mein Körper bis dahin nicht mehr mitspielt“. Bis zur WM 2023 in St. Moritz ist der Lochner „Hansi“ aber noch dabei – einmal Friedrich Gold wegschnappen, das hätte was.