Online-Petition für Stuttgarter Großkino Was wird aus dem Gebäude des Ufa-Palasts?

Von Uwe Bogen 

Frederic Riech, Betreiber des Ufa-Palasts, sagt unserer Zeitung, er hätte in Stuttgart weitergemacht, wären die Besitzer zu Mietnachlässen bereit. Der Kinochef bestätigt 40 Kündigungen. Wird das Multiplex zum Wohnhaus – oder gar zur Interimsoper?

Nach 24 Jahren schließt der Ufa-Palast in Stuttgart für immer. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann 18 Bilder
Nach 24 Jahren schließt der Ufa-Palast in Stuttgart für immer. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

Stuttgart - „Der Stuttgarter Ufa-Palast darf nicht schließen“ – mit dieser Forderung werden im Netz nun Stimmen für den Erhalt des Großkinos im Nordbahnhofsviertel gesammelt, das nach Mitteilung der Düsseldorfer Betreiberfamilie Riech für immer geschlossen wird. Die Online-Petition richtet sich an OB Fritz Kuhn. Eine öffentliche Förderung des Multiplex scheint eher unwahrscheinlich, auch wenn die Parteifreundin des grünen Rathauschefs, die OB-Kandidatin Veronika Kienzle, nun die Chance sieht, „das Haus mit 4000 Plätzen, einem Parkhaus und einem gigantischen Parkplatz neu zu denken“. Ihr Vorschlag lautet: „Ein Haus der Kulturen der Welt.“ Andere träumen bereits davon, den Ufa-Palast zur Interimsoper zu machen.

Frederic Riech, dessen Familie das Großkino mit 13 Sälen seit 1996 im einstigen Südmilchareal betreibt, glaubt, dass die Hauseigentümer, eine Holding, den Ufa-Palast abreißen und Wohnungen bauen will. Sollte Stuttgart 21 irgendwann fertig sein, würden die Gleise verschwinden und die Parkanlagen vor der Haustür den Wohnwert steigern. „Die Bauarbeiten für S 21 haben dem Ufa-Palast erheblichen Schaden zugefügt,“ sagt Riech, „wir waren ständig im Gespräch mit der Bahn, weil die Vibrationen beim Bauen für mehr als nur Risse gesorgt haben.“

„Wir haben bis zuletzt hart verhandelt“

Die Entscheidung, das Multiplex-Kino nach 24 Jahren für immer zu schließen und 40 Mitarbeitern die Kündigung zu schicken, ist ihm „sehr schwergefallen“, versichert Frederic Riech, der Enkel des einstigen „Kinokönigs“ Heinz Riech, unserer Zeitung. An drei anderen Standorten mache er mit den dortigen Ufa-Palästen weiter. Andernorts seien Hausbesitzer bereit gewesen, die Miete nachzulassen – nicht aber in Stuttgart.

„Wir haben bis zuletzt hart verhandelt“, berichtet Riech, „doch die Stuttgarter Eigentümer wollten keinen Nachlass gewähren.“ Die Miete sei bei einem großen Haus sehr groß, das nach den ersten Corona-Lockerungen nur mit geringen Umsätzen rechnen könne. „Obendrein fehlt es momentan an Blockbustern, die viele Menschen ins Kino locken“, sagt der Ufa-Palast-Chef, „nicht nur die Premiere des James-Bond-Films wurde verschoben.“ Da er keine Einigung mit den Hauseigentümern erzielen konnte und die Schäden durch die S-21-Bauarbeiten für Beeinträchtigungen sorgten, habe er die Notbremse ziehen müssen. „Sonst wären wir in die Insolvenz gerutscht“, sagt er. Dass er dies unbedingt vermeiden wollte, verwundert nicht: 2002 hatte sein Vater Volker Riech nach vergeblichen Rettungsversuchen Insolvenz angemeldet.

Unklar bislang ist, was aus der Gastronomie im Ufa-Palast wird. Ohne Kino dürfte sich der Betrieb kaum lohnen. Wird den Bars im Erdgeschoss womöglich gekündigt, damit ein Neubau möglich wird?

Zwei Stuttgarter Kinos starten am Donnerstag wieder

In den Stuttgarter Kinos laufen derweil die Vorbereitungen für das Comeback nach elfwöchiger Pause auf Hochtouren. Nur ein Teil der Säle wird geöffnet. Die Innenstadtkinos starten mit dem Metropol am Donnerstag, Arthaus bittet an diesem Tag ins Delphi, das Cinemaxx meldet sich bei der Liederhalle sowie im SI-Centrum am Samstag zurück. Der frühere Musicalsänger Fredrik Andersson, der das Corso Cinema mit englischsprachigen Filmen im Stadtteil Vaihingen betreibt, freut sich darauf, am 13. Juni wieder loslegen zu können.

„Wir haben im Online-Verkauf eine automatische Logik, die nach einem Ticketkauf die Plätze drum herum im Abstand von anderthalb Metern blockiert“, berichtet Margarete Söhner von den Innenstadtkinos. Die Vorgaben, dass maximal zwei Haushalte zusammensitzen dürfen, sollen befolgt werden. „Die Anzahl zusammenhängender Tickets ist auf acht Plätze begrenzt“, sagt die Betriebsleiterin und erklärt: „Drei Kumpels, die in einem anderen Haushalt wohnen, geht nicht. Vater, Mutter und drei Kinder aus einem Haushalt dagegen gehen.“ Von den 340 Plätzen im Metropol könnten nur „zwischen 113 und 85 Plätze verkauft werden“. Für das Cinemaxx erklärt Sprecherin Ingrid Breul-Husar: „Im Kino, somit auch beim Ein- und Auslass in die Säle sowie bei Toilettenbesuchen während der Vorstellungen, besteht Maskenpflicht. Sobald im Saal der zugewiesene Sitzplatz eingenommen wurde, darf die Maske abgenommen werden.“

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