Ortsjubiläum Weilimdorf hat ein Nachspiel Festschrift sorgt für Wirbel in Weilimdorf

Der Stein des Anstoßes: die nicht offizielle Festschrift zum Orts­jubiläum von Weilimdorf. Foto:  
Der Stein des Anstoßes: die nicht offizielle Festschrift zum Orts­jubiläum von Weilimdorf. Foto:  

Eine vom Stuttgarter Stadtrat Bernd Klingler in Eigenregie herausgegebene Festschrift zum 775-jährigen Jubiläum von Weilimdorf lässt im Stadtbezirk die Wogen hochschlagen. Den Vorwurf der Verletzung des Urheberrechtsschutzes weist der Werbefachmann entschieden von sich. Und auch an seinen Kritikern wird nun Kritik laut.

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Stuttgart - Mitte Juli hat der Stadtbezirk Weilimdorf sein 775-jähriges Bestehen mit einem großen Stadtfest gefeiert. Für das Event geworben wurde unter anderem in einer offiziell anmutenden Broschüre, die von der ortsansässigen Werbeagentur Klingler herausgegeben wurde. Obwohl das Jubiläumsfest schon wieder Geschichte ist, bleibt die Publikation Stadtgespräch: Im Zentrum der Kritik steht wieder einmal der Werbefachmann und Ex-AfD-Stadtrat Bernd Klingler, heute eine Hälfte des Duos Bündnis Zukunft Stuttgart 23. Er soll Texte für das Heft unter Umgehung des Urheberrechts kopiert und zudem den falschen Eindruck erweckt haben, er arbeite bei der Veröffentlichung mit dem Heimatkreis Weilimdorf und der örtlichen Vereinigung der Selbstständigen zusammen. Klingler weist sämtliche Vorwürfe zurück und spricht von einem „Rachefeldzug“ der Weilimdorfer SPD. Auch im Heimatkreis schlagen die Wogen hoch.

Der Reihe nach: Im Vorfeld des Jubiläums hatte sich zunächst der Bezirksbeirat Weilimdorf gegen die Herausgabe einer offiziellen Festschrift ausgesprochen und stattdessen dafür plädiert, das bezirkseigene Budget lieber für den Festakt zu verwenden. Gleichwohl ziert ein Grußwort der Bezirksvorsteherin Ulrike Zich gleich die erste Seite des Heftes. „Ich habe Herrn Klingler mitgeteilt, dass es von mir kein offizielles Grußwort für sein Heft geben wird“, so Zich gegenüber unserer Zeitung. Dass der Herausgeber ihre Einladung zum Stadtfest, die auch an die örtliche Presse verschickt wurde, in seinem Jubiläumsheft abgedruckt habe, dagegen sei aus ihrer Sicht allerdings nichts einzuwenden. Sie lege aber Wert darauf, dass es sich bei der Broschüre nicht um eine offizielle Publikation gehandelt habe.

Heimatkreis-Chef attestiert Klingler Diebstahl geistigen Eigentums

In seinem eigenen Grußwort erläutert der gebürtige Weilimdorfer Klingler die Motivation für sein Engagement: Sein 50. Geburtstag falle ins gleiche Jahr wie das Ortsjubiläum. Daher wolle er mit dem Heft vor allem auch Neubürgern „einen Rückblick über unsere Heimat darlegen“. Und er bedankt sich ausdrücklich beim Weilimdorfer Heimatkreis um dessen Vorsitzenden Bernhard Klar, der der Bevölkerung ein tolles Archiv beschert habe. Just aus diesem Archiv habe sich Klingler schamlos bedient, findet dagegen Klar, der auch SPD-Bezirksbeirat ist. Der Heimatkreis sei in keiner Weise an der Erstellung der Broschüre beteiligt gewesen. Die dort veröffentlichten, zudem fehlerhaften Textfragmente – als Gedankenstütze für Ortsführungen gedacht – seien Klingler von einem Vereinsmitglied lediglich „als Anregung und nicht zur Veröffentlichung“ überlassen worden. Der Haupturheber der Texte habe nie seine Zustimmung zu einer Publikation gegeben: „Daran hat sich der Herausgeber nicht gehalten“, so Klar. Eine Verletzung des Urheberrechts sei kein Kavaliersdelikt, sondern „Diebstahl geistigen Eigentums“. Als Vorsitzender des Heimatkreises distanziere er sich ausdrücklich von den Inhalten dieser Broschüre.

Der Plagiatsvorwurf ist nicht der einzige: Ähnlich erging es auch dem Journalisten und Redaktionsleiter von weilimdorf.de, der Homepage der örtlichen Vereinigung der Selbstständigen, bei der auch Kleinunternehmer Klingler Mitglied ist. Hans-Martin Goede fiel zunächst aus allen Wolken, als er das Heft aus seinem Briefkasten zog. „Ein Text, der von mir bereits 2002 komplett geschrieben wurde, ist ohne mein Einverständnis und Wissen offenbar von der Internetseite kopiert und in dem Heft veröffentlicht worden.“ In dem Text fänden sich sogar noch die Verweise auf andere Internetinhalte – für ein Printmedium wenig sinnvoll. Klingler räumt ein, den Text verwendet zu haben – allerdings ohne Kenntnis des Autors. Er habe ihn keineswegs aus dem Internet kopiert, sondern er sei Bestandteil des Materials gewesen, das er von der Geschäftsführerin des Heimatkreises zur freien Verwendung erhalten habe. „Der Artikel war namentlich nicht gekennzeichnet“, beteuert Klingler. Mittlerweile habe er sich gleichwohl bei Goede entschuldigt und ihm die Situation erklärt. Der Ex-AfDler zahlt zudem 200 Euro an den Autor und darüber hinaus 150 Euro wahlweise an den Heimatkreis oder den Flüchtlingskreis Weilimdorf.

Die Geschäftsführerin des Heimatkreises, Edeltraud John, bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass sie Klingler das Material als Vorlage für eigene Texte überlassen habe: „Ich bin schon davon ausgegangen, dass er die Texte verändert.“ Der Artikel von Goede sei namentlich nicht gekennzeichnet gewesen. John: „Das ist einfach dumm gelaufen.“ Dass der Heimatkreis-Vorsitzende Klar mittlerweile auf der Homepage des Vereins seine Distanzierung veröffentlicht hat, ist nicht jedem Mitglied recht. „Manche haben wohl noch eine Rechnung mit Herrn Klingler offen“, vermutet John. Die Erklärung Klars sei jedenfalls mit dem Heimatkreis-Vorstand nicht abgesprochen gewesen.

Klinger: Habe viel Lob für das Heft eingeheimst

Gleichwohl: auch beim Selbstständigenverband „WeilAktiv“ unterstellt man Klingler Trickserei. Obwohl es nie einen offiziellen Beschluss der Organisation zum Erstellen des Heftes gab, habe Klingler dies anders dargestellt, erinnert sich Weilaktiv-Chef Eckhardt Binder. Binder, der nach eigener Aussage nicht bei jeder Sitzung dabei ist, warb daraufhin bei den Mitgliedern um Unterstützung für die Publikation. „Das war mein Fehler, ich hätte erst einmal recherchieren sollen“, sagt er rückblickend. Auch die angegebene Auflage von 17 000 Stück macht ihn im Nachhinein stutzig: „Das Heft haben längst nicht alle Haushalte in Weilimdorf erhalten“, sagt er und weiß sich darin einig mit Edeltraud John. Auch das bestreitet Klingler entschieden: „Wir haben mindestens 16 000 Stück verteilen lassen, das habe ich überprüft.“ Zudem habe er niemals den Eindruck erweckt, es gebe einen Beschluss des Selbstständigenverbands.

Zwar habe er mit der Broschüre kein Geld verdient, so Klingler. Dafür habe er aber Lob von BDS-Mitgliedern und Bürgern eingeheimst, die das Heft ausgesprochen gelungen fanden. Der Heimatkreis-Vorsitzende Bernhard Klar gelangt zu einem gänzlich anderen Urteil. Publikationen des Heimatkreises erfüllten eine gewisse Qualität. „Diesen Standard wollen wir auch künftig beibehalten und keine Texte abliefern, die in der Schule die Versetzung gefährden würden.“




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