Oskar Beck Die Chronologie eines Höllenritts

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Was blüht Aufsteiger VfB Stuttgart in einer Saison, in der schon das erste Heimspiel an diesem Samstag gegen Mainz nichts für Herzkranke ist? Hier ist die – nicht ganz ernst gemeinte – Antwort.

Stuttgart - Das Heimdebüt gegen Mainz ist für den VfB gleich wieder ein Entweder-Oder-Spiel. Zerfetzt auch diese Saison die Nerven der Fans? Die Schreckhaften schauen vor dem Schlafengehen schon wieder unters Bett, und ein Blick durch die Glaskugel verträgt in der Tat kaum das Schnaufen: Dramatik satt, Skandale und Tragödien, Zittern und Zähneklappern.

August Nach dem Fehlstart in Berlin ist klar: Dem VfB kann nur Fritzle helfen. Gegen Mainz ist das Maskottchen der Star der Show und wird unter dem frenetischen Jubel der 55 000 aus einem Hubschrauber über dem Anstoßkreis abgeworfen. Doch dann ein jäher Schrei des Entsetzens: Beim Aufprall zieht sich das Krokodil eine klaffende Kopfwunde zu und muss mit 15 Stichen getackert werden. Der Tag ist vollends versaut, als der verlorene VfB-Sohn Alexandru Maxim das 0:1 macht. VfB-Chef Wolfgang Dietrich tritt die Kabinentür ein, trommelt den Aufsichtsrat zusammen und feuert nacheinander Fritzle, den Sportchef Reschke und den Trainer Wolf. Manager wird Thomas Hitzlsperger, Huub Stevens kann als Trainer gewonnen werden, und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird der zu einer Frischzellenkur in Bad Buchau am Federsee weilende Ex-Weltmeister Guido Buchwald als neues Fritzle verpflichtet.

September Die 0:1-Niederlage auf Schalke wird überschattet von einer Slapstick-Einlage der VfB-Abwehr. Die Situation scheint geklärt, Baumgartl will den Konter mit einem Steilpass eröffnen, schießt sich aber selbst an. Aogo eilt ihm zu Hilfe, rutscht aus, und dann überschlagen sich die Ereignisse. Im Kulturbeutel von Torwart Mitch Langerak klingelt das Handy, der Australier läuft hin, hebt ab – und während Badstuber den Ball zum Torwart zurückspielt, lehnt Langerak lässig am Torpfosten und sagt: „Hi, Frieda!“ Der Ball rollt ins leere Tor. Die Situation ist so komisch, dass die vier VfB-Pechvögel lachend ein Selfie knipsen, das zwar im Internet Begeisterungsstürme auslöst, aber zum Zerwürfnis mit dem Trainer führt: „Affen seid Ihr, Affen!“, flucht Huub Stevens, beschimpft Langerak als „Wehrkraftzersetzer“ und degradiert ihn wieder zur Nummer zwei im Tor. Frieda war, wie sich herausstellt, Mitchs Sandkastenliebe in Melbourne.

Oktober Der VfB bejubelt seine ersten Tore. Beim 3:2 gegen Köln hält Holger Badstuber nach Eckbällen dreimal den Kopf hin, steigt dabei aber so phänomenal hoch, dass sofort Gerüchte kursieren, der VfB bediene sich im Abstiegskampf unerlaubter Mittel. Tatsächlich tauchen verschwommene Bilder eines Amateurfilmers auf, die das dunkle Geheimnis lüften und „Bild“ zu der Schlagzeile zwingen: „Foltert sich der VfB zum Klassenerhalt?“ Unter dem Druck der Beweise räumt Huub Stevens in einem „ARD-Brennpunkt“ ein, dass er Badstuber beim Training am Kopfballpendel mehrmals täglich mit einer Eisenstange gegen die Wade schlägt, um ihn zum höheren Springen zu zwingen, wie das in Holland beim Barren von Springpferden gang und gäbe sei. Stevens trotzig: „Ja, ich barre ihn, er ist mein bestes Pferd im Stall.“ Tierschützer protestieren mit Sitzblockaden vor dem VfB-Clubhaus und ketten sich an Huubs Wohnwagen an.




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