Ostalgie-Drama im Kino Corinna Harfouch als sture Rebellin

Corinna Harfouch in „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ Foto: Verleih//i

Um den Ausverkauf Ostdeutschlands, DDR-Ostalgie und Verdrängung dreht sich das Kino-Drama „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ mit Corinna Harfouch.

Stuttgart - In Westdeutschland reiben sich viele die Augen, wenn in Ostdeutschland vermeintlich undankbare Menschen seltsame Parteien wählen und DDR-Ostalgie pflegen. Ursachenforschung betreibt nun im Kino die aus Niedersachsen stammende Regisseurin Katharina Marie Schubert: Sie widmet sich exemplarisch dem Ausverkauf dessen, was einmal die DDR war.

 

Ihr Kinofilm „Das Mädchen mit den goldenen Händen“ spielt in einer brandenburgischen Kleinstadt kurz vor der Jahrtausendwende. Gudrun (Corinna Harfouch), als Waise aufgewachsen, erfährt an ihrem 60. Geburtstag, dass der Bürgermeister (Jörg Schüttauf) das Kinderheim an einen westdeutschen Investor verkaufen möchte – während sie daran arbeitet, aus dem alten Landschloss ein Begegnungszentrum für alle zu machen.

Die Tochter ist längst nach Berlin geflohen

Um diesen Konflikt herum gruppieren sich kaleidoskopisch viele kleinere. Gudruns Tochter Lara (Birte Schnöink), längst nach Berlin geflohen, wirft ihrer Mutter vor, mehr Empathie fürs Kinderheim aufzubringen als für ihr eigenes Kind. Laras Ziehvater Werner (Peter René Lüdicke) steht vermittelnd zwischen beiden und fängt jeden Sturm auf.

Harfouch („Lara“) ist – wie immer – eine Wucht als sture Rebellin mit Gemeinsinn, die allen auf die Nerven geht. Jörg Schüttauf windet sich herrlich als Bürgermeister, der den maroden alten Kasten loswerden will. Überhaupt lebt der Film von starken Darstellern: Gabriela Maria Schmeide und Ulrike Krumbiegel spielen zwiespältige Figuren, in deren Haltung sich die Geister der Vergangenheit spiegeln: Alte Schuld und Verdrängung überlagern den Neubeginn.

Ein Mann im Kostüm eines Volkspolizisten erzählt Wessi-Witze

Es wird viel geraucht, und bei der Geburtstagsfeier erzählt ein Mann böse Wessi-Witze – kostümiert als DDR-Volkspolizist, deren Beliebtheit sich vor 1990 eher in Grenzen hielt. Am Ende lässt Schubert ihre Handlungsfäden im Sog eines Feuers verglühen. Sie kommt nicht zu einer Durchdringung der Verhältnisse, wie sie den ostdeutschen Regisseure Matti Geschonneck („In Zeiten des abnehmenden Lichts“) oder Andreas Dresen („Als wir träumten“) schon gelungen ist.

Birte Schnöink als spröde Lara findet in Berlin Spuren aus der Vergangenheit ihrer Mutter, doch ihre Recherchen führen nirgends hin. Und so berechtigt die Kritik an der Abwicklung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhand sein mag: Das Grimm’sche Märchen „Das Mädchen ohne Hände“, in dem der Teufel einen armen Müller austrickst, wirkt doch sehr plakativ, um die komplexen Ost-West-Beziehungen zu beschreiben.

Das Mädchen mit den goldenen Händen. D 2021. Regie: Katharina Marie Schubert. Mit Corinna Harfouch, Jörg Schüttauf. 103 Minuten. Ab 12 Jahren.

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