Osterbronnstraße Dürrlewang Flugblattschreiber ruft zu Boykott auf

Auf der Osterbronnstraße soll Radfahren sicherer werden. Nur wie? Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Das Ringen um die Umgestaltung der Osterbronnstraße in Stuttgart-Dürrlewang nimmt unschöne Züge an. Betroffen ist vor allem die Bäckerei Bausch. Die Interessengemeinschaft reagiert mit einem Gegenschreiben auf einen anonymen Boykottaufruf.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Dürrlewang - In diesem Punkt sind sich alle einig: Der Autoverkehr auf der Osterbronnstraße soll verlangsamt und die Radinfrastruktur ausgebaut werden. Die Stadt hat dazu mehrere Varianten ausgearbeitet. Je nach Entwurf fallen einige, viele oder sogar alle Parkplätze weg. Zudem ist ein Parkraummanagement geplant. Einzelhändler in Dürrlewang sorgen sich, dass sie damit Kunden verlieren. Darum hat Holger Bausch, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei und Konditorei, zusammen mit anderen Ladenbesitzern und Bürgern eine eigene Variante ausgearbeitet. Statt einen separaten Radweg schlägt die Interessengemeinschaft einen breiteren Bürgersteig vor, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen.

 

Zettel an Laternenmasten und Straßenschildern

Nun ruft ein Unbekannter zum Boykott auf. „Radfahrer und ökologisch orientierte Menschen boykottieren die Bäckerei Bausch“, ist auf kleinen Flugblättern zu lesen, die an Laternenmasten und Straßenschildern kleben. „Holger Bausch [...] ist Kopf einer Interessengemeinschaft, die sich gegen einen sinnvollen Fahrradweg auf der Dürrlewangstraße und gegen das Parkraummanagement im angrenzenden Wohngebiet richtet“, heißt es weiter.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Händler kämpfen für Parkplätze

Das möchte die Interessengemeinschaft so nicht auf sich sitzen lassen und hat ein Gegenschreiben verfasst. „Wir schätzen eine offene Kommunikation und den Austausch verschiedener Meinungen sehr. Jeder hat die Möglichkeit, sich mit seinen Vorstellungen in unserer Interessengemeinschaft einzubringen. Auch Sie haben Ihre Meinung geäußert! Leider mit einem anonymen Boykottaufruf, der nicht zu unserem demokratischen Grundverständnis passt“, heißt es in der Stellungnahme.

Interessengemeinschaft lädt zur Diskussion

Die Verfasser stellen auch klar, dass es nicht um die Dürrlewang-, sondern um die Osterbronnstraße gehe, und dass die Lösungsidee der Interessengemeinschaft auch eine Fahrradinfrastruktur beinhalte. Zudem würden zu der Interessengemeinschaft mehrere Gewerbetreibende und Bürger gehören. „Wir sind alle gleichberechtigt und engagieren uns gemeinsam für eine Umgestaltungsvariante der Osterbronnstraße, die neben dem ökologischen Aspekt auch die Ziele der sozialen Stadt und weitere Fragestellungen berücksichtigen soll.“ Die Interessengemeinschaft lädt den anonymen Verfasser ein, sich mit seinen Vorstellungen an einer Lösungsfindung zu beteiligen. Ihre Entgegnung will sie in den Dürrlewanger Läden aushängen. „Wahrscheinlich reagieren wir damit anders als der Verfasser des Boykottaufrufs es erwartet. Aber wir würden uns ehrlich freuen, wenn er sich meldet, um mit uns zu diskutieren“, sagt Bernd Pfeiffer von der Interessengemeinschaft.

Mehr als 1000 Unterschriften gegen die Pläne der Stadt

Die Interessengemeinschaft und das Stadtteilbüro hatten vor Kurzem zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Bernd Pfeiffer schätzt, dass zwischen 120 und 150 Bürger anwesend waren. Vertreter des Stadtplanungsamts erklärten die von der Verwaltung ausgearbeiteten Varianten. Pfeiffer hatte den Eindruck, dass die Mehrheit der Bürger für den Erhalt der Parkplätze und damit für eine Stärkung des Einzelhandels war. Aber natürlich habe es auch andere Meinungen gegeben. „Diese akzeptieren wir. Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen und einen guten Kompromiss erreichen“, sagt der Dürrlewanger. Die Stadtverwaltung prüfe nun die von der Interessengemeinschaft ausgearbeitete Variante auf ihre Machbarkeit. „Für mich ist das Bürgerbeteiligung“, so Pfeiffers Fazit.

Er und seine Mitstreiter haben inzwischen mehr als 1000 Unterschriften gegen die Pläne der Stadt gesammelt. Diese sollen am Donnerstag, 14. Oktober, vor der Gemeinderatssitzung an Oberbürgermeister Frank Nopper übergeben werden.

Weitere Themen