Verkehrsminister Winfried Hermann Plädoyer für das Leben nach Stuttgart 21

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Der Verkehrsminister des Landes, Winfried Hermann, will jetzt ungelöste Themen des Bahnprojekts angehen. Viele betreffen den Landkreis Esslingen.

Der Ausbau der Neckarschleusen, hier die Anlage bei Deizisau,  soll den Verkehr von der Straße aufs Wasser bringen. Foto: Ines Rudel
Der Ausbau der Neckarschleusen, hier die Anlage bei Deizisau, soll den Verkehr von der Straße aufs Wasser bringen. Foto: Ines Rudel

Owen - Die Segnungen, die das Bahnprojekt Stuttgart 21 dem flachen Land im Kreis Esslingen verspricht, sind überschaubar. Zwar liegt der Stuttgarter Flughafen, der dank der Schnellbahn-Anbindung zu einer Verkehrsdrehscheibe ersten Ranges in Europa werden soll, auf Markung der Kreiskommune Leinfelden-Echterdingen, doch schon ein paar Kilometer weiter, in der Raumschaft Kirchheim, treibt die Rathauschefs mehr denn je die Sorge um, abgehängt zu werden. Im Fachgespräch mit rund einem Dutzend Bürgermeister von Weilheim bis Köngen und von Deizisau bis Beuren, die in die Owener Bernhardskapelle gekommen waren, hat der baden-württembergische Minister für Verkehr und Infrastruktur, Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen), den Willen der Landesregierung bekräftigt, das befürchtete Gefälle gar nicht erst entstehen zu lassen.

„Wir sind derzeit auf der Arbeitsebene dabei, die ungelösten Themen des Bahnprojekts Stuttgart 21 anzugehen“, sagte der Minister, dem beim Ortstermin der Kirchheimer Landtagsabgeordnete und Chef der Grünen-Fraktion im Landtag, Andreas Schwarz, assistierte. Ganz oben auf der Prioritätenliste für den Kreis Esslingen steht den Worten der beiden Landespolitiker zufolge eine verbesserte Anbindung der Neckartalschiene an die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm über die Große Wendlinger Kurve und der Bau einer Tangentialtrasse für die S-Bahn von den Fildern ins Neckartal.

Bund nicht bereit 60-Prozent-Anzeil zu tragen

Der Bau der sogenannten Großen Wendlinger Kurve als zweigleisige Abzweigung von der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm in Richtung Neckartal würde Hermanns Worten zufolge rund 75 Millionen Euro kosten. Das Land werde seinen Teil zur Finanzierung beitragen, versprach der Minister, der die Kosten nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz auf mehrere Schultern verteilt wissen will. Allerdings, so Hermann, sei der Bund bisher nicht bereit seinen 60-Prozent-Anteil an den prognostizierten Baukosten zu tragen. „Wir brauchen eine Entscheidung noch in diesem Jahr, sonst ist der Bau der neuen Trasse schon zu weit fortgeschritten“, drückt Hermann aufs Tempo.

Geht es auf der Schiene darum, den Verkehr möglichst flächig in den Landkreis hinein zu bringen, so weist die Stoßrichtung auf der Straße in die andere Richtung. Durch den vorgesehenen sechstreifigen Ausbau der Autobahn 8 zwischen Mühlhausen und Drackenstein (beide Landkreis Göppingen) hofft der Minister, dem Schleichverkehr über die Albsteigen im Landkreis ein Ende zu bereiten.

Schleusen auf dem Neckar sollen ausgebaut werden

Eine Entlastung für das zunehmend strapazierte Straßennetz soll auch der Ausbau der Schleusen auf dem Neckar bringen. Dass der Bund dem Landesvorschlag folgt, bei der Sanierung der Steighilfen jeweils auch gleich ihre Tauglichkeit für die 135 Meter langen Schiffe sicherzustellen, wertet Hermann als einen Erfolg. „Die Wasserstraßen sind die einzigen Straßen im Land, die keinen Stau zu verzeichnen haben“, so der Minister.

Auch wenn Hermann bei seinem Besuch in Owen viele Ankündigungen weder mit Terminen, noch mit Kostenzusagen flankieren konnte, so ging doch die Bürgermeisterrunde vor allem mit einer beruhigenden Nachricht aus dem Ministermund auseinander: „Es gibt auch ein Leben nach Stuttgart 21“.




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