Pablo Maffeo beim VfB Stuttgart Die Geschichte eines Missverständnisses

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Zu Saisonbeginn ist Pablo Maffeo noch der bewunderte Rekordtransfer des VfB Stuttgart gewesen. Jetzt ist der 21-jährige Fußballprofi völlig isoliert – weshalb der Fall zeigt, dass es viele Verlierer gibt.

Allein auf weiter Flur: Pablo Maffeo versteht beim VfB die Fußballwelt nicht mehr. Foto: Baumann
Allein auf weiter Flur: Pablo Maffeo versteht beim VfB die Fußballwelt nicht mehr. Foto: Baumann

Stuttgart - Dienstbeginn am Morgen. Pablo Maffeo kommt auch an diesem Tag zum Training. Und für den spanischen Fußballprofi werden es wieder einsame Stunden. Er ist von den Mitspielern isoliert, zieht sich nicht mehr in der Mannschaftskabine um und trainiert zu einer Zeit, wenn die Kollegen nicht mehr auf dem Trainingsplatz des VfB Stuttgart zugange sind. Das ist hart für Maffeo, der zwar noch alle Materialien sowie die Plätze und den Kraftraum des Clubs für sein Einzeltraining nutzen darf, aber nur von Dolmetscher und A-Lizenz-Inhaber Massimo Mariotti sowie dem Gefühl begleitet wird, ungerecht behandelt zu werden.

Ausgeschlossen vom Mannschaftstraining. Wegen demonstrativer Lustlosigkeit und disziplinarischer Verfehlungen. Das kann Maffeo zwar nicht nachvollziehen, aber Thomas Hitzlsperger hat es nach dem Trainerwechsel von Markus Weinzierl zu Nico Willig erneut verfügt. Der Sportchef will keinen Spieler im Team haben, von dem er nicht überzeugt ist, dass er im Abstiegskampf eine Hilfe darstellt und der mit seinem Verhalten Unruhe in die eigenen Reihen bringen könnte.

Zu diesem Entschluss ist Hitzlsperger nach reiflicher Überlegung und mehreren Gesprächen mit Maffeo gekommen. Im Verein weiß man deshalb sehr wohl, dass beide Seiten zur vertrackten Situation beigetragen haben. So entspinnt sich die Geschichte eines teuren Missverständnisses, die mindestens zwei Wahrheiten und viele Verlierer kennt. Als Querulant gilt Maffeo, weil der kleine Rechtsverteidiger mit dem großen Dickkopf die verordneten Sonderschichten sowie die vorgeschlagene Versetzung in die zweite Mannschaft verweigert hat. Zuletzt wandten sich dann sogar die wohlmeinendsten Mitspieler von Maffeo ab. Obwohl sie ihn lange zu integrieren versuchten und lediglich als „Vogel“ abtaten – eigenwillig, aber okay.

Querulant oder Opfer

Maffeo sieht sich auch nicht als Täter, sondern als Opfer. Das Talent mit dem heißblütigen Temperament hat sich das ja alles anders vorgestellt, als er nach Stuttgart kam. Voller Hoffnungen und selbstsicher. Er war der Rekordtransfer. Und vielleicht begann da schon das Problem. Zehn Millionen Euro Ablöse – Maffeo empfand diese Summe nicht als Last, sondern als einen angemessenen Preis für seine Qualität, und leitete daraus offenbar einen Status ab, der ihn von den anderen abhob.

Atlético Madrid hatte sich mit dem U-21-Nationalspieler beschäftigt, einige Vereine hatten um ihn gebuhlt. Den Zuschlag erhielt im Sommer aber der VfB, weil der damalige Manager Michael Reschke bereit war, die Bedingungen des Stammvereins Manchester City zu akzeptieren: ein Rückkaufsrecht für den englischen Meister in Höhe von 25 Millionen Euro sowie eine Beteiligung an einem Weiterverkauf.

Mittlerweile droht ein Verlustgeschäft. Maffeos Marktwert ist gesunken. Und das Lob, das Reschke für die Verpflichtung erhielt, ist verhallt. Als Coup stufte die Scoutingszene den Deal mit dem Fünfjahresvertrag ein. Reschke erreichten Glückwünsche aus Freiburg, Frankfurt, Leverkusen, München. Doch schnell zeigte sich, dass der Sohn einer Argentinierin und eines Italieners in Deutschland fremdelte. Trotz persönlicher Betreuung, trotz der spanisch sprechenden Fraktion im Kader und trotz geklärter Privatsituation: Maffeo bezog mit seiner Verlobten und zwei Hunden eine Wohnung in Bad Cannstatt. Warm wurde er mit dem VfB jedoch nicht.

Die Situation eskaliert

Vor allem lief es aber sportlich schlecht – für die Mannschaft und bei Maffeo. Niederlagen und eine Verletzung setzten ihm zu. Er begann daran zu zweifeln, ob er den richtigen Schritt vollzogen hatte. Auf die internationale Bühne wollte er eigentlich. Wenn nicht gleich, dann doch sofort. Schließlich hatte er eine starke Saison für den FC Girona gespielt. 32 Einsätze in der Primera Division. Das macht begehrt, und bei Maffeo blühte offenbar die Illusion, zu ManCity zurückkehren zu können.

Statt in höheren Sphären der Premier League hing er mit dem VfB jedoch in den Niederungen der Bundesliga fest – und immer wieder wurde von ihm gefordert, mehr zu laufen. Er, der erwartet hatte, einen gepflegten Ball zu spielen, sollte nur noch rennen. Das kannte er nicht, und Maffeo verstand die Fußballwelt spätestens nicht mehr, als er sich mehrfach fit spritzen ließ und sich hinterher Kritik anhören musste. Weil er sich gegen Borussia Dortmund nach einer Stunde auswechseln lassen wollte. Bei Trainer Weinzierl hatte er damit verspielt. Das Urteil: nicht fit.

Der Spieler will nur noch weg

Das war im vergangenen Oktober, und noch im November kamen Maffeos Berater an die Mercedesstraße, um die problematische Situation zu klären – mit ihrem störrischen Mandanten und dem verärgerten Club. Ein höherer Arbeitsethos und mehr Professionalität wurden eingefordert. Ohne Erfolg, wie sich im Wintertrainingslager zeigte. In Spanien soll sich folgender Disput ereignet haben: Der damalige Konditionstrainer Thomas Barth soll während einer individuellen Laufeinheit Maffeo gegenüber gesagt haben, er sei keine zehn Millionen Euro wert. Der irritierte Spieler beschwerte sich bei Reschke, der wiederum den Trainer unterrichtete, um die Sache aus der Welt zu räumen.

Barth bestritt den Vorwurf. Die Verantwortlichen hakten das Ganze ab, dennoch eskalierte die Angelegenheit in einer Mannschaftssitzung. Weinzierl knöpfte sich Maffeo vor und verbannte ihn daraufhin erstmals aus dem Kader. Straftraining.

Kürzlich war dann wieder ein Vertreter der Media Base Sports, Maffeos Berateragentur, in Stuttgart. Öffentlich äußern will sich der Firmenchef Pere Guardiola jedoch nicht. Das sei nicht ihr Stil, heißt es aus dem Umfeld des Bruders von Startrainer Pep Guardiola. Hinter vorgehaltener Hand sprechen sie jedoch von einem „Desaster“ im Fall Maffeo. Der Spieler will nur noch weg – und der VfB sucht einen Weg aus der Sackgasse.