Paolo Nutini und Parov Stelar bei den Jazz Open Der Schlossplatz tanzt

Schwäche für Elektrisches: Parov Stelar Foto: Opus

Ein klug kombinierter Abend mit dem schottischen Sänger Paolo Nutini und dem österreichischen DJ Parov Stelar hat Stuttgarts schönsten Platz in harmonische Schwingungen versetzt.

So unterschiedlich die Auftritte von Paolo Nutini und Parov Stelar sein mögen, so gut passen sie zueinander: unprätentiös und mit starker Stimme der 36-jährige Schotte, effektvoll mitreißend Parov Stelar, der österreichische DJ und Künstler, der vor 48 Jahren als Marcus Füreder in Linz zur Welt kam. Zunächst versetzen Paolo Nutini und seine Band das Publikum in harmonische Schwingungen, später wird es sich beim Electro Swing von Parov Stelar richtig austoben.

 

Nutinis Pop könnte als Eskapismus verstanden werden, aber auch als Licht in einer dunkler werdenden Welt. Fragt man Besucher, vor allem junge Frauen, so fällt deren Antwort eindeutig aus: Sie betonen die Freude, die sie bei dieser Musik empfinden, einer Musik, in der sie sich wiederfinden.

Der lässige schottische Sänger da oben auf der Bühne ist auch optisch mit schlichtem Look und Mähne durchaus attraktiv. Dass er sich sozialen Medien verweigert, kaum Interviews gibt und sich für neue Alben viel Zeit lässt, trägt wohl zur Glaubwürdigkeit bei. Seine ausdrucksvolle Stimme strahlt bei Balladen eine melancholische Wärme aus, bei schnelleren und härteren Nummern klingt sie rauer, aber stets völlig unangestrengt. Bei „Funk Up My Life“ oder „Through The Echoes” singen viele Leute mit. Das hymnische „Shine A Light“ rundet das Konzert des Schotten mit der ausdrucksvollen Stimme hübsch ab.

Bühne frei für Parov Stelar, der am Turn-Table und auch an der Zigarette eine Schwäche für Elektrisches zeigt. Bühne frei für Elena Karafizi und Lee Anduze am Gesang und eine formidable Band. Das Erfolgsrezept: Neues begegnet Altem. So war es schon ganz zu Beginn. Marcus Füreder alias Parov Stelar legte einst eine Platte von Billie Holiday auf. Die hatte einen Sprung, sodass ihre Stimme sich pausenlos wiederholte. Füreder fand das genial: Der Electro Swing war geboren. Das Internet spielte dabei eine große Rolle. Über 150 Millionen Mal werden die Videoclips aufgerufen.

Heiße Sinnlichkeit

Aber auch live funktioniert das Ding. Parov Stelar lässt bei mehr als 700 Auftritten ganz Europa tanzen. Beim Konzert am Donnerstag entlädt sich auf der Bühne eine Ladung Energie nach der anderen, und Rave-Glückseligkeit macht sich breit auf dem Platz davor. Zu „Catgroove“, „All Night“ oder „The Mojo Radio Gang“ werden taktvoll die Arme geschwenkt. Das Schlagzeug donnert wie ein verstärkter Herzschlag, der Bass pulsiert, die Trompete jubiliert als sei sie aus Mexiko, die Posaune hupt elefantös, und das Saxofon verströmt heiße Sinnlichkeit. Scharf geschliffene Bläsersätze zerschneiden die Luft, der wuchtige Rhythmus donnert, und plötzlich platzt er wie eine reife tropische Frucht. Es folgt ein wenig musikalischer Leerlauf, und ein neuer stringenter Rhythmus fährt in aufnahmebereite Körper.

Auf dem Platz, den Tribünen, draußen bei den Zaungästen – überall wird Nonstop getanzt. Im Sekundentakt verwandelt sich die Bühne mit Bildern, Lichteffekten, technisch perfekt, künstlerisch interessant. Pavor Stelars Konzept ist wieder aufgegangen. Die Menschen haben einen tollen, klug kombinierten Jazz-Open-Abend erlebt und verlassen gut gelaunt Stuttgarts schönsten Platz.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Jazz Open Stuttgart