Papierschlamm-Skandal Ermittlungen dürften sich hinziehen

Von SIR/dpa 

Bauern aus Mittelbaden haben jahrelang ohne ihr Wissen Abfall einer Papierfabrik auf ihre Felder gekippt. Die Belastung von Boden und Grundwasser mit Chemikalien macht nach Einschätzung des Landkreises Rastatt eine Sanierung erforderlich.

Bauern in Baden haben ihre Äcker unwissentlich mit giftigem Papierschlamm gedüngt. Foto: dpa/Symbolbild
Bauern in Baden haben ihre Äcker unwissentlich mit giftigem Papierschlamm gedüngt. Foto: dpa/Symbolbild

Bauern aus Mittelbaden haben jahrelang ohne ihr Wissen Abfall einer Papierfabrik auf ihre Felder gekippt. Die Belastung von Boden und Grundwasser mit Chemikalien macht nach Einschätzung des Landkreises Rastatt eine Sanierung erforderlich.

Rastatt - Die Ermittlungen zum Papierschlamm-Skandal in Mittelbaden werden sich noch über Monate hinziehen. Im Mittelpunkt steht ein Unternehmen der Region, das die Abfälle von mehreren Papierfabriken bezogen, mit Kompost vermischt und an Bauern verkauft haben soll. Der Landkreis Rastatt kündigte am Mittwoch an, die Verursacher für die Kosten einer anstehenden Boden- und Grundwassersanierung haftbar zu machen. Diese können noch nicht beziffert werden, weil das Ausmaß derzeit nicht feststeht.

„Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler das bezahlen muss“, sagte der Erste Landesbeamte des Landkreises, Jörg Peter. Nach der Feststellung von polyfluorierten Chemikalien (PFC) im Grundwasser der Gemeinde Hügelsheim und im Stadtgebiet von Rastatt solle jetzt sichergestellt werden, dass über Jahre und Jahrzehnte hinweg keine Rückstände dieser im Mikrogramm-Bereich nachgewiesenen Substanzen mehr vorhanden seien, sagte Peter. „Das ist technisch möglich und wir werden die nötigen Investitionen von Wasserversorgern einfordern.“

Grundlage von Regressforderungen sei ein vor einigen Jahren ergangener Bußgeldbescheid des Regierungspräsidiums Stuttgart nach dem Düngemittelrecht, sagte Peter. Das damals wie heute betroffene Unternehmen habe Abfälle von mehreren Papierfabriken erhalten.

Trinkwasser wird überwacht

Das Trinkwasser im Kreis werde sorgfältig überwacht, sagte Peter. Mit PFC belastete Brunnen seien abgeschaltet worden. „Wir können garantieren, dass das Trinkwasser einwandfrei ist.“ Allerdings gebe es noch keinen vollständigen Überblick der Ackerflächen, auf denen von 2006 bis 2008 Kompost mit Papierschlamm ausgebracht worden sei.

Gegen zwei Geschäftsführer des in Verdacht stehenden Betriebes ermittelt die Staatsanwaltschaft Baden-Baden wegen des Anfangsverdachts auf Gewässerverunreinigung. Ein Staatsanwalt sprach von umfangreichen Ermittlungen, die voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Dabei sei eine Vielzahl von Problemen zu klären. So müsse etwa die Frage beantwortet werden, ob bereits 2008 bekanntgewesen sei, dass PFC ins Grundwasser gelangen könne.

Das Umweltministerium in Stuttgart hatte am Dienstag mitgeteilt, dass neben Flächen bei Baden-Baden und im Kreis Rastatt Grundwasser und Böden im Landkreis Karlsruhe von der PFC-Belastung betroffen sein könnten. Daraufhin wurden dort am Mittwoch Proben von Boden, Wasser und Pflanzen entnommen, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe mitteilte. Das Ergebnis der Laboruntersuchungen wird in einigen Wochen erwartet.

Die PFC-Belastung im Raum Rastatt war im vergangenen Jahr festgestellt worden. Zunächst war vermutet worden, dass es sich dabei um die Folgen eines Feuerwehreinsatzes handelte, bei dem PFC-haltiger Löschschaum zum Einsatz kam.