Parkplatz-Kontrolle in Leinfelden Die Knöllchen-Verteiler sind Vergangenheit

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Der Zoff um Strafzettel, die ein allzu eifriges Unternehmen in Drückerkolonnen-Mentalität vor einem Supermarkt in Leinfelden-Echterdingen verteilt hat, soll sich nicht wiederholen. Ein System an Sensoren soll zwischen echten Falschparkern und vergesslichen Kunden unterscheiden.

Auf dem Parkplatz des Filder-Einkaufszentrums ging es im vergangenen Jahr mitunter hoch her. Ein Unternehmen wurde beauftragt, um Pendler und Flughafenparker abzuhalten. Tatsächlich traf es häufig ganz normale Edeka-Kunden. Foto: Ilona Trimbacher
Auf dem Parkplatz des Filder-Einkaufszentrums ging es im vergangenen Jahr mitunter hoch her. Ein Unternehmen wurde beauftragt, um Pendler und Flughafenparker abzuhalten. Tatsächlich traf es häufig ganz normale Edeka-Kunden. Foto: Ilona Trimbacher

Leinfelden - In den meisten Autos liegen sie noch. Die Parkscheiben schmoren in der Sonne auf dem Armaturenbrett hinter der Windschutzscheibe. Wohl aus Gewohnheit, denn wer in der Vergangenheit vor dem Edeka-Supermarkt geparkt und vergessen hatte, das blaue Teil mit dem weißen Uhrenblatt sichtbar irgendwo in sein Auto zu legen, der kassierte mit unschöner Regelmäßigkeit ein teures Knöllchen. 30 Euro für Fremdparker ebenso wie für die Vergesslichen, die im Filder-Einkaufszentrum tatsächlich bloß kurz Einkaufen wollten. Der Zorn mancher Kunden war riesig, es hagelte Beschwerden, der Marktleiter musste aufgebrachte Menschen besänftigen. Auch weil die Nanz-Gruppe, der das Areal gehört, bei der Parkraumbewirtschaftung wohl an das falsche Unternehmen geraten war. Das soll sich nicht wiederholen.

Deshalb verteilt inzwischen niemand mehr Knöllchen vor dem Edeka. Die Schilder, die weithin sichtbar davor warnten, bloß nicht falsch zu parken, sie sind verschwunden. „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen“, sagt eine Frau, die sich mit einer Bekannten bei den Einkaufswagen unterhält. Ihre Freundin hat das zwar schon bemerkt, „aber ich lege immer noch die Scheibe ins Auto, nur zur Sicherheit“, sagt sie. Ein Mann, der gerade seinen Einkauf in den Kofferraum räumt, wundert sich. „Ich finde es blöd, dass das jetzt nicht mehr kontrolliert wird“, sagt er. Er war dafür, dass Fremdparker und Pendler von dem Supermarkt-Parkplatz ferngehalten werden, auch wenn es manchmal die Falschen getroffen hat. „Wir sind früher gefühlt hundertmal woanders hingefahren, weil wir hier keinen Stellplatz gefunden haben“, sagt er.

Sensoren sollen vollautomatisch die Arbeit von Menschen übernehmen

Still und leise wurden die Knöllchen-Verteiler vor einigen Wochen aussortiert, klärt der Nanz-Mitarbeiter Andreas Kalckbrenner auf. Künftig soll intelligente Technik vollautomatisch die Kontrolle übernehmen, Sensoren die Menschen überflüssig machen. Und diesen Sensoren ist es letztlich auch egal, ob in den Fahrzeugen eine Parkscheibe liegt oder nicht. Vergesslichkeit wird also nicht mehr bestraft, sondern nur noch tatsächlich zu langes Parken, und das funktioniert so:

„Ein System aus Sensoren wird auf den Stellplätzen angebracht“, sagt Kalckbrenner. Die Technik ist in kleinen Gehäusen untergebracht, die kaum anders aussehen als die Reflektoren-Knubbel, die etwa bei Autobahn-Baustellen die Spuren markieren und die auch nicht kaputt gehen, wenn man aus Versehen drüberfährt. „Die Geräte erkennen auf die Minute genau, wie lange ein Auto dort parkt“, sagt Kalckbrenner. Über eine Funkverbindung werden die Informationen dann übermittelt, und bewegt sich auf einem Stellplatz länger als drei Stunden nichts, geht auf einem Bildschirm ein Licht an – erst ein gelbes, und nach einer zehnminütigen Kulanz schließlich ein rotes.

Die Technik ist auch für das beauftragte Unternehmen Park & Control neu. Seit dem Herbst 2018 habe man das System im Angebot, teilt die Firma mit. Immer mehr Handelsunternehmen, die ihre Parkplätze überwachen lassen wollen, griffen darauf zurück. Komfortabler und fairer sei dieses, teilt ein Sprecher in bestem Marketingdeutsch mit. Die Sensoren seien objektiv, die Beschwerdequote würde sinken, die Kundenzufriedenheit steigen.

Der gläserne Parker wird Realität

Ganz nebenbei, und das ist durchaus interessant, erfährt der Besitzer des Parkplatzes auch sonst noch ziemlich viel. Etwa wie hoch die Auslastung seines Parkplatzes zu welcher Uhrzeit ist oder wo am liebsten geparkt wird. Dort ließe sich dann zum Beispiel Werbung anbringen. Der gläserne Kunde ist das zwar noch nicht, aber immerhin der gläserne Parker.

Von September an, meint der Nanz-Mitarbeiter Kalckbrenner, könnte die Technik zum Einsatz kommen. „Wir prüfen gerade, ob dieses System bei uns einsetzbar ist“, sagt er. Falls sich Probleme ergeben sollten, werden Dauerparker eben ganz traditionell abgeschleppt. Zum Knöllchen-Verteilen will man jedenfalls nicht zurückkehren.

Und das auch aus gutem Grund. Denn bevor Park & Control im September 2018 die Kontrolle über den Parkplatz übernahm, war dort Park Security zugange. Der Name ist ein ähnlicher, die Geschäftspraktiken sind es nicht. Gerade in der Anfangszeit, im April 2018, als noch viele Edeka-Kunden nicht an die Parkscheiben dachten, ging das Unternehmen ziemlich aggressiv und rigoros vor. Berichte machten die Runde, dass Leute mit Einkaufswagen, die noch auf dem Parkplatz umdrehten und zum Auto zurückgingen, schon ein Knöllchen kassiert hatten. Kulanz: Fehlanzeige. Denn die Mitarbeiter von Park Security verdienten an den Strafzetteln mit, und ob es die unerwünschten Pendler und Flughafenparker traf oder eben nicht, war ihnen ziemlich egal. Im Netz wurde danach sogar dazu aufgerufen, den Edeka zu boykottieren, damit die Abzocke aufhöre.