Parkraummanagement in Stuttgart Kleine Schritte gegen Parknot

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Gemeinsam mit der Stadt Stuttgart wurden erste Lösungen für die Parksituation am Marienhospital ausgearbeitet. Ob die Vorschläge die Parknot in der Innenstadt verhindern?

Setzen sich für nachhaltige Mobilität ein: Patrick Daude (r.) und Carsten Medinger. Foto: StZ
Setzen sich für nachhaltige Mobilität ein: Patrick Daude (r.) und Carsten Medinger. Foto: StZ

Stuttgart - Fahrradleasing, E-Bikes, Carsharing oder Fahrgemeinschaften – die Alternativen zum eigenen Auto sind vielfältig. Das wollte das Marienhospital seinen Mitarbeitern, den Besuchern und Patienten bei dem Infotag „Nachhaltige Mobilität“ näher bringen. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen für andere Verkehrsmittel“, betonte Carsten Medinger, der stellvertretende Abteilungsleiter im Bereich Gebäudeverwaltung des Krankenhauses. Die Feinstaubbelastung ist natürlich ein Grund für das Engagement. Aber natürlich spielt auch die Parkplatznot rund um das Krankenhaus in der Böheim­straße 37 eine entscheidende Rolle.

Rosig war die Parkplatzsituation dort noch nie. Zu viele konkurrieren dort um zu wenig Plätze. Anwohner beklagen sich häufig über die Mitarbeiter, Besucher und Patienten des Krankenhauses, welche die Parkplätze „wegnehmen“ würden. Vom 1. Juni dieses Jahres an wird die Lage nicht besser. Dann beginnt die zweite Phase des Parkraummanagements. Über weite Teilen Heslachs – bis zur Benckendorff- und der Kelterstraße – erstreckt sich dann das neue Parksystem. Zwischen 8 und 22 Uhr wird auch dort das Parken gebührenpflichtig.

Infotag zu nachhaltigen Verkehrsmitteln

Bereits seit knapp zwei Jahren beschäftigt man sich im Marienhospital mit diesem Problem. Eine Arbeitsgruppe hat sich gegründet. In etwa genauso lang arbeitet man zusätzlich eng mit der Abteilung Mobilität der Stadt Stuttgart zusammen. Die Idee für den Infotag zu nachhaltigen Verkehrsmitteln in der vergangenen Woche ist ein Ergebnis dieser Kooperation. „Die Leute machen sich nun auf jeden Fall Gedanken, wie sie auf andere Verkehrsmittel umsteigen können“, so der Eindruck von Patrick Daude nach dem Infotag. Der Mitarbeiter der Abteilung Mobilität im Referat Koordination und Planung des Oberbürgermeisters ist der Ansprechpartner auf Seiten der Stadt bei dem Projekt. Er sei quasi der „Kümmerer“, beschreibt er selber seinen Job.

Um was er sich kümmert? Langfristig geht es darum, Mitarbeiter und Besucher dazu zu bewegen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, ebenso wie von Seiten der Stadt die Voraussetzungen dafür zu optimieren. Daude bringt zum Beispiel alle Beteiligten an einen Tisch. Bei den Gesprächen mit dem Marienhospital waren Vertreter der Stuttgarter Straßenbahnen, der EnBW und auch der Bezirksvorsteher dabei. „Ich versuche dann, manche Prozesse zu beschleunigen“, sagt Daude. Erste kleine, „aber nicht unwichtige Erfolge“ in Gesprächen mit den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) gab es zum Beispiel schon, wie Daude berichtet.

Zum einen bieten die SSB mit der Einführung des neuen VVS-Netzplanes vom 17. Mai an eine zusätzliche Fahrt der Linie 41 um 21.21 Uhr ab der Haltestelle am Marienhospital an. Dies fordert der Bezirksbeirat Süd seit Jahren. „Die Mitarbeiter haben jetzt abends nach ihrer Schicht mehr Zeit, um noch einen Bus zu erwischen“, sagt Daude. Auch habe man zusätzlich die Ampelschaltung an der Böheimstraße verbessert. „Die Querungszeiten für Fußgänger sind nun länger.“

Gute Verbindung bekannter machen

Bereits im vergangenen Jahr hat das Krankenhaus zudem die Namensrechte an der Haltestelle Erwin-Schoettle-Platz erworben. Diese trägt seitdem den Zusatz „Marienhospital“. Das soll helfen, bei Bürgern die gute Verbindung zu Fuß zum Krankenhaus bekannter zu machen. Über weitere Schilder, welche den Weg offensichtlicher weisen, diskutiert man noch.

Auch die Leitung des Marienhospitals suchte nach Wegen, den Mitarbeitern den ÖPNV schmackhafter zu machen. So hat das Krankenhaus ein bezuschusstes Firmenticket eingeführt – zehn Euro bekommen die Mitarbeiter monatlich –, und die Auslastung der Parkplätze des Krankenhauses wurden verbessert, sagte Medinger. Darüber hinaus wolle man mit dem Anbieter „Jobrad“ kooperieren. Dabei leasen die Mitarbeiter ein Rad über drei Jahre. Weil dies als Dienstrad gelte, übernimmt das Marienhospital einen Teil der Kosten.

Viele Schwestern, die bis spätabends im Schichtdienst tätig sind, nutzen lieber das Auto, weil sie ungern im Dunklen alleine unterwegs seien. Deshalb hat die Stadt laut Daude mit dem Marienhospital vereinbart, noch in diesem Jahr Trainings für die Mitarbeiterinnen – natürlich aber auch für Mitarbeiter – zur Verbesserung ihrer Selbstbehauptung und Zivilcourage anzubieten. Bei den Gesprächen zwischen Marienhospital, Stadt und EnBW sei es darum gegangen, die Straßenbeleuchtung im Umfeld des Krankenhauses zu verbessern.

Erste Fortschritte

Für Daude sind dies alles erste Fortschritte, genug ist es damit noch nicht. Der öffentliche Nah- sowie der Radverkehr seien ganz wichtige Themen in Zukunft. „Wir wollen als Stadt die Angebote wirklich verbessern und erweitern“, verspricht der Mobilitätsexperte.

Grundlage dafür ist der städtische Aktionsplan zur Förderung nachhaltiger Mobilität. Die Stadt Stuttgart startete im Zuge dessen auch ein Kooperationsprojekt mit Firmen, um diese innerbetrieblich zu unterstützen. An eben jenem Projekt beteiligt sich das Marienhospital. Zu Beginn gab es eine Befragung unter den Mitarbeitern, welche Bedürfnisse sie bezüglich ihres Weges zur Arbeit haben. Die Beratung von Unternehmen durch die Abteilung Mobilität ist wiederum Teil eines EU-Projektes. Aufgabe der Stadt ist es, langfristiger Ansprechpartner zu sein. „Wir sind ständig mit den Beteiligten im Kontakt, haben ein offenes Ohr“, sagt Daude.

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