Party-Location in Leonberg Hexen machen die Sonne fit für den Pferdemarkt

Noch ist die Sonne leer: Ober-Waldhexe Andreas Beißwenger sitzt im Gastraum des altehrwürdigen Gasthauses. Foto: Simon Granville

Das längst geschlossene Gasthaus Sonne wird an der Fasnet und am Pferdemarkt inzwischen schon traditionell zur Party-Location: Die Waldhexen sorgen dafür. Ein Blick vorab ins Innere des Gebäudes.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Von den Fensterrahmen über dem Eingang blättert die rote Farbe. Das Emblem der Brauerei ist schon vor langer Zeit von den Schildern über dem Portal gekratzt worden. Das Gebäude mit der langen und bewegten Geschichte ist von außen in einem eher mittelmäßigen Zustand. Nur die Sonne selbst, diese Plakette aus Metall, strahlt nach wie vor gülden von der Ecke des Hauses auf die Kreuzung am oberen Ende der Leonberger Altstadt – nicht umsonst bezeichnet der alteingesessene Bürger diesen wichtigen Verkehrsknotenpunkt als die „Sonnenkreuzung“.

 

Die Sonne hätte einiges zu erzählen, könnte sie sprechen

Das Gasthaus Sonne wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Und könnte es sprechen, es hätte einiges zu erzählen aus längst vergangener Zeit. Einkehren kann man hier heutzutage aber nur noch selten. Genauer gesagt seit vielen Jahren nur noch am Pferdemarkt und an der Fasnet. Dann gibt’s die großen Partys der Leonberger Narrenzunft Waldhexen. Sie machen das Gebäude am Schmotzigen Donnerstag sowie an drei Tagen beim Pferdemarkt zu einem der Hotspots für Feierwillige. Dazu gehört eine Menge Vorbereitung, bei der die Hexen jedoch inzwischen Routine haben – außer beim Kinderfasching am Rosenmontag, der für die Zunft Neuland ist.

Oberhexe Andreas Beißwenger und sein Bruder Gerald, Schriftführer, stehen am Mittwochnachmittag im großen Gastraum und sehen sich um. Damit das Foto nach etwas aussieht, hat der Vorsitzende sein Häs angelegt und die Maske mitgebracht – normalerweise würde er wohl nicht in voller Montur den Besen schwingen und das Veranstaltungsbanner aufhängen. So gibt er jedoch schon mal einen Vorgeschmack auf das, was kommt: Neben den Besuchern „in zivil“ werden sich bald zahllose Hästräger aus eigenen Reihen, aber auch von befreundeten Zünften in den Räumlichkeiten tummeln, feiern, tanzen – und natürlich trinken.

Es ist bemerkenswert sauber und aufgeräumt in den Räumlichkeiten

Der Teppichboden ist am Ende, fleckig und stumpf. Das wird beim Feiern allerdings niemanden stören. Ohnehin ist es in der Sonne bemerkenswert sauber, aufgeräumt, alles steht an seinem Platz. Die Stühle sind noch auf die Tische gestapelt. „Und das Sofa in der Ecke wird noch rausgeräumt“, sagt Andreas Beißwenger. Aufbauen muss die Zunft außerdem noch die Erweiterung der Bar am Eingang, auch DJ-Pult, Boxen und Lichtanlage fehlen noch sowie die Deko im Allgemeinen. „Wir brauchen dafür etwa einen Tag“, so der Hexenchef. Am Mittwoch kommende Woche geht’s los. Die Getränke werden vorher schon angeliefert.

Blick ins Hinterzimmer, dort, wo normalerweise kein Gast hinkommt. Da lagern momentan noch die Balkonkästen mit Geranien. „Die fliegen aber wahrscheinlich demnächst raus“, sagt Erik Schuster. Der Betreiber des benachbarten Hotels Sonne hat sich inzwischen zur Runde gesellt. Seiner Familie gehört auch das altehrwürdige, denkmalgeschützte Gasthaus. Und viel interessanter als die Fensterkästen sind die Bilder, die in dessen Hinterzimmer hängen. Sie zeugen unter anderem davon, dass schon um 1900 in der Lokalität Fasnetsgesellschaften tagten. Allerdings befand sich die Sonne damals noch auf der anderen Seite der Kreuzung, dort, wo derzeit die neue Kreissparkassenzentrale entsteht. In das Gebäude, das die Hexen nun vorbereiten, wurde sie erst Ende der 1960er-Jahre „verlegt“.

Abgerissen wird das Gebäude auf keinen Fall

Geschichte wird nun dennoch weitergesponnen. „Die Hexen sind tolle Pächter“, sagt Schuster und lacht. Andreas Beißwenger gibt zurück: „Wir sind froh, dass es so eine Location überhaupt gibt. Eine Halle oder etwas Ähnliches hätte überhaupt nicht diesen Charme.“ Und dass es aktuell kaum weitere Pläne für das Haus gibt, spielt den Waldhexen natürlich in die Karten. Sicher ist nur, wie Erik Schuster bestätigt: Abgerissen wird es auf keinen Fall – und das Dach ist noch gut intakt.

Hinter dem Haus liegt ausgerollt das Banner, das Andreas und Gerald Beißwenger an diesem Abend noch aufhängen wollen. Ob man dort, wo früher der Biergarten war, denn nicht auch etwas aufziehen könnte während der Schmotzigen- und Pferdemarkt-Partys? „Das geht leider nicht. Direkt daneben ist ja das Hotel und das wäre zu laut“, sagt Andreas Beißwenger. Also steigen die großen Feten drinnen. Und wahrscheinlich blättert draußen nur wieder ein bisschen mehr Farbe von den Fensterrahmen.

Die Sonnen-Geschichte in Kürze

Anfänge
 Dass das Sonnen-Gebäude bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts an der Solitude stand und dann versetzt wurde, ist ein Gerücht. Das hat die einstige Stadtarchivarin Bernadette Gramm herausgefunden. Die Bäume für das Haus seien erst Anfang des 19. Jahrhunderts geschlagen worden.

Gaststätte
 Die Gaststätte „Sonne“ wird erstmals 1575 urkundlich erwähnt. Damals befand sie sich noch am Marktplatz. Erst später wurde sie an den Ort verlegt, wo jetzt die Kreissparkasse neu gebaut wird. Ende der 1960er musste sie jedoch auch dort weichen und zog in das heute leer stehende, als „Sonne“ bekannte Haus, ehemals die Weinstube Lauffer, vormals Café Lauffer.

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