Spätestens nach dem Zivildienst an der Markgröninger Schule für Kinder mit einer Körperbehinderung ist für Rüdiger Hezel vollends klar: Er wird Lehrer. „Ich war angefeixt“, erzählt der Rektor der Paul-Aldinger-Schule in Steinheim-Kleinbottwar an diesem Sommertag Mitte Juli. Der Mann, der im Juni 65 Jahre alt geworden ist und kurz vor seiner Pensionierung steht, stammt aus einer Arztfamilie. Ein Medizinstudium wäre womöglich die Alternative gewesen, sagt er - wobei: „Mein Abi war zu schlecht.“ Zudem habe ihn sein Lehrer Peter Drehmann am Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg motiviert Pädagoge zu werden. Dieser Herr Drehmann habe beeindruckt, sagt Hezel, denn er habe vermittelt, dass er seine Schüler wahr- und ernst nimmt, dass er ein echtes Interesse an den Kindern und Jugendlichen hat.
Der gebürtige Stuttgarter Hezel studiert Sonderpädagogik in Reutlingen. Unter anderem arbeitet er von 1987 bis 2002 an „seiner“ alten Schule in Markgröningen. Bis 2012 leitet er die Gustav-Werner-Schule in Stuttgart-Zuffenhausen. Seit elf Jahren ist Hezel Rektor der Schule in Kleinbottwar, die heute so beschrieben wird: „Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, Schwerpunkt geistige Entwicklung“. Früher hat man von eine G-Schule gesprochen, einer Schule für geistig behinderte Menschen.
Wie viele Kinder und Jugendliche besuchen die Schule?
Der Zusatz „geistige Entwicklung“ im Namen der Aldinger-Schule ist dem Rektor wichtig, weil diese Bezeichnung Ressourcen-orientiert ist und nicht Defizit-orientiert. Die rund 140 Kinder und Jugendlichen an der Schule kommen aus dem weiten Umkreis, etwa 80 besuchen das Stammhaus, alle andern werden in sogenannten Kooperationsklassen an Regelschulen unterrichtet, unter anderem in Löchgau und in Kirchheim. Die meisten Schüler arbeiten nach ihrer Schulzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen, zehn bis 15 Prozent besuchen nach der zehnten Kasse die Oscar-Walcker-Schule auf dem Römerhügel in Ludwigsburg, eine Berufliche Schule. Die meisten dieser jungen Leute finden laut Hezel einen sozialversicherungspflichtigen Job.
Mit Blick auf das Mega-Thema Inklusion sagt der Schulleiter, er gehe davon aus, dass es auch künftig spezielle Schulen wie die Aldinger-Schule geben werde. Denn nicht alle Buben und Mädchen seien in Kooperationsklassen gut aufgehoben.
Der Beruf des Schulleiters habe sich in den vergangen Jahren und Jahrzehnten stark verändert, auch das erzählt Rüdiger Hezel. Ein Rektor habe heute deutlich mehr Verwaltungsaufgaben zu erledigen als früher. Auch deshalb ist es vermutlich schwierig, Lehrer für diese Aufgabe zu gewinnen. Bis dato sei noch kein Nachfolger für ihn gefunden worden. Der künftige Ex-Rektor Hezel hat angeboten, dass er im neuen Schuljahr stundenweise mithelfen könne. Ein Absprung aus dem Berufsleben auf Raten. Rüdiger Hezel wird wohl zum Unruheständler. Der sportliche Lehrer hat ein paar ganz konkrete Pläne.
Der Mann, der drei- bis viermal die Woche mit dem Rennrad von seinem Wohnort Sachsenheim nach Kleinbottwar fährt (hin und zurück etwa 40 Kilometer), will gleich nach seiner Verabschiedung am 21. Juli mit den beiden erwachsenen Söhnen eine Biketour durch Thüringen manchen. Und dann möchte er zusammen mit seiner Frau eine lange Wohnmobil-Reise durch Skandinavien und die Baltischen Staaten unternehmen, nicht mehr in diesem Jahr, vielleicht im kommenden Sommer. Langweilig wird den leidenschaftlichen Lehrer also ganz bestimmt nicht.