Krimikolumne

Petros Markaris: Drei Grazien Mysteriöse Mordserie im Professorenmilieu

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In der griechischen Hauptstadt haben Professoren plötzlich eine deutlich verkürzte Lebenserwartung: Petros Markaris’ neuer Krimi „Drei Grazien“ nimmt den Leser mit in die heiligen Hallen der Athener Universität. Lesenswert, befindet Killer-&-Co-Rezensent Lukas Jenkner.

Im Schatten der Akropolis wird gemeuchelt und gemordet. Foto: XinHua
Im Schatten der Akropolis wird gemeuchelt und gemordet. Foto: XinHua

Athen - Dieser Killer beweist eine morbide Kreatitivtät: Weil der griechische Minister für Verwaltungsreformen bekanntermaßen an einer Fett- und Fresssucht leidet, bekommt er anonym eine Torte zugesandt. Klearchos Rapsanis kann natürlich nicht widerstehen, und weil in der Torte Gift ist, hat der Athener Kommissar Kostas Charitos, soeben erst aus seinem Urlaub zurückgekehrt und plötzlich mit einem möglichen Karrieresprung konfrontiert, gleich seinen nächsten Fall zu lösen.

Der stellt ihn vor einige Rätsel. Woher die Torte kam, ist vollkommen unklar, auch die Suche nach dem Motiv gestaltet sich schwierig. Und als dann noch ein weiterer Toter und schließlich gar ein dritter zu beklagen ist, wächst auch die Konfusion nur noch weiter. Immerhin gibt es nun einen ersten Ermittlungsansatz: alle Toten sind Professoren. Charitos macht sich auf und ermittelt mit seinem Team in den heiligen Hallen der Athener Universität.

Krimis mit einem viel Gesellschaftskritik

Petros Markaris, der sich mit seinen Athen-Krimis um den Kommissar Kostas Charitos eine Fangemeinde erschrieben hat, gelingt auch in „Drei Grazien“ eine unterhaltsame Mischung aus Krimi, Kulinarik und griechischer Lebensart. Kostas macht auf seinem Weg ins Büro immer noch die Runde in die Caféteria für einen Kaffee und ein Croissant, während die Gattin ein ums andere Mal die Gäste mit ihren Fähigkeiten als Köchin verzaubert, auch wenn Kostas sich viel lieber in einem der Souvlaki-Lokale herumtreiben würde.

Seit den 1990er Jahren verfasst Petros Markaris Athener Krimis. Wie die vorangegangenen Titel hat „Drei Grazien“ deutliche gesellschaftskritische Tendenzen. Es geht um Politik, Vetternwirtschaft und wie Egoisten das marode System für sich finanziell und beruflich ausnutzen. Dass sich in Charitos’ jüngstem Krimi aus den Verwerfungen im politischen und gesellschaftlichen System Griechenlands eine regelrechte Mordserie entwickelt, erscheint vordergründig etwas weit hergeholt, aber sei’s drum. Für das Schwelgen in Urlaubserinnerungen oder am Strand einer griechischen Ferieninsel ist „Drei Grazien“ beste Unterhaltung.

Petros Markaris: Drei Grazien. Ein Fall für Kostas Charitos. Zürich 2018. 368 Seiten, Hardcover Leinen, 24 Euro, auch als E-Book 20,99 Euro.