Pilotprojekt des BBW Waiblingen So lernen Azubis, wie ein Betrieb tickt

Der angehende Fahrradmonteur Timo Lachauer (vorne) und Werkstattleiter Alex Stein nehmen in der dezentralen Ausbildungswerkstatt des Berufsbildungswerks Waiblingen ein Rad in Augenschein. Foto: Frank Eppler/Frank Eppler

Bikes’n Boards verkauft coole Räder und ist nun Partnerbetrieb des Berufsbildungswerks Waiblingen. Dessen Radmonteur-Azubis lernen realitätsnah, aber im geschützten Raum.

Waiblingen - Mountainbikes, Pedelecs, Lastenräder: Die Radbranche boomt und Fachleute sind gefragt. Timo Lachauer ist auf dem besten Wege, einer von ihnen zu werden: Der 21-Jährige macht im Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW) eine dreijährige Ausbildung zum Fahrradmonteur. In diesem Beruf bildet das BBW schon lange junge Menschen aus – neu ist, dass die Einrichtung dies nun dezentral und in Zusammenarbeit mit einem Partnerbetrieb tut. Und so liegt Timo Lachauers Arbeitsplatz nicht mehr im Gebäude des Berufsbildungswerks unweit des Bahnhofs Waiblingen, sondern in einem Neubau, den der Fahrradhändler Bikes’n Boards im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental bezogen hat.

 

Dezentralität gehört zum Zukunftskonzept

Im Untergeschoss des Betriebs hat das Berufsbildungswerk Waiblingen eine komplette eigene Werkstatt eingerichtet, auf insgesamt 130 Quadratmetern finden außerdem ein Büro, Umkleiden und Sanitärräume sowie ein Multifunktionsraum Platz, in dem die Auszubildenden vespern, Berichte schreiben oder Einzelgespräche mit ihren Ausbildern und Sozialpädagogen, letztere schauen einmal pro Woche vorbei, führen können. Auch einen Ruheraum gibt es am neuen Standort. „Den können die Auszubildenden nutzen, wenn sie eine kleine Auszeit brauchen“, sagt Markus Zabel. Der Teilbereichsleiter betreut seit rund zwei Jahren das Pilotprojekt dezentrale Ausbildungswerkstatt, welches ein wichtiger Baustein der Zukunftsvision des Berufsbildungswerks ist. Die Einrichtung bildet junge Menschen aus, die aus unterschiedlichsten Gründen keine duale Ausbildung ohne Begleitung und Schutzraum meistern können.

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„Wir haben eine eigene Werkstatt und existieren komplett unabhängig, stehen aber in engem Kontakt mit Bikes’n Boards und können uns befruchten“, erklärt Markus Zabel das Konzept. „Unsere Auszubildenden können einfach in den Betrieb rübergehen oder ein Praktikum machen. Die Ausbildung ist dadurch realitätsnah, läuft aber in einem geschützten Rahmen ab.“ Die dezentrale Ausbildung komme den Bedürfnissen vieler BBW-Auszubildenden entgegen, sagt Zabel. Denn für etliche sei die überschaubare Zahl von Menschen in der dezentralen Ausbildungswerkstatt angenehmer als die vielen Menschen, die im Gebäudekomplex des Berufsbildungswerks zusammenkommen.

Aktuelles Anschauungsmaterial

Auch Timo Lachauer gefällt seine neue Arbeitsstelle, an der er mit zwölf weiteren Azubis tätig ist, besser als die vorige im Berufsbildungswerk. „Hier ist eine ruhigere Atmosphäre, man ist mehr unter sich und kann sich besser konzentrieren“, sagt der 21-Jährige und stellt nebenher die Schaltung eines Mountainbikes ein, das vor ihm aufgebaut ist. Ein weiterer Pluspunkt der dezentralen Ausbildungswerkstatt ist die Nähe zur Radbranche. „Durch die Zusammenarbeit mit Bikes’n Boards haben unsere Auszubildenden die Möglichkeit, das aktuelle Material kennenzulernen“, bestätigt Markus Zabel.

„Wir arbeiten Hand in Hand, die Jugendlichen sehen hier, wie ein Betrieb tickt“, sagt Steffen Schuck, der Geschäftsführer von Bikes’n Boards. Die Idee zum Pilotprojekt hat er mit ausgeheckt: „Ich bin als IHK-Prüfer tätig und hatte dadurch schon länger Berührungspunkte mit dem Berufsbildungswerk.“ In den insgesamt zehn Filialen von Bikes’n Boards hätten schon vor dem Projekt etliche Auszubildende des Berufsbildungswerks Praktika absolviert. „Soziales Engagement ist uns wichtig. Und wir haben mit BBW-Praktikanten in der Vergangenheit viele gute Erfahrungen gemacht“, sagt Schuck. Für den Firmenchef, der insgesamt rund 150 Mitarbeiter beschäftigt, ist der Fachkräftemangel ein ständiges Thema.

Reparieren, montieren, anpassen

Wie man Räder wartet, repariert, montiert und an die Wünsche der Kundschaft anpasst, das lernen die Azubis in der dezentralen Ausbildungswerkstatt von Alex Stein. Der 24-Jährige hat sechs Jahre lang die Werkstatt von Bikes’n Boards geleitet und ist vor einiger Zeit eine Etage tiefer, in die des Berufsbildungswerks, gewechselt. Dort betreut er die 13 Auszubildenden. „Hier steht mehr das soziale Miteinander im Vordergrund“, sagt Stein über seine neue Tätigkeit: „Es macht Freude, den Teilnehmern etwas beizubringen und ihre Entwicklung zu sehen.“

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