Plastikvermeidung in Stuttgart-Rohr Plastikvermeidung: Eine Familie sucht Gleichgesinnte

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Holger Bruch, Anne Löcherbach und ihre drei Kinder versuchen, beim Einkaufen vieles anders zu machen. Denn die Fünf aus Stuttgart-Rohr wollen Plastikmüll vermeiden. Nun suchen sie Gleichgesinnte.

Milch aus der Glasflasche, Kaffee nicht als Pads und Biomülltüten aus Zeitungspapier – die Familie versucht, umweltfreundlicher zu leben. Foto:  
Milch aus der Glasflasche, Kaffee nicht als Pads und Biomülltüten aus Zeitungspapier – die Familie versucht, umweltfreundlicher zu leben. Foto:  

Rohr - Holger Bruch wollte es vor einem halben Jahr genau wissen. Also hat er einen vollen Gelben Sack ausgeleert, geschaut, welche Verpackungen da hauptsächlich reinwandern und den Müll sogar gewogen. Das Ziel des Familienvaters aus Rohr: künftig weniger Plastik zu kaufen und damit auch wegzuwerfen. Nun, ein halbes Jahr später, hat die fünfköpfige Familie ihr Aufkommen immerhin um die Hälfte reduziert. Sie stellt alle drei Wochen nur noch einen Sack vor die Tür, vor November 2018 waren es gut zwei.

Die Familie will nun weiterkommen

Damit das klappt, musste sich das Paar mit den Kindern Hanna, Philipp und Antonia in einigen Punkten umstellen. Um die vielen Milchtüten aus dem Gelben Sack zu verbannen, haben sie inzwischen ein Milch-Abo von einem Bauern aus Degerloch, und sie kaufen mehr auf dem Wochenmarkt ein als vorher. Außerdem sind sie seit Neuestem Kunden des Getränkehändlers Kastner in Stuttgart-Vaihingen, der seit dem 1. August einen ungewöhnlichen Weg geht und Einweg-Plastikflaschen komplett aus seinem Sortiment verbannt hat. „Und wir kaufen nicht mehr so oft Süßis“, sagt die achtjährige Antonia, die Jüngste in der Familie. Ihr mache das aber nichts aus.

Leitungswasser statt Plastikflaschen, Filterkaffee statt Pads, Oliven und Käse in selbst mitgebrachten Dosen – Beispiele haben Holger Bruch, Anne Löcherbach und ihre drei Kinder etliche. Und trotzdem reicht es den Fünfen noch nicht. „Aber wir kommen irgendwie nicht mehr weiter“, sagt der Vater. „Irgendwann geht der Aufwand, den man hat, auch steil nach oben.“ Deshalb versucht er schon seit geraumer Zeit, Gleichgesinnte in der Nachbarschaft zu finden. Um Tipps von anderen zu bekommen und auch um vielleicht Erfahrungen, die er mit seiner Familie gemacht hat, weiterzugeben. Er hat eine nebenan.de-Gruppe gebildet, bisher ohne den gewünschten Effekt. „Ich hätte gern einen Stammtisch“, sagt er. Auch mit Leuten von den Fildern, die nicht in seiner direkten Nachbarschaft leben.

Greta Thunberg hat die 13-Jährige inspiriert

Wird Holger Bruch gefragt, ob er in der Familie der Kopf der Anti-Plastik-Bewegung ist, zögert er. Seine 13-jährige Tochter Hanna sagt: „Ja, ist er.“ Doch auch Hanna ist eifrig bei der Sache. Sie faltet Biomülltüten aus Zeitungspapier oder mischt selbst Naturkosmetik zusammen. Dass sie sich so fürs Thema interessiert, habe maßgeblich mit Greta Thunberg und den Fridays for Future zu tun, sagt Hanna. Sie selbst war dreimal bei den Freitagsdemonstrationen. „Viel mehr Leute beschäftigen sich jetzt damit.“ Wobei einige ihrer Mitschüler keinen Sinn für die Müllvermeidung hätten, sagt sie. „Ich versuche, sie nicht zu belehren.“ Heißt aber auch nicht, dass sie zu allem schweigt. Wenn die Freundin bei der Eisdiele einen Becher bestellt, „dann sage ich schon: Nimm doch eine Waffel.“

Kontakt zur Familie:

Wer sich mit der Familie zum Thema Plastikverzicht austauschen möchte, kann sich bei Holger Bruch telefonisch melden. Seine Nummer lautet 0176/42 67 28 77.

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