Plüderhäuser Theatersommer Ein Neustart mit Romeo und Julia

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Wolfgang Kammer zeigt in Plüderhausen die vielleicht berühmteste Tragödie aller Zeiten in einer Version für einen Spieler und elf Figuren. Die Aufführungen finden unter freiem Himmel statt.

Wolfgang Kammer betont die schwärmerische Seite von Romeo (links) Foto:  
Wolfgang Kammer betont die schwärmerische Seite von Romeo (links) Foto:  

Plüderhausen - Nein, das Coronavirus ist ausnahmsweise einmal nicht der Grund. Weder dafür, dass es einen Plüderhäuser Theatersommer unter freiem Himmel gibt, noch dafür, dass Wolfgang Kammer allein auf der Bühne steht. Der Theatersommer, „er ist ein Kind der Remstal-Gartenschau“, erzählt Kammer, der vor 13 Jahren das Theater hinterm Scheuerntor in Plüderhausen gegründet hat und das neue Open-Air-Format auch nach dem Grünevent weiterführen wollte. Weil es für den diesjährigen Theatersommer aber anders als im vorigen Jahr keinen Zuschuss gab, wollte der 63-Jährige nunmehr ein Stück mit Figuren inszenieren.

Warum die Wahl auf William Shakespeares Klassiker „Romeo und Julia“ fiel? Im vergangenen Spätsommer erlebte Wolfgang Kammer, wie der Blitz in das Hotel einschlug, in dem er gerade Urlaub machte. „Julia vergleicht die Liebe mit einem Blitz und so habe ich angefangen, mich gedanklich mit dem Stück zu beschäftigen.“ Und tatsächlich, so erzählt Wolfgang Kammer, wurden die Dramen Shakespeares bereits im 17. Jahrhundert und auch im deutschsprachigen Raum mit Marionetten aufgeführt – dann nämlich, wenn die englischen Wandertheater-Gruppen ihre Schauspieler in wirtschaftlichen Notlagen nicht bezahlen konnten.

Der eigen Reiz von Romeo und Julia als Figurentheater

Der Reiz, die Liebesgeschichte von Romeo und Julia mit Figuren zu erzählen, liegt für Wolfgang Kammer in der Notwendigkeit, zuzuspitzen – „alles ein bisschen klarer zu machen.“ Zum einen hat er das Stück auf 90 Minuten gekürzt und dabei eine reduzierte Fassung erarbeitet. Zum anderen bedingen es die Figuren, dass manche ihrer Wesenszüge ganz besonders betont werden. Sein Romeo beispielsweise trägt einen extrem verklärten Gesichtsausdruck.

„Ich finde es total spannend: für die meisten sind Romeo und Julia der Inbegriff eines romantischen Liebespaars“, sagt Kammer. Dabei schwärme Romeo zu Anfang des Stücks von einer ganz anderen Frau – und zwar in genau den gleichen Tönen, wie wenig später von Julia. Die Tiefe, die Ernsthaftigkeit der Liebe, sie wird von Wolfgang Kammer noch aus einem anderen Grund bezweifelt: „Die beiden haben sich noch nicht gesehen, geschweige denn etwas Substanzielles miteinander geredet, als sie schon die Hochzeit beschließen.“

Warum Shakespeares Stück überraschend modern ist

Dass der Tod der beiden seinen Grund weniger im tragischen Schicksal, sondern vielmehr im unglücklichen Zufall in Form eines nicht rechtzeitig ankommenden Briefes liegt, passt für Wolfgang Kammer ganz in diese Linie hinein. „Sogar die Beichte stellt nur einen Trick da, mit dem Liebespartner in Kontakt zu kommen. Eine Transzendenz gibt es nicht“, sagt Kammer. Vielmehr eine Diesseitigkeit, welche die Modernität Shakespeares ausmache.

Wolfgang Kammer hat die Figuren selbst gebaut und dabei darauf Wert gelegt, dass sie zur Reduziertheit des Stückes passen: Anstatt opulenter Kostüme tragen sie bemalte Stoffe. Für ihn war das Stück in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. „Die Textmenge war beachtlich“, sagt Kammer, der im Stück selbst als Narr auftritt – und als solcher in die Geschichte einführt und immer wieder Brücken schlägt zwischen den Szenen. Ein Narr in der berühmtesten Tragödie aller Zeiten? „Ein solcher kam bei Shakespeare eigentlich immer vor“, sagt Kammer, dem der Volkstheatercharakter wichtig ist.

45 Zuschauer dürfen im Hof Platz nehmen

Um nun doch noch mal zum Coronavirus zurückzukommen: Wolfgang Kammer freut sich, in dieser theaterarmen Zeit auf der Bühne zu stehen und vor den rund 45 Zuschauern im lauschigen Hof zu spielen: „Und ich bekomme auch Rückmeldungen von Besuchern, dass sie wieder froh sind.“

Termine: Im Rahmen des Plüderhausener Theatersommers zeigt Wolfgang Kammer „Romeo und Julia“ jeweils um 20.30 Uhr am 3.,4.,10.,11.,16.,17.,18.,23.,25.,30. und 31. Juli sowie am 1. August. Die Open-Air-Bühne steht an der Hauptstraße 11. Weitere Termine gibt’s im Internet.




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