Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl Wohin mit dem Einzelhandel in Schönaich?
Wohnbau auf dem Honeywell-Gelände, Discounter auf dem Horn-Areal; in Schönaich gibt es spannende Themen, wie eine Podiumsdiskussion zur anstehenden Kommunalwahl zeigt.
Wohnbau auf dem Honeywell-Gelände, Discounter auf dem Horn-Areal; in Schönaich gibt es spannende Themen, wie eine Podiumsdiskussion zur anstehenden Kommunalwahl zeigt.
Mit mehr als 150 Zuhörerinnen und Zuhörern fast bis auf den letzten Platz gefüllt waren die Reihen in der Zehntscheuer bei der Wahldebatte der Schönaicher Gemeinderatskandidaten am Mittwochabend. „Wir wollen sehen, was in Schönaich passiert“, begrüßte Gerard Klett, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins Schönaich (GHS), auf dessen Initiative die Veranstaltung zustande gekommen war, die Anwesenden und erinnerte daran, dass bei einer ähnlichen Debatte zur vergangenen Kommunalwahl vor fünf Jahren gerade einmal 40 Bürger Interesse bekundeten.
Besonders drei Themengebiete mit Fokus auf die Förderung der Wirtschaft in Schönaich hatten sich die Organisatoren auserkoren: Gewerbepolitik, Infrastruktur und nachhaltige Entwicklung. Jeweils maximal vier Minuten durften die Vertreter von AfD, Bündnis 90/Grüne, CDU/FWV, FDP/UWG und SPD zu jedem Thema sprechen, bevor Moderator Jan-Philipp Schlecht versuchte, mit Nachfragen weitere Unterschiede zwischen den Parteien herauszuarbeiten, um den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern eine echte Entscheidungshilfe für die Kommunalwahlen am 9. Juni zu liefern.
In abwechselnder, ausgeloster Reihenfolge kamen bei der FDP Alfred Haas und Marcus Quintus, bei Bündnis 90/Grüne Birgit Glaser und Klaus Feuersänger, bei der AfD aufgrund der Erkrankung von Mitbewerberin Alexandra Vetter stets Volkmar Kirres und bei CDU/FWV und SPD wechselnde Gemeinderatskandidatinnen und –kandidaten zu Wort. Besonderen Applaus erhielten oft die Beiträge von CDU/FWV, die nicht nur mit dem deutlich jüngsten Team auftraten, sondern offensichtlich auch die stärkste Anhängerschaft im Saal versammelt hatten. Wenig zielführend war dagegen ein kurzer Exkurs aus den Reihen der CDU in Bezug auf Extremisten in der thüringischen AfD. „Wir wollen heute über Schönaich sprechen“, lenkte Jan-Philipp Schlecht die Diskussion wieder in geordnete Bahnen.
Beim ersten Punkt Wirtschaftsförderung sprachen sich alle Vertreter auf dem Podium für eine aktive Ansiedlungspolitik neuer Betriebe und Firmen unterschiedlicher Größe im Gewerbegebiet aus. „Klasse, was sich im Industriegebiet in den letzten zwei Jahren getan hat“, lobte Thomas Ratz für die SPD. „Wir brauchen keinen Leerstand, sondern eine lebendige Gemeinde“, will Roger Giangrande von der CDU den Fokus aber durchaus auch auf die Ortsmitte legen. Nicht zuletzt, um die Schönaicher Gewerbesteuereinnahmen weiter oder sogar verstärkt sprudeln zu lassen.
Vor diesem Hintergrund konnte es sich Norbert Weinmann nicht verkneifen, neben der allgemein gutgeheißenen Investition in Schulen und Kindergärten an den Haushaltskonsolidierungsantrag von CDU/FWV vom Januar zu erinnern. „Eine Haushaltsplanablehnung hätte zu Stillstand geführt“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auf den schlechten Zustand der Straßen verwies FDPler Marcus Quintus und damit darauf, dass Investitionen auch an anderer Stelle notwendig sind. Zustimmung erntete die Grüne Birgit Glaser mit ihrer Forderung nach dem Ausbau des ÖPNV, Stirnrunzeln bei den meisten im Saal dagegen mit ihrer Anmerkung, dass sie neben einer Schienenanbindung Schönaichs auch von einer Seilbahn hinauf zum Rauhen Kapf so wie in Zürich oder Frankfurt träume.
In der nachhaltigen Ortsentwicklung spielt für alle Parteien das neu zu bebauende Honeywell-Areal eine zentrale Rolle. Aufenthaltsqualität, preisgebundener Wohnbau, aber vor allem die Ansiedlung neuer Ärzte oder Gastronomie wurden parteiübergreifend genannt. Einen Nerv im Flecken traf offenbar AfDler Volkmar Kirres, der ansonsten mit jeweils eher kürzeren Statements unauffällig blieb, mit seiner Bemerkung, das Entengassenfest wieder an seinem traditionellen Ort und nicht zwischen Rathaus und Gemeindehalle stattfinden zu lassen. „Wenn die Organisation steht, sind wir sofort dabei“, insistierten die Grünen. Für „Ideen aus Schönaich selber und nicht von Externen“, sprach sich Katrin Beranek von der CDU ganz allgemein gegen „teure Berater“ und für eine „starke Bürgerbeteiligung“ aus.
Während oft in vielen Punkten Einigkeit unter den beteiligten Gemeinderatskandidaten aller Parteien herrschte, so brachte dann die ‚Nachspielzeit’ doch noch eine kontroverse Debatte zum Thema einer möglichen Lidl-Ansiedlung auf dem Horn-Areal. „Wie stehen die Parteien dazu?“, wollte eine Fragerin aus dem Publikum wissen. Grundsätzlich spräche nichts dagegen, ließ die CDU verlauten, „das Gebiet ist Industriegebiet“, meinte die SPD, während die Grünen betreutes Wohnen dort auf den Prüfstand stellen wollen.
Allgemeines Bedauern bei allen daran im Gemeinderat Beteiligten löste die bislang nicht zustande gekommene Bebauung anstelle des ehemaligen Kaufhauses Binder an der Wettgasse direkt in der Ortsmitte aus. „Dieses Kernstück unseres Ortes verdient eine qualifizierte Bebauung“, ließ stellvertretend die SPD verlauten. Ebenso für alle sprach der Grüne Klaus Feuersänger mit seiner abschließenden Bemerkung, dass er sich eine solch rege Teilnahme der Bevölkerung wie am Mittwoch auch bei mancher öffentlichen Gemeinderatssitzung gerne wünsche.