„Pokémon Go“ in Stuttgart Wo man besser keine Monster jagt

Von hsp/aks 

Einige Pokémon-Go-Spieler vergessen bei ihrer aufregenden Pokémon-Jagd, dass sich nicht alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen zum Pokémon fangen eignen. An folgenden Orten sollte man sich mit der Jagd zurückhalten.

Eine Pokémon-GO-Spielerin ist auf der Suche nach seltenen Pokémon. Aber nicht alle öffentlichen Plätze eignen sich für die Jagd. Foto: Getty Images
Eine Pokémon-GO-Spielerin ist auf der Suche nach seltenen Pokémon. Aber nicht alle öffentlichen Plätze eignen sich für die Jagd. Foto: Getty Images

Stuttgart - Stuttgart ist im „Pokémon-Go“-Fieber. Am Neuen Schloss, vor der Oper, am Marienplatz, in der Wilhelma – überall gehen Gruppen junger Leute auf Monsterjagd. Und machen mitunter auch nicht Halt vor Krankenhäusern oder Friedhöfen. Im Ausland hat dies bereits für Ärger gesorgt, weil Pokémon-Fans beispielsweise in geschlossene Krankenhausbereiche vordrangen, neben Gräbern Monster jagten oder mit dem Smartphone in der Hand über Gedenkstätten schlichen. Wie sieht das in Stuttgart aus? Wir haben fünf Orte gesammelt, an denen man besser nicht unbedarft Monster jagen sollte.

1. Gedenkstätten

Theoretisch ist es an so ziemlich jedem öffentlichen Ort möglich, virtuelle Pokémon-Monster zu fangen – auch an Gedenkstätten. Nicht nur in den USA sorgte das bereits für viel Ärger. Das Holocaust-Museum in Washington D.C. forderte Spieler dazu auf, die Monsterjagd an diesem Ort zu unterlassen. Einige Museumsbesucher – das zeigt der obige Tweet – hatten dies wohl nicht getan. Auch die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz sowie mehrere Holocaust-Gedenkstätten in Deutschland baten um Rücksicht – und forderten die Macher der App dazu auf, die Stätten aus dem Spiel zu entfernen. Laut Spiele-Entwickler Niantic sind die sogenannten „Pokéstops“ des Spiels – also Orte, an denen es besonders viel zu holen gibt – an allen öffentlich zugänglichen Orten platziert worden. Unangemessene Orte müssen erst gemeldet werden.

In Stuttgart wurden Zwischenfälle mit herumirrenden Monsterjägern an Gedenkstätten bislang nicht bekannt – weder von der Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Alten Schloss, noch von der Gedenkstätte am Stuttgarter Nordbahnhof, wo an 2600 während der NS-Zeit von hier aus in verschiedene Konzentrationslager deportierte Juden erinnert wird. „In Gedenkstätten wäre Jubel über den neuesten Monsterfang schlicht deplatziert“, sagt ein Sprecher vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

2. Friedhöfe

„Friedhöfe sind auch lebendige Orte“, sagt Volker Schirner, Leiter des Stuttgarter Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Besucher seien dort willkommen, auch jene, die auf ihren Handys Spiele spielen. „Auch für Nutzer von Smartphones gelten allerdings Regeln des Anstands“, so sagt Schirner: „Wichtig ist, dass Trauer und Betroffenheit nicht gestört werden.“

Beschwerden über pietätslose Monsterjäger habe es auf den Stuttgarter Friedhöfen bislang noch keine gegeben, heißt es auch vonseiten der Stadt. Ob man nun tatsächlich direkt neben einem Grab ein Pokémon fangen muss, ist wohl dennoch streitbar. Übrigens, sagt der Administrator der Stuttgarter Pokémon-Go-Facebookgruppe, gebe es Pokémon-Geister nicht wie viele Fans wohl annehmen speziell auf dem Gelände von Friedhöfen, sondern vor allem nachts.

 

3. Krankenhäuser

Mit Krankenhäusern ist das wohl so eine Sache. Mitglieder der Stuttgarter Pokémon-Go-Facebookgruppe hatten die Idee, möglichst viele Mini-Monster in die Nähe der Stuttgarter Krankenhäuser zu locken, damit kleine Patienten sozusagen vom Krankenbett aus Pokémons jagen können. Doch Monsterjäger haben mancherorts schon für viel Ärger gesorgt, weil sie auf der Suche nach den Tieren in Krankenhäuser gelaufen sind – und zwar auch in nichtöffentliche Bereiche.

„Das ist sicher gut gemeint“, sagt eine Sprecherin des Olgahospitals zu der Idee. Es sei tatsächlich bereits jetzt so, dass Pokémons ins Olgahospital gelockt würden. „Bei aller Freude am Spielen ist das Olgahospital aber ein Krankenhaus, in dem kranke Kinder und Jugendliche behandelt werden. Es ist daher nicht als Platz für die Jagd auf Monster geeignet“, so die Sprecherin. Vor allem, wenn auf einmal fremde Leute durch die Stationen laufen und so den Betrieb stören, hätte das schließlich Konsequenzen für die Patientenversorgung.

4. Museen

Während einige Museen – beispielsweise das „Museum of Modern Art“ in New York – den Pokémon-Hype für sich zu nutzen versuchen und junge Monsterjäger gezielt in ihre Ausstellungen locken, sehen andere die virtuelle Monsterjagd in ihren Räumlichkeiten nur ungern. „Da wir allen die Chance geben möchten, die Ausstellung im Haus der Geschichte mit den eigenen Augen anzusehen und nicht durch einen Bildschirm, sekundiert von bunten Monstern, bitten wir unsere Besucher, die Handys in der Tasche zu lassen“, heißt es beispielsweise aus dem Haus der Geschichte in Stuttgart. „Eine Schulklasse mussten wir deshalb bereits leider enttäuschen“, so der Sprecher des Hauses. Es sei zwar verlockend, Leute mit „Pokémon Go“ zu ködern, in die Ausstellungen zu kommen. „Aber ob sie dann von dem Museumsbesuch außer Bisaflor, Evoli oder anderen Pokémons noch etwas mitnehmen, ist äußerst fraglich.“

5. Auto

Klar, das Thema Handy im Straßenverkehr sollte hier nicht fehlen. Vielleicht auch ein Thema, das eigentlich nicht erklärt werden müsste, doch immer häufiger ist Ablenkung durch die Smartphone-Nutzung mittlerweile Ursache für Verkehrsunfälle. Bei jedem zehnten Unfall spielt Ablenkung laut einer Studie des ADAC inzwischen eine entscheidende Rolle.

„Handys sind im Straßenverkehr nicht erlaubt“, sagt auch ein Sprecher der Stuttgarter Polizei. Egal ob Fahrrad- oder Autofahrer, ob „Pokémon Go“ oder der Nachrichtendienst WhatsApp: Wer das Handy am Steuer nutzt, bei laufendem Motor, zahlt 60 Euro Strafe und kassiert einen Punkt in Flensburg. Immerhin, man bemerke in Stuttgart zwar, dass mehr Leute mit Smartphones in der Hand in der Stadt unterwegs sind, sagt der Polizeisprecher – Vorfälle, bei denen jemand zu Schaden kam, gab es aber bislang keine.




Unsere Empfehlung für Sie