Politischer Aschermittwoch Wie die CSU im Machtkampf mitsprechen will

Der CSU-Chef Markus Söder will in der K-Frage ein wichtiges Wort mitreden. Foto: dpa/Peter Kneffel

Beim politischen Aschermittwoch in Passau erklärt der Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, er wolle in Bayern bleiben – aber bei der Kanzlerkandidaten-Frage in Berlin entscheidend mitreden.

Passau - Es scheint alles so vertraut wie immer. Die Passauer Dreiländerhalle voll, die ersten Maßkrüge um zehn Uhr morgens geleert und in Endlosschleife der „Bayerische Defiliermarsch“, der dem Oberhaupt des Freistaats vorbehalten ist. Markus Söder und sein CSU-Tross ziehen ein zum „größten Stammtisch der Welt“. Doch bei Söders Rede wird deutlich, der Politische Aschermittwoch 2020 findet in einem Zeitloch statt.

 

Dass Kommunalwahlen in Bayern bevorstehen, fällt dem CSU-Chef erst in seinen letzten Sätzen ein. Die doppelte Personalfindung innerhalb der Union – für CDU-Führung und Kanzlerkandidatur – läuft ohne die CSU ab. Zur Groko, die Söder zu Jahresbeginn unter großem Wortwirbel verjüngen und personell erneuern wollte, lässt sich aktuell offenbar nichts sagen. So bleibt dem CSU-Chef in seinen mäßig umjubelten 68 Passauer Minuten nicht viel übrig, als Bekanntes zu wiederholen – oder Wartezüge auszuführen, wie man das beim Schach nennen würde.

Söder: Deutschland braucht einen Bayern

Unter diesen aber klingt zumindest sein Bayern-Bekenntnis eindeutig, auch wenn unklar bleibt, ob das den Fans gefällt oder nicht. „Deutschland braucht einen Bayern“, ruft Söder unvermittelt. Dann legt er eine Kunstpause ein, in der alle schon denken dürfen, er rufe sich jetzt gleich zum Kanzlerkandidaten aus. Doch dann sagt er ab: „Ich stehe hier als Ministerpräsident. Ich kann nicht anders, ich will nicht anders; es hat auch ganz schön lange gedauert, bis ich hier stehen durfte.“ Dann setzt er nach: „Mein Platz ist in Bayern, nicht in Berlin.“

Er helfe in der Union ja mit, wo er könne; Streit mit der CDU soll es nicht mehr geben und auch nicht mit deren künftigem Führungspersonal. Die Namen Laschet, Merz, Röttgen, Spahn nennt Söder nicht eigens. Alle seien hochkompetente Persönlichkeiten. Die CSU könne mit jedem zusammenarbeiten, er mische sich da nicht ein. Bei der K-Frage allerdings schon: „Ohne die CSU wird es keinen Kanzlerkandidaten geben“, sagt Söder. Da fordert er „Augenhöhe“ mit der großen Unionsschwester ein.

Warnung vor dem „grünen Sozialismus“

Söders Pointe ist aber eine andere, und der rote Faden, der sich durch seine ganze Rede zieht, ist grün. Einen Grünen-Bundeskanzler, ruft er im Staccato in die Menge, „den wollen wir nicht“. Auch wenn sich Söder radikal von den politischen Rändern abgrenzt, von dem „braunen Gift“ der AfD, das bereits in Richtung Grundwasser sickere, und (mit Blick auf Thüringen) von den Linken, die sich niemals distanziert hätten von „Mauer, Stasi, Stacheldraht der DDR“ – auch wenn er mit beiden keinerlei gemeinsame Sache machen will: Hauptgegner der CSU bleiben die Grünen. „Grüner Sozialismus“ sei, was die Partei fordere. Söder schickt eine Warnung an allzu liberale Parteikreise hinzu: Wer von Schwarz-Grün träume, sagt er, wache mit Rot-Rot-Grün auf.

Weitere Themen