Polizei kontrolliert Gaststätten im Stuttgarter Norden Nicht jedes Kasino hält sich an die Spielregeln

Bis nach Mitternacht waren die Polizisten in Gaststätten und Spielkasinos unterwegs. Sie haben  geprüft, ob sich Wirt und Betreiber  an die gesetzlichen Vorschriften halten. Foto: Marta Popowska Foto:  
Bis nach Mitternacht waren die Polizisten in Gaststätten und Spielkasinos unterwegs. Sie haben geprüft, ob sich Wirt und Betreiber an die gesetzlichen Vorschriften halten. Foto: Marta Popowska

Vier Einsatztrupps der Polizei haben am Freitag in Zuffenhausen, Rot, Neugereut und Mühlhausen insgesamt 22 Gaststätten und Spielkasinos unter die Lupe genommen. Für manchen Wirt und Kasino-Betreiber wird es nun teuer.

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Stuttgarter Norden - Es ist 17 Uhr, Einsatzbesprechung im Polizeirevier 7 in Zuffenhausen: Einsatzleiter Gunnar Tank gibt den Frauen und Männern letzte Instruktionen. Acht Stunden Arbeit liegen vor den vier Trupps, die von Zollbeamten und Mitarbeiterinnen der Gaststätten- und Gewerbebehörde unterstützt werden. Jugendschutz, Sozialversicherungsbetrug, Konzessionen, hygienische Zustände oder Schwarzarbeit erfordern nicht nur Expertenwissen, sondern fallen auch in unterschiedliche Zuständigkeiten. Bewaffnet mit dicken Ordnern rücken sie aus. An jeder Adresse werden sie Genehmigungen prüfen und auf Kontrollbögen penibel eintragen, ob Wirt oder Betreiber sich an die gesetzlichen Vorschriften halten. Vom Drogendezernat kam zudem der Hinweis, dass in einer Zuffenhäuser Bar auf den Toiletten gekokst würde. Ein klarer Fall für Polizeihauptkommissar Gunnar Tank, auch diesem Laden einen Besuch abzustatten.

Als zwei der Trupps kurz vor 18 Uhr an ihrem ersten Stopp in Mühlhausen ankommen, sind die vier zusammengehörenden Kasinos in Mühlhausen gut besucht. Es riecht nach Zigaretten und Kaffee. Der Teppich ist weich und mit Sternen bedruckt. Grüne, violette und blaue LED-Lampen hüllen die Räume in eine düstere Discoatmosphäre. Man verliert hier schnell das Gefühl für Raum und Zeit.

Kontrollieren, messen und fotografieren

Als auf den ersten Blick alles vorbildlich wirkt und die Unterlagen vollständig scheinen, rückt ein Trupp wieder ab. Kurz darauf sagt eine Beamtin lachend: „Hätten wir die bloß nicht weggeschickt.“ Die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände zwischen den Automaten als auch die Länge der Trennwände zwischen diesen scheinen nicht zu stimmen – und das bei allen 48. Nun heißt es: Messen und Fotografieren. „Das muss gerichtsbelegbar dokumentiert werden. Nur ausmessen allein reicht da nicht“, sagt Einsatzleiter Tank. Dass die vier Kasinos wie aus einem Guss wirken, liegt daran, dass es sich um denselben Betreiber handelt. „Das Gesetz erlaubt zwölf Spielautomaten in einem Kasino“, erklärt Tank. Um wie hier 48 aufzustellen, hat der Betreiber vier Kasinos daraus gemacht. Gesetzeskonform hat jedes einen separaten Eingang. Auch sind sie für die Kundschaft nicht miteinander verbunden. Lediglich das Personal kann vom zentral stehenden Tresen aus die Räumlichkeiten wechseln. In einem Flur stehen sechs ausrangierte Spielautomaten. „Das ist nicht erlaubt“, erklärt eine Beamtin. Theoretisch könne man die jederzeit anschließen.

„Die Geschichte ist wenig spektakulär. Oft geht es um Formalien“, sagt Tank. Dennoch würde gerade nach Spielhallenkontrollen am meisten hängen bleiben. Laut Tank musste im vergangenen Jahr gar eine schließen. Er weiß: Würde man die Kontrollen nicht durchführen, würden sich Betreiber wohl noch weniger an die gesetzlichen Spielregeln halten.

Einmal im Jahr ist Großeinsatz in den Kasinos

Einmal im Jahr macht das Revier 7 die groß angelegte Kontrolle. „Solche Einsätze sind sehr aufwendig in der Planung“, erklärt Polizeioberkommissar Markus Klatovsky. Die Schwierigkeit liege vor allem darin, die Kräfte aus den anderen Behörden zu einem gemeinsamen Termin zu bekommen. Die Initiative geht auf Klatovsky zurück. Nur wenige Reviere führen solche Einsätze durch. Abgesehen von der Stuttgarter Innenstadt gibt es sie auch in Bad Cannstatt.

Wie zäh die Kontrollen sind, erleben die Beamten auch bei ihrem nächsten Stopp am Zuffenhäuser S-Bahnhof. Eine Blondine mit Pferdeschwanz ist die einzige Verantwortliche in der Spielothek. Die Kroatin ist nach eigenen Angaben erst seit Februar hier angestellt. Mühsam ist die Abfrage ihrer Personalien. Sie hat keinen Ausweis dabei und spricht kaum Deutsch.

Während die Staatsdiener ihrer Arbeit nachgehen, lassen sich – wie überall – auch hier die Gäste nicht stören. Eine junge Frau im lachsfarbenen Top und in modischen Sandalen haut wie fremd gesteuert auf die Tasten. Routiniert bedient sie abwechselnd zwei nebeneinander stehende Geldspielautomaten. „Eine typische Spielerin“, kommentiert einer der Beamten. Früher bedienten Spieler gerne mal vier Maschinen in einer Reihe gleichzeitig. Heute dürfen nur zwei nebeneinander stehen. Eine Trennwand muss die nächsten zwei abschirmen. So will das Gesetz die Sucht im Zaum halten.

Als ein anderer der vier Trupps kurz vor Mitternacht die vermeintliche Kokser-Bar betritt, steuern zwei Beamte zielgerichtet die Toiletten an. Die schwarzen Einmalhandschuhe haben sie bereits übergestreift. Doch an diesem Abend finden sie weder koksende Gäste noch Hinweise auf Drogenkonsum vor. Dennoch ist die Ausbeute kurz nach Mitternacht beträchtlich: „Insgesamt haben wir 129 Verstöße verzeichnet“, sagt Tank. 91 Verstöße gegen das Landesglücksspielgesetz gehen auf das Konto der Spielkasinos. Das seien mehr, als beim letzten Mal, sagt Tank. „Das hat uns doch überrascht.“ Schließlich würden die Betreiber die Gesetze kennen. Und so werden die Kontrolltrupps auch im kommenden Jahr wieder ausrücken.




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