Pop in Stuttgart 50 Cent je Ticket

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Markus Reichle erklärt, dass er lokalen Supportbands pro verkauftem Ticket einen Anteil abgibt, in der Regel um die 50 Cent. Bei Wolf Mountains habe man darauf verzichtet, weil besagter Werbeeffekt so kurz vor dem Konzert nicht mehr zu erzielen war. Dafür habe er zugesagt, der Band bei einem späteren Konzert einen weiteren attraktiven Support-Auftritt zu verschaffen. "Für die meisten lokalen Bands ist Musik ein Hobby. Da ist es doch fair, sie prozentual an den Ticketverkäufen zu beteiligen", sagt Reichle. Zumal die Konzerte wirtschaftlich oft so knapp kalkuliert seien, dass es wenig oder gar kein zusätzliches Geld zu verteilen gebe. Bei einigen Konzerten machten Veranstalter Verluste, die sie mit anderen Konzerten mit guten Ticketverkäufen ausgleichen.

Bei dem für die Förderung der hiesigen Musikwirtschaft zuständigen Popbüro wirbt man um Verständnis für gewinnorientierte Veranstalter von kleineren Konzerten wie Radio Clash. Sarah Beilharz vermittelt oft Stuttgarter Bands als Support. "Eine lokale Band mit ins Programm zu nehmen, bedeutet teilweise ziemlich viel Stress für die Veranstalter", sagt Beilharz. So müssten lokale Vorbands oftmals erst gegenüber dem Veranstalter der Gesamttournee durchgesetzt werden Die lokalen Bands, sagt Beilharz, locken oft gar nicht so viele zusätzliche Besucher zu den Konzerten. Außerdem entstünden Kosten, weil etwa der Tontechniker für eine längere Zeit bezahlt und mehr Verpflegung eingekauft werden müsse.

Im Popbüro empfiehlt man Bands, abzuwägen: zwischen einer fixen Gage und einer - Achtung, Betriebswirtschaftler-Deutsch - Umwegrentabilität. Ob man also für Auftritt mit einer bekannteren Band, den damit verbundenen Werbeeffekt und Prestigegewinn nicht auf eine Gage verzichten könne. 

Wie viel gibt das Budget her?

Ob man für lau arbeiten soll, ist die eine Frage. Die andere: ob Konzertveranstalter wirklich so knapp bei Kasse sind. Einige Stuttgarter Musiker äußerten sich am Montag gegenüber stuttgarter-zeitung.de so: Die Kalkulation und die Einnahmen gäben es durchaus her, dass man den lokalen Bands eine Gage zahle - und sei die auch nur symbolischer Art.

"Was ist Musik wert? Das, was die Leute dafür zu zahlen bereit sind ... nämlich nicht mehr viel", sagt der Stuttgarter Singer-Songwriter Markus Söll. Und ein anderer: "Allerdings sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Supportbands eine zumindest symbolische Gage ausgezahlt wird. Dies ist bei anderen Konzertveranstaltern in Stuttgart meines Wissens eben auch eine Selbstverständlichkeit." Drittes Statement: "Allerdings sollte Radio Clash um einiges respektvoller gegenüber Bands auftreten, die bereit sind für umsonst zu spielen. Zum Beispiel mit dem besten Catering der Welt oder so ..."

Ein offenes Geheimnis der Branche ist es, dass die lokalen Veranstalter bei Europatourneen in der Regel am kürzeren Hebel sitzen. Der Konzertveranstalter Berthold Seliger hat das in seinem Buch "Das Geschäft mit der Musik" so aufgeschrieben. Nur eine Gruppe steht in der Hierarchie dieses Geschäfts noch weiter unten: die Musiker, und unter diesen ganz besonders die weniger prominenten.




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