Pop in Stuttgart Soll man komplett für lau auftreten?

Von  

Und doch bleibt die Frage, ob Bands - so unbekannt sie auch sein mögen - sich wirklich komplett für umme auf die Bühne stellen sollen. In aller Regel gilt für Stuttgart: Wenn ein Konzert veranstaltet wird, für das die Besucher Eintritt bezahlen, spielt keine Band für null Euro. Zumindest einen symbolischen Betrag bekommt jede Combo. Der Konzertveranstalter Michael Schmidt von Stuttgart Rock Promotion zahlt laut eigenen Angaben mindestens fünfzig Euro Spritgeld je Auftritt und "wenn es gut läuft, auch mal 150 oder 200 Euro". 

"Eng ist es mit der Finanzierung manchmal schon", erzählt Schmidt, "aber es ist eine Sache von Respekt, der Band zumindest ein bisschen Geld zu geben. Ob ich jetzt fünfzig Euro mehr Miese mache, ist dann auch wurscht." In manchen Fällen verzichte die Band auch auf die fünfzig Euro und bekomme im Gegenzug einen weiteren Support-Auftritt.

Zehn Euro pro Bandmitglied

Auch wenn es am Samstag beim Wolf-Mountains-Konzert anders lief: Am guten Willen der Veranstalter scheint die Gage für lokale Bands nicht zu scheitern. Allerdings zeigen die Mini-Gagen, die in der Regel bezahlt werden, wie wenig bei denen hängenbleibt, die tatsächlich das Programm des Abends gestalten. Es kann leicht passieren, dass ein einzelnes Bandmitglied zehn Euro für einen ganzen Abend bekommt.

Der Wolf-Mountains-Bassist Thomas Zehnle hätte für den Auftritt seiner Band im Goldmark's 150 Euro als Gage okay gefunden. "Bei den kleinen, unkommerziellen Veranstaltern ist es ja was anderes, wenn die Band nichts bekommt. Aber bei solchen Konzerten, wo das Ticket teuer und der Laden voll ist, haben die großen Bands ihre Gage fix und für die Kleinen bleibt nichts übrig", sagt Zehnle.

Und es geht noch schlimmer

"Diese Mini-Gagen und auch die Gratis-Auftritte werden zu Recht angeprangert", findet Sarah Beilharz vom Popbüro, "aber sie sind nicht allein den Konzertveranstaltern anzulasten". Vielmehr komme es sogar vor, dass kleinere Bands sich bei größeren einkaufen müssen. "Buy-on" nennt sich dieses Modell, bei dem die unbekanntere Band der bekannteren Geld dafür bezahlt, dass sie mit auf Tour gehen darf. 

Spätestens, wenn Stuttgarter Bands für einen Support-Auftritt in ihrer Stadt zahlen sollen, droht wohl der nächste Facebook-Post.




Unsere Empfehlung für Sie