Pop in Stuttgart Wie viel ist eine Vorband wert?

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Unter Musikern und Konzertveranstaltern in Stuttgart ist eine heftige Diskussionen entbrannt: Wie viel sollte eine lokale Band bekommen, die als Support vor bekannten Musikern spielt?

Die Stuttgarter Band Wolf Mountains hat am Samstagabend zwei Konzerte gespielt: Als Vorband von King Khan im Goldmarks und später im Schauspielhaus, wo dieses Foto entstand. Foto: Plavec
Die Stuttgarter Band Wolf Mountains hat am Samstagabend zwei Konzerte gespielt: Als Vorband von King Khan im Goldmark's und später im Schauspielhaus, wo dieses Foto entstand. Foto: Plavec

Stuttgart - Manchmal braucht es einfach deutliche Worte, um eine Diskussion anzustacheln. Ohne Wertung bezüglich der Wortwahl sei deshalb hier zitiert, was die Betreiber der nach dem Esslingen-/Stuttgart-Pop-Sampler benannten Facebook-Seite "Von Heimat kann man hier nicht sprechen" am Sonntag gepostet haben:

 


Die Geschichte hinter dem besagten Gig ist schnell erzählt: Am Samstagabend fand das aus dem Universum ins kleinere Goldmark's verlegte, dort ausverkaufte Konzert von King Khan & The Shrines statt. Als Vorband traten die Musiker von Wolf Mountains auf, in der unter anderem der Die-Nerven-Schlagzeuger Kevin Kuhn mitspielt. Die Stuttgarter waren wenige Tage vorher als Vorband bestätigt worden. Die Wolf Mountains spielten also ihr Konzert. An dem Abend fragten sie nach einer Gage und bekamen zu hören, dass null Euro ausgemacht seien. Die Band düste Richtung Schauspielhaus, wo sie zu späterer Stunde ein weiteres Mal auftrat, nämlich zur letzten After-Show von Schorsch Kameruns Konzertinstallation "Denn sie wissen nicht was wir tun". Die drei Stuttgarter erklärten während des Auftritts, sie seien von Radio Clash "abgezockt" worden. Am Sonntag legte das Wolf-Mountains-Umfeld dann mit besagtem Facebook-Post nach.

Nach Angaben des Veranstalters war bereits im Vorfeld vereinbart worden, dass es für den Auftritt kein Geld gebe, sondern nur Gratisgetränke und etwas zu essen - und je nach Kassenlage vielleicht noch ein bisschen was obendrauf, sagt Markus Reichle von Radio Clash. Laut den Musikern von Wolf Mountains wurde über eine Gage vorab gar nicht verhandelt.

Der Konzertveranstalter Markus Reichle zeigte sich am Montag auf Nachfrage betroffen und verwies darauf, dass man sich auf einen Auftritt ohne Gage geeinigt hätte. Wegen der guten Ticketverkäufe habe man der Band nachträglich angeboten, etwas zu den Fahrtkosten zuzuschießen. Der Wolf-Mountains-Bassist Thomas Zehnle sagte am Montag, es sei "naiv von uns gewesen, nicht über eine Gage zu verhandeln. Aber wir sind einfach davon ausgegangen, dass es eine Gage gibt." Zumal das Goldmarks ausverkauft und der Ticketpreis recht ordentlich war. "Man fühlt sich da wirklich vors Gesicht gestoßen", sagt Zehnle, "als Band steckt man so viel Energie in die Musik und dann gibt es an so einem Abend nur trockene Sandwiches."

Der Wert von Musik

Der durch den Facebook-Post an die Öffentlichkeit gebrachte Fall mag kurios und die Wortwahl harsch klingen; doch lenkt das alles den Blick auf ein bisher selten diskutiertes Thema: den Wert von Musik, auch und gerade wenn diese Musik von vergleichsweise unbekannten lokalen Bands gespielt wird - nämlich im Vorprogramm der großen, bekannteren Bands.

Rein wirtschaftlich gesprochen geht der Deal so: Eine lokale Band hat in der Stadt einen gewissen Kreis an Fans, der durch den Auftritt dieser Band im Vorprogramm der Hauptband möglicherweise in den Club gelockt wird.  Dadurch verkauft der Veranstalter mehr Tickets für sein Konzert. Außerdem sind die Leute durch das ausgedehnte Programm länger im Club, wodurch für den Clubbetreiber die Getränkeumsätze steigen. Die Band wiederum kann sich einem neuen Publikum vorstellen und setzt, wenn ihr Auftritt gefällt, am Ende möglicherweise ein paar Tonträger oder T-Shirts ab. Außerdem kann sie sich mit dem Namen des Hauptacts schmücken. Das kann wiederum helfen, neue Auftritte an Land zu ziehen oder bei einem Label unterzukommen.

Die Frage, um die es in der aktuellen Diskussion geht: Wie viel Gage verdient eine lokale Supportband für ihren Auftritt? Und: Wie viel kann der Veranstalter überhaupt bezahlen?