Zugeparkter Pop-up-Radweg in Kaltental Radler fordern, dass die Stadt gegen Falschparker durchgreift

Mit einer Aktion am Dienstagabend haben Mitglieder der Initiative Radentscheid Stuttgart auf den zugeparkten Radweg aufmerksam gemacht. Foto: Radentscheid Stuttgart/privat

Die neuen Spuren für Radfahrende auf der Böblinger Straße in Kaltental sind nahezu fertig – aber noch nicht nutzbar. Der Grund sind etliche Falschparker. Die Wut der Radler ist groß.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Die Empörung in den sozialen Netzwerken ist groß: „Habe ich was verpasst? Schließt der irgendwann und wird wieder als Parkplatz freigegeben?“, lautet einer von vielen Posts auf Twitter. Die Rede ist von dem neuen Pop-up-Radweg an der Böblinger Straße zwischen den Haltestellen Waldeck und Kaltental. In Richtung Vaihingen sind die dicken durchgezogenen weißen Linien, welche die eigene Spur für die Pedaleure markieren, seit einigen Tagen aufgepinselt – aber das scheint den einen oder anderen Autofahrer nicht zu kümmern.

 

Radfahrende berichten, dass die Spur regelmäßig nahezu komplett zugeparkt sei. „Es ist wirklich grausig. Wenn die keine Poller oder Ähnliches aufstellen, ist es eigentlich jetzt viel gefährlicher als früher. Viele Autofahrer verstehen glaub gar nicht, dass das nun ein Radweg und kein Parkplatz mehr ist“, heißt es in einer E-Mail an unsere Zeitung. Indes schreibt die Stadt Stuttgart auf ihrer Internetseite: „Der Radverkehr wird damit auf der Böblinger Straße zwischen der Stadtbahnhaltestelle Waldeck und der Einmündung Schwarzwaldstraße sicher geführt.“

Fertig ist der neue Radweg noch nicht, erklärt die Pressestelle der Stadt Stuttgart auf Nachfrage: Bergauf würden die neuen Schilder zwar bereits stehen und auf den Radweg hinweisen. Die alten Markierungen an Einfahrten, die alten Parkplatzmarkierungen und die Radpiktogramme auf dem bisherigen Schutzstreifen müssten jedoch noch entfernt werden. Danach sollen auf dem neuen Radfahrstreifen die Radpiktogramme aufgemalt werden. Bergab wird der neue Radweg derzeit markiert, weshalb die Böblinger Straße stadteinwärts zwischen Burgstraße und Waldeck gesperrt ist.

Stadt informiert auf kleinen, gelben Zetteln

Was die Falschparker betrifft, setzt die Stadt Stuttgart im Moment noch auf Aufklärung. Sie bekommen kleine gelbe Zettel hinter die Scheibenwischer geklemmt, auf denen steht: „Sie parken auf einem Radfahrstreifen, der in den nächsten Tagen fertiggestellt wird. Bitte entfernen Sie umgehend Ihr Fahrzeug. Der Verwarnungsbetrag für widerrechtliches Parken auf einem Radfahrstreifen beträgt übrigens 55 Euro. Auch Abschleppmaßnahmen sind möglich.“

Thijs Lucas vom Radentscheid Stuttgart fordert, dass die Stadt durchgreift. „Je länger das Parken auf dem neuen Radweg geduldet wird, desto mehr schwindet die Akzeptanz“, so seine Befürchtung. Aus seiner Sicht war die aktuelle Situation ohnehin erwartbar. „Man hätte dafür sorgen müssen, dass genau das nicht passiert. Man hätte es absichern müssen“, sagt Thijs Lucas. Eine zumindest vorübergehende bauliche Abtrennung des Radwegs von der Straße, zum Beispiel mit Baken, wäre seiner Meinung nach sinnvoll gewesen – zumindest so lange, bis die beiden neuen Pop-up-Radwege wirklich fertig sind. „So, wie es aktuell ist, haben wir den Radweg nur auf dem Papier, aber nicht in der Realität“, sagt Thijs Lucas.

Um darauf aufmerksam zu machen, haben Mitglieder der Initiative Radentscheid Stuttgart am Dienstagabend eine Art Flashmob veranstaltet. Sie sind als Gruppe dreimal die Böblinger Straße auf- und abgefahren – wohlgemerkt größtenteils auf der Fahrbahn, denn der neue Radweg sei wieder einmal zugeparkt gewesen, berichtet Thijs Lucas. Dass habe man der Stuttgarter Straßenverkehrsbehörde gemeldet. Diese habe versprochen, dass man sich darum kümmern werde. Doch während der etwa dreistündigen Aktion sei niemand gekommen. „Das regt uns mächtig auf. Wir sind enttäuscht“, sagt Thijs Lucas.

Mehr als 100 Parkplätze sind weggefallen

Doch er findet auch positive Worte: „So ein neuer Radweg auf Kosten von Parkplätzen wäre früher undenkbar gewesen. Wir sehen, dass es in der Stadt Fortschritte gibt.“ Nun müsse man aber aus den Fehlern lernen und es künftig noch besser machen. Auch Tobias Willerding, der Vorsitzende des ADFC Stuttgart, hofft, „dass die Stadt die Sache in den Griff bekommt“.

Die alternativen Parkplätze, die nach Aussage der Pressestelle nach Abschluss der Baumaßnahmen auf dem Grundstück an der Böblinger Straße 447/1 ausgewiesen werden, sollen das Problem zumindest entschärfen, so die Hoffnung der Stadtverwaltung. Obgleich diese bei Weitem kein Ausgleich für die mehr als 100 Parkplätze sind, die mit den neuen Pop-up-Radwegen weggefallen sind.

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