Populäres Hinterteil Popo-Pop: Der Kult ums Gesäß

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Es ist das Jahrzehnt des Popos. Das intime Körperteil ist weit mehr als eine Ansammlung von Muskeln, Sehnen und Fettgewebe. Vor allem der weibliche Po ist Kult und Kunst.

Der „Miss Bumbum Contest“findet jedes Jahr in Brasilien statt. Gesucht werden die schönsten Pobacken des Landes. Siegerinnen wie Dai Macedo dürfen sich ein Jahr lang „Miss Bumbum“ nennen. Foto:   12 Bilder
Der „Miss Bumbum Contest“findet jedes Jahr in Brasilien statt. Gesucht werden die schönsten Pobacken des Landes. Siegerinnen wie Dai Macedo dürfen sich ein Jahr lang „Miss Bumbum“ nennen. Foto:  

Stuttgart - Was haben Steinzeitmenschen und Rapper gemeinsam? Die Vorliebe für üppige Formen. Die Venus vom Hohle Fels, eine sechs Zentimeter große Schnitzerei aus Mammut-Elfenbein, ist mit rund 40 000 Jahren die älteste Darstellung eines Menschen. Sie wurde 2008 bei Ausgrabungen in der Karsthöhle Hohle Fels bei Schelklingen auf der Schwäbischen Alb entdeckt. Die Hüften der Venus sind kräftig, der Bauch ragt vor, das Gesäß ist ausgeprägt. Die Venus erinnert mit ihren Kurven an Reality-TV-Star Kim Kardashian.

„I like Big Butts“

Das beweist: Die Popo-Begeisterung ist zeitlos. In einer Szene der US-Sitcom-Serie „Friends“ singt der Paläontologe Ross Geller seiner neugeborenen Tochter Emma den Kult-Song von Hip-Hopper Sir Mix-a-Lot „I Like Big Butts“ vor. Emmas Mutter Rachel wirft dem Sofa-Macho vor, sexistisch zu sein – bis sie selbst das Lied anstimmt, weil es Emma zum Lachen bringt.

Die in der Busen-versessenen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ins Hintertreffen geratenen Gesäßbacken erleben gegenwärtig eine Renaissance. Im Vergleich zu den Mager-Models der Fashion Weeks wirken die Stars der Popo-Szene wie die Inkarnation weiblicher Fruchtbarkeit und sinnlicher Verführung.

In den USA boomen die Po-Vergrößerungen. Für ein paar Tausend Dollar kann man sich seinen Allerwertesten mit untergespritztem Eigenfett aufhübschen lassen. „Butts are the new Boobs“ – „Hintern sind die neuen Brüste“ – lautet das Credo der Gesäßbacken-Verehrer.

Po-Renaissance

Aber nicht jede Frau will so aussehen wie Kim Kardashian (114,4 Millionen Follower auf Instagram). Die brünette Schönheit hat ihren XXXL-Po dank geschickter Selbstvermarktung zum trendigen Lifestyle-Markenzeichen gemacht. Vorbei die Zeiten, in denen spindeldürre Models mit Bubi-Frisur wie das britische Fotomodell Twiggy in den 1960er Jahren von Magersüchtigen kaum zu unterscheiden waren.

Die Sex-Symbole der 1950er und 1960er Jahre wie Jane Russell, Marilyn Monroe, Gina Lollobrigida, Claudia Cardinale und Raquel Welch feiern heute in Popo-Ikonen wie Jennifer Lopez, Beyoncé Knowles und Kim Kardashian Wiederauferstehung.

„Belfie-Hype

Auch das 24-jährige US-Starlett Jen Selter hat sich mit seinen Reizen nach oben gewippt. Seit 2012 präsentiert die Ex-Studentin aus New York ihren Mega-Po in knallbunten, hautengen Textil-Variationen. Mehr als zwölf Millionen Followern gefällt das Instragrm. Eine Neuauflage der Venus vom Hohle Fels im digitalen Zeitalter.

Jen Selters Fotos zieren soziale Netzwerke und Lifestyle-Magazine wie „Vanity Fair“. Die langmähnige Brünette hat das Kunstwort „Belfie“ – gebildet aus „Butt“ (amerikanisch: Hintern) und „Selfie“ (ein mit dem Handy aufgenommenes Selbstporträt ) – populär gemacht.

„Butts are the new Boobs“

In den 1990er Jahren war man(n) noch fasziniert von den überdimensionalen Silikon-Brüsten einer Pamela Anderson oder Katie Price. „Popöchen“ wie der von Pop-Sängerin Kylie Minogue galten als Maß aller Dinge. Nur in der Rap-Szene bekannte man sich offenherzig zur ausladenen „Regio glutaea“.

Was damals vielen als Ausdruck primitiv-animalischer Höhlenmensch-Gelüste vorkam, ist mittlerweile Kult. Die Rückseite von Latino-Schönheit Jennifer „Jelo“ Lopez ist zum Aushängeschild einer ganzen Generation geworden. In der Popo-Hitliste dürfen natürlich auch US-Schauspielerin Nicole „Coco“ Austin und Rapperin Nicki Minaj nicht fehlen.

Ikonen des Popo-Kults

Beyoncé Knowles, Kelly Rowland und Michelle Williams, besser bekannt als Pop-Trio Destiny’s Child, sangen 2001 mit „Booty­liscious“ (einer Wortschöpfung aus Popo und köstlich) eine Hymne auf die neu erwachte Popo-Besessenheit: „My body’s too bootylicious for ya babe“ – „Mein Körper ist viel zu megasexy für dich, Babe“.

Auch wenn der Po-Kult manchen ordinär erscheinen mag – er liegt voll im Trend. Reichten vor wenigen Jahren noch ein freizügiges Dekolleté und geschürzte Lippen (englisch: „Duckface“ – Entenschnute) aus, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, sind es heute die üppigen Kehrseiten von Kim Kardashian und Amber Rose. Die beiden US-Models verbinden nicht nur üppige Kurven, sondern auch die Beziehung zum US-Rapper Kanye West. Kim Kardashian ist West’ Ehefrau, Amber Rose seine Ex.

„My anaconda don’t want none“

Das Kama Sutra (Sanskrit für Verse des Verlangens), ein um 300 n. Chr. in Indien entstandener erotischer Leitfaden, gibt konkrete Hinweise, wie man das Hinterteil der Angebeteten umschmeicheln soll. 1700 Jahre später reimt Sir Mix-a-lot: „My anaconda don’t want none / Unless you’ve got buns, hunn“ (wörtlich: „Meine Anakonda will keine / Es sei denn, du hast Brötchen, Schatz“).

Im Song „Baby Got Back“ bekennt sich der Rapper ganz ungeniert zu seiner Vorliebe für weibliche Gesäßbacken: „I like big butts and I can not lie“ – „Ich liebe dicke Hintern und ich kann nicht lügen“.




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