Porsche-Chef Blumes großes Experiment

Porsche- und VW-Chef Oliver Blume hat eine anspruchsvolle Doppelfunktion. Foto: dpa/Arne Dedert

Kann ein Manager zwei Dax-Firmen führen? Viele Anleger haben Zweifel, doch bisher funktioniert es.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Es ist ein Experiment, an dem nicht nur Volkswagen und Porsche beteiligt sind, sondern auch Oliver Blume, der beide Dax-Unternehmen in Personalunion führt. Kann das gutgehen? Die Vertreter der größeren Fondsgesellschaften und Aktionärsvereinigungen haben nach wie vor ihre Zweifel. Blume selbst bleibt auch nach einigen Monaten dabei, dass dies möglich ist und Erfolg hat. In der Tat: Porsche ist nach wie vor auf Erfolgskurs, und für Volkswagen hat er in kurzer Zeit ein ausgefeiltes Spar- und Effizienzprogramm aufgelegt, das mehr Eigenverantwortung für die Marken vorsieht und eine Entlastung auch für ihn bedeutet.

 

Blumes Gründe nicht vom Tisch zu wischen

Bei Porsche sei er nah an den Technologien, und bei VW nutze er diese Erkenntnisse, um den Konzern zu führen, so argumentiert Blume. Diese Argumente sind nicht vom Tisch zu wischen. Allerdings hat Blume das Ruder bei Volkswagen in einer extrem schwierigen Zeit übernommen.

Im chinesischen Markt zeigt Volkswagen deutliche Schwächen gegenüber extrem leistungsfähigen Wettbewerbern, die sich in rasender Geschwindigkeit entwickeln. Es ist ein Fanal, dass man dort im ersten Quartal nach langen Jahren die Marktführerschaft abgeben musste. Bei der Software-Entwicklung hängt man weit zurück, obwohl sie ein Schlüssel für den Erfolg vor allem in China ist. Zudem hat Volkswagen gewaltige Überkapazitäten, die Blume schon wegen des notwendigen Konsenses mit dem Betriebsrat nicht durch radikalen Personalabbau beseitigen kann. Die Baustellen sind so zahlreich, dass Blume aufpassen muss, von Wolfsburg nicht vereinnahmt zu werden. Bisher wendet er dafür gerade einmal die Hälfte seiner Arbeitszeit auf. Diese Balance beizubehalten ist ein überaus ehrgeiziges Ziel.

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